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Nach Modeste: Jetzt meldet sich auch Andersson zurück


Verletzungssorgen, Wechsel-Theater, jetzt wieder Torschütze: Sebastian Andersson hat sich beim 1. FC Köln zurückgekämpft und gegen Greuther Fürth sein erstes Saisontor erzielt. Der Stürmer ist wieder da und wirkt plötzlich so fit wie noch nie seit seinem Wechsel aus Berlin nach Köln. Nach Anthony Modeste scheint der FC auch den zweiten Sorgenfall im Sturm hinbekommen zu haben.

Köln – Vor der Saison, als die Vorbereitung gerade begonnen hatte, stand ein großes Fragezeichen über dem Sturmzentrum des 1. FC Köln. Anthony Modeste war gerade frisch operiert nach seiner Leihe aus Frankreich zurückgekehrt. Sebastian Andersson hatte eine Saison voller Knieprobleme hinter sich, und auch beim FC fragte man sich intern, ob der Schwede seine Karriere überhaupt würde fortsetzen können.

Erst verletzt, dann Transfer-Theater

Außer Frage stand, dass der 1. FC Köln im Sommer einen weiteren Mittelstürmer verpflichten würde. Das sagte auch Steffen Baumgart, schließlich wisse man nicht, wie viele Spiele Modeste und Andersson tatsächlich machen könnten. Doch dann passierte nichts mehr. Im Gegenteil: 48 Stunden vor Ende der Transferperiode flog Andersson plötzlich in die Türkei, um sich über einen Wechsel zu informieren. Der Grund: Er spielte beim FC nicht von Beginn an.

Das sorgte für Irritationen innerhalb des FC. Schließlich hatte Andersson in der Vorbereitung immer wieder Trainingseinheiten auslassen müssen, in den Testspielen maximal je eine Halbzeit gespielt, schien weder die Luft noch die Stabilität im Knie zu haben, um 90 Minuten Bundesliga zu spielen. Trotzdem forderte der 30-jährige einen Stammplatz, indem er mit einem Abschied kokettierte.

FC biegt Modeste und Andersson wieder hin

Das kam intern nicht gut an, und trotzdem hielten die Geißböcke zu ihrem Stürmer. Vielmehr noch: Das Trainerteam und die medizinische Abteilung taten alles, um den 30-jährigen Bundesliga-fit zu machen. So wie sie es schon bei Anthony Modeste erfolgreich geschafft hatten. Modeste war im Laufe der Vorbereitung kaum mehr wiederzuerkennen, hatte seine Lust am FC, am Fußball, am Toreschießen und sogar am Laufen wiedergefunden.

Einige Wochen später ist das auch bei Andersson der Fall. „Er hat sich wirklich durch Arbeit reingebissen“, sagte Jörg Jakobs am Freitagabend nach dem 3:1 gegen Greuther Fürth. „Er hat jetzt eine Physis, die es ihm ermöglicht, so zu spielen. Er sammelt Spielminuten ohne Ende und trainiert trotzdem normal. Das spricht für ihn. Er hat den Punkt jetzt überwunden.“ Den Punkt, der ihn monatelang blockiert hatte – physisch und psychisch.

Harte Arbeit zahlt sich aus

Andersson weiß wieder, dass sein Körper hält. Genauso wie Modeste hat er hart an seiner Fitness gearbeitet – viele sagen über das Duo, beide hätten so hart wie noch nie gearbeitet. Und nun treffen beide wieder. In Hälfte eins gegen Fürth vergab Andersson noch per Kopf. Dann legte Benno Schmitz ihm mustergültig auf und der Blondschopf grätschte den Ball zum Ausgleich über die Linie. In Frankfurt hatte er eine Hereingabe von Modeste noch zum 2:0 verpasst, Sekunden später war der Ausgleich gefallen. Gegen die Kleeblätter war es Andersson, der sein Team zurück in die Partie brachte.

„Er ist da, er trainiert, er macht, und er macht es besser als alle erwartet haben“, freute sich Baumgart nach der Partie über die Entwicklung des 30-jährigen. „In der ersten Halbzeit gab es noch den einen oder anderen versprungenen Ball. Aber Seb hat weitergemacht. Er ist ein erfahrenen Spieler. Ich bin zufrieden, dass er gesund ist und dass man ihm nichts mehr anmerkt.“

Aus einem Problem wird eine Luxussituation

Plötzlich hat der 1. FC Köln keine Sturmsorgen mehr, sondern vielmehr zwei echte Mittelstürmer, die fit und torgefährlich sind. Modeste und Andersson können gemeinsam auflaufen, können sich ersetzen, aber auch ergänzen. Beide sind kopfballstark, doch in ihren Bewegungen, Laufwegen und Abschlüssen unterscheiden sie sich deutlich. Auffällig bei Andersson: Inzwischen legt er auch wieder enorme Wege zurück für einen Mittelstürmer. In Frankfurt waren es fast elf Kilometer über 90 Minuten. Gegen Fürth ging er in der 85. Minute runter – hätte er durchgespielt, wäre er auf einen ähnlichen Wert gekommen.

