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Das verflixte siebte Spiel: Der FC zeigt mentale Stärke


Tabellarisch betrachtet war es ein Pflichtsieg des 1. FC Köln gegen Greuther Fürth. Daheim als Siebter gegen den Tabellenletzten – so ein Spiel muss man einfach gewinnen. Aber nein, weder „muss“ noch „einfach“. Schon gar nicht, wenn man der 1. FC Köln ist. Doch die Geißböcke bewiesen im bislang kompliziertesten Spiel der Saison mentale Stärke.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Im Tennis ist es das verflixte siebte Spiel. In der Ehe ist es das verflixte siebte Jahr. Für den 1. FC Köln war es am Freitagabend beinahe das verflixte siebte Saisonspiel. Das Heimspiel gegen Greuther Fürth war sicherlich nicht das sportlich schwerste, aber definitiv das komplizierteste Spiel der bisherigen Saison. Denn der FC musste sich einer komplexen, neuen Welt stellen: der des klaren Favoriten.

In genau diesen Momenten stolpern Favoriten

Erstmals in dieser Saison kamen 40.000 Zuschauer, und sie alle kamen mit großen Hoffnungen nach Müngersdorf. Sie alle, viele von ihnen erstmals seit anderthalb Jahren, wollten sich vom neuen FC unter Steffen Baumgart ihr eigenes Bild machen. Und das ausgerechnet gegen Fürth, gegen den Aufsteiger und Tabellenletzten: Da müsste es doch schon mit dem Teufel zugehen, wenn es kein Spektakel und keinen haushohen FC-Sieg geben würde. Schließlich hatte der FC seit Wochen geglänzt und war selbst von Leipzig und Frankfurt nicht besiegt worden.

Es sind genau diese Momente, in denen Favoriten gerne und reihenweise stolpern, auch und häufig in der Vergangenheit der 1. FC Köln. Die Geißböcke dienten schon so manchem Krisenklub als Aufbaugegner, FC-Fans können ganze Bücher schreiben über Mannschaften, die wochenlang sieglos geblieben waren, bis der 1. FC Köln ihren Weg kreuzte und dankbar die Punkte überließ. Und so fühlte sich mancher Kölner Anhänger gegen Fürth nach sieben Minuten und dem 0:1 durch Meyerhöfer wieder in demselben Film der letzten Jahre und Jahrzehnte.

Sportliches Rüstzeug und der Glaube an die eigene Stärke

Dann aber zeigte sich dieser neue 1. FC Köln, eine Mannschaft, die in der Lage ist, wirklich so ergebnisunabhängig Fußball zu spielen, wie sich Steffen Baumgart das wünscht. In dem Glauben, dass dieser Weg nach 90 Minuten letztlich zum Erfolg führen wird. Die Geißböcke schüttelten sich, stellten sich auf den Gegner ein, erhöhten die Schlagzahl, kamen mit Wut und Wucht aus der Halbzeitpause und überrannten in starken 20 Minuten einen plötzlich völlig überforderten Gegner.

Frühere Kölner Teams wären am Freitagabend gestolpert, hätten das verflixte siebte Saisonspiel verloren. Doch Baumgart hat seiner Mannschaft nicht nur das sportliche Rüstzeug mitgegeben, um einen solchen Gegner zu bespielen, sondern auch die mentale Stärke, an diese Vorgaben zu glauben, wenn es mal nicht nach Plan läuft. „Hier geht es nicht darum, 1:0 zu führen, sondern nach 90 Minuten als Sieger vom Platz zu gehen“, hört man den FC-Trainer in der neuen Folge von „24/7 FC“ sagen. Es war eine Szene aus der Halbzeit gegen Hertha BSC am ersten Spieltag, als die Geißböcke erst 0:1 hinten lagen, dann ausglichen und schließlich gewannen. So wie gegen Fürth. Deshalb war der Dreier gegen die Kleeblätter der bislang wichtigste Sieg der Saison.

12 Kommentare
  1. Truebe Tasse sagte:

    Herr Merten, ich schließe mich Ihrem Schlussfazit absolut an. Absolute Zustimmung. Der Dreier, um es auch noch mal extra zu betonen – DIESER Dreier – war aus den bisherigen Spielen vermutlich der wichtigste Sieg. Klar, das 3:1 gegen Berlin und das 2:1 gegen Bochum geben auch 3 Punkte, der Auftaktsieg war wichtig, um gut in die Saison zu kommen und das 2. Heimspiel war wichtig, weil es durch die Ersatzbank entschieden wurde. Also letztendlich war jeder Sieg bislang gleich viel wert und alle waren bedeutend, trotzdem fand ich den Sieg gegen Fürth ebenfalls als noch mal einen Tick besonderer. Zum einen wegen der Favoritenrolle, dann als Beleg dafür, dass man nicht nur 1:0-Führungen aus der Hand geben kann, sondern wiederholt ein 0:1-Rückstand in einen Sieg ummüntzen konnte. Was mir persönlich aber wesentlich wichtiger ist: mit Fürth ist der erste Kontrahent um den Klassenerhalt vermutlich nachhaltig distanziert. 11 Punkte auf Fürth wird der FC nicht mehr verliere. Mit etwas Glück kann bis Weihnachten sogar der zweite Mitaufsteiger nachhaltig distanziert werden, sodass möglicherweise schon im März/April Planungssicherheit in Sachen Ligazugehörigkeit 2022/23 herrscht. Und das ist enorm wichtig. Unser finanziell arg gebeutelter Verein hat die Chance, nächste Saison in die 4. Bundesliga-Saison am Stück zu gehen. Finanziell sehr wichtig.

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  2. FC Neukoelln sagte:

    Das verflixte 7. Spiel ist offenbar den Kollegen von FC-TV zum Verhängnis geworden: kein Re-Live, keine Highlights, keine Stimmen nach dem Spiel.
    Vom Spiel kann ich mich einzig an Kölsch-Kränze und haarige, verschwitzte Jubeltrauben mit Trömmelsche erinnern. Ich bin auf Entzug und brauche dringend Stoff. Verkaufe meine Oma für eine Zusammenfassung. Bitte helft mir!

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  3. Jose Mourinho sagte:

    „Die Geißböcke dienten schon so manchem Krisenklub als Aufbaugegner, FC-Fans können ganze Bücher schreiben über Mannschaften, die wochenlang sieglos geblieben waren, bis der 1. FC Köln ihren Weg kreuzte und dankbar die Punkte überließ … Frühere Kölner Teams wären am Freitagabend gestolpert, hätten das verflixte siebte Saisonspiel verloren.“

    Frühere Kölner Teams, die Aufbaugegner gegen solche Sieglosmannschaften waren, hatten aber auch keine 9 Punkte am 7. Spieltag, sondern waren in Form und Moral ganz anders drauf.

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    • Felix Zwaier sagte:

      Ja das soll der Artikel implizieren. Wir haben zur Zeit eine willensstarke Mannschaft und lassen uns von einem oder halt zwei gegen Bayern nicht hängen.

      Wenn Fifa das auch endlich mal merkt und Modeste nicht von 72 auf 71 Runter stuft, dann könnte das Spiel auch mal wieder Spaß machen.

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