Das macht Andersson in Baumgarts Spiel noch wertvoller, und inzwischen kann der Schwede diese Belastung auch wieder gehen, ohne danach drei Tage im Training zu fehlen. Zusammen mit Modeste (vier Tore in sieben Spielen) ergibt sich so für den FC plötzlich eine Luxussituation, die zu mehr Durchschlagskraft und mehr taktischen Möglichkeiten führt. Stellte sich in der vergangenen Saison und auch zu Beginn der Vorbereitung im Sommer noch die Frage, wer die Tore für den FC schießen sollte, ist diese Frage nun beantwortet.

13 Kommentare
  1. Felix Zwaier sagte:

    Ich weiß nicht, ob man jetzt schon feiern sollte. Andersson hat diese Saison, und auch nach dem vermeintlichen Knotenlöser, schon mehrere 1g1 Situationen vergeigt. Würde er seine Chancen nutzen, wäre er bestimmt ein klasse Stürmer, im Moment muss man sich eher freuen, weil er fit ist.

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  2. Marcel Oehm sagte:

    Für mich überwiegt auch eher die Disharmonie bei beiden. Für mich ist Andersson weiterhin eher eine Schwäche als eine Stärke für das Team; auch wenn manche Statistiken ihm gewisse Punkte zurechnen. Mein Eindruck ist definitiv eher, dass Modeste in seinen Stärken beeinträchtigt wird, wenn Andersson und er zusammen spielen. Finde gerade beim Stellungsspiel bei Flanken aber auch Abschlüssen merkt man es. Irgendwie stehen sie sich im Weg. Da würde mich mal die Statistik interessieren. Gefühlt bildet Modeste mit Thielmann oder Lemperle ne bessere Spitze.

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  3. Gerd1948 sagte:

    Dies ist tatsächlich eine Grundsatzfrage erst mal für den Mannschaftserfolg. Werden die beiden auf lange Sicht mehr Ertrag bringen wenn sie zusammen auf dem Platz stehen, oder wäre es besser dies als Ausnahme zu probieren? Alles richtig hier in den 4 Kommentaren mit den Egos mit dem Machtwort mit dem wohl fehlenden Zusammenspiel. Erst mal steht jetzt wohl doch außer Frage, dass Andersson völlig genesen ist. Er geht ja nicht mit 80% in die Zweikämpfe, sondern mit allem.
    Meiner Meinung nach passt sowas auch nicht, auch wenn die Laufwege und Verhaltensweisen/Bewegungsabläufe etwas andere sind. Es passt auch nicht sofort mit Uth und Duda oder würde auch nicht mit Kilian Hübers passen. Man sollte immer alle Stärken des Einzelnen mit einbringen in die Startelf. Die Verbissenheit von Thielmann, die Schnelligkeit von Lemperle, in 1-2 Jahren die Technik von Obuz. Seis drum, Baumgart wird weiter variieren. Es geht um das System und das bekommt im Training jeder gleich beigebracht. Vllt hätte Baumgart auch mal Modeste nicht gebracht gegen Fürth, wenn Lemperle und Thielmann fit gewesen wären. Wir sollten erst mal Baumgart machen lassen und sehen wie sich alles weiter ergibt und entwickelt. Jedenfalls bin ich überzeugt dass alle 20 Feldspieler oder 21 auf ihre Minuten kommen.

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  4. El Sas sagte:

    Bin vollkommen einverstanden mit den Kommentaren hier. Die beiden Stürmer sollten ihre Egos hinten anstellen und lernen miteinander zu spielen. Die Basis scheint ja bei beiden gelegt worden zu sein. Was mir nicht so passt sind Aussagen von Modeste, er hätte im Sommer mehr gearbeitet als die Jahre zuvor. Ich weiß er war oft verletzt, aber eigentlich ist diese Aussage unverschämt. Klingt so als ob die Jahre vorher nicht wollte, weil ihm dr Trainer nicht gepasst hat oder ähnliches. Das ist keine professionelle Einstellung zum Beruf

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    • Norbert Furmanek sagte:

      Alles dummes Zeug. Wenn du gesundheitlich angeschlagen bist ,macht es nie Spaß zu arbeiten. Da hinterfragt man sich . Da gehen einem viele Gedanken durch den Kopf. Die Psyche spielt da eine sehr große Rolle. Dazu das Theater mit den Chinesen, dem Tod seines Vaters. Wir haben es doch auch bei Hector gesehen dem der Tod seines Bruders sehr zu schaffen machte. Jeder Mensch ist anders. Der eine schüttelt es ab , der andere hat schwer zu knabbern. Freuen wir uns das Baumgart recht gute Mittelstürmer hat und vor allem sehr gute Alternativen.

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    • FC Neukoelln sagte:

      Kann man aber auch anders interpretieren. Modeste ist ein Sensibelchen, dessen Hochs und Tiefs wie bei kaum einem anderen von der richtigen Umgebungstemperatur abhängen. Zu den Stationen in Frankreich und England kann ich nichts sagen, aber das war im Negativen schon in Hoffenheim der Fall und seit Stögers Abgang dann auch in Köln. Man muss das gar nicht verurteilen, es gehört zu seinem Wesen, und das hat man ja schliesslich mit eingekauft. Nenn ihn Echse. Gute Stürmer sind halt auch mal Kaltblüter :-)

      Ganz im Gegenteil hat man als Trainer die Verpflichtung, dies zu erkennen und ihn dementsprechend zu fördern. Schafft man dies nicht ist man nicht der richtige Coach für Modeste, was nicht umbedingt für den Trainer spricht, denn ein guter Modeste ist eine Waffe. Und hey – einen Spieler, der den lieben, langen Tag am liebsten rumalbert und schallend übers Feld lacht ein wenig sonderzubehandeln ist einem Teamleiter schon auch zumutbar.
      Positiv herausstellen kann man doch, dass Baumgart gelungen ist, was den ganzen Anfangs, Beierlorzers und Gisdols leider abging (was mich bei allen Dreien aber auch kein bisschen wundert): Modeste geht wieder in den roten Bereich. Bezeichnend war für mich die Szene, als er am ersten Spieltag die Wasserflasche in Baumgarts Gesicht leerte. Spätestens da war allen Beteiligten klar: er hat einen Draht zum Coach und hat wieder Bock.

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  5. Gerd1948 sagte:

    Das sehe ich exakt so. Er wollte es sich unbedingt beweisen, dass er es noch kann und mit jedem Fehlversuch setzt man sich mehr und mehr selbst unter Druck. Beide müssen erkennen, dass man insgesamt davon profitiert, wenn der Erfolg der Mannschaft da ist und man eben nicht nur um den Abstieg spielt.

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    • Norbert Furmanek sagte:

      Stimmt auch ,Gerd. Es lässt sich ganz anders spielen wenn du nicht im Tabellenkeller hängst sondern im oberen Teil. Und durch gute Spiele und Siege Selbstvertrauen aufbauen kannst. Und dann ist es auch nicht schlecht wenn es mehrere Torschützen gibt. Da hat es der Gegner nicht so einfach.

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  6. FC Neukoelln sagte:

    Darf ich hier quer parken? Ich verstehe diese künstliche Ego-Debatte nämlich nicht. Hätte ein Stürmer die Neigung, den Ball lieber abzuspielen wäre er kein Stürmer. Natürlich sucht man als Stürmer den Abschluss, erst recht, wenn man gerade aus einer schwierigen Zeit kommt, gesundheitliche Probleme hatte und sich selbst wie auch allen anderen etwas zu beweisen hat – und das gilt nun mal für beide.
    Der Erfolg gibt ihnen doch recht, und zur Beruhigung: mit jedem weiteren Treffer entspannt sich die Stürmerseele zusehends.
    Ich verstehe nicht, warum hier die angeblich überzogenen Egos der Beiden derart hochgejazzt werden. Die Spieler haben die klare Weisung vom Trainer, Torabschlüsse zu suchen. Und das klappt meiner Meinung nach ziemlich hervorragend. Mal ein paar offensiv relevante Zahlen im Vergleich zum Vorjahr:

    Letzte Saison / diese Saison
    Tore pro Spiel 1,0 / 1,9
    Stürmertore pro Spiel 0,09 / 0,71
    Torschüsse pro Spiel 10,6 / 15,3
    Punkte pro Spiel 0,97 / 1,71

    Wie habe ich eigentlich die letzte Saison überlebt??

    Wir haben derzeit zwei Stürmer, die beide für sich beanspruchen, der bessere zu sein, und dies Woche um Woche mit Leistung belegen. Da beide vor der Saison totgesagt waren und wir kein Geld für Neuverpflichtungen hatten könnte unsere Situation doch kaum schöner sein. Wenn das Ego sein soll, dann hatten wir die letzten Jahre vielleicht einfach zu wenig davon.

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