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„Wer andere Flausen im Kopf hat – nicht schlimm, aber nicht bei uns“


Der 1. FC Köln gehört zu den besten Ausbildungsvereinen in Deutschland. Das belegen nicht nur die guten Ergebnissen samt Erfolge der Nachwuchsmannschaften in den vergangenen Jahren, sondern auch die Tatsache, dass kein anderer Bundesligist mehr Eigengewächse in seinem Profikader hat als die Geißböcke. Doch nicht immer reicht Talent alleine aus, wie Steffen Baumgart am Freitag noch einmal unterstrich. 

Köln – Mit Maximilian Schmid, Justin Diehl, Simon Breuer, Winzent Suchanek, Florian Dietz und Meiko Sponsel durften sich am Freitagabend im Sportpark Höhenberg beim Stadtturnier sechs Nachwuchsspieler bei den Profis zeigen. Während der ein oder andere bereits in den vergangenen Länderspielpausen Profiluft schnuppern durfte, feierten Suchanek und Diehl ihr Debüt im Herrenfußball. Neben weiteren Nachwuchskräften wie Castrop, Obuz oder Wydra, die aktuell mit ihren Junioren-Nationalteams auf Reisen sind, soll auch das Sextett das zukünftige Gesicht des 1. FC Köln bilden.

FC mit den meisten Eigengewächsen der Bundesliga

Lässt man Florian Dietz einmal außen vor, der mit seinen 23 Jahren immerhin schon 46 Drittligapartien bestritten hat und erst in seine zweite Saison bei der U21 des FC geht, standen neben den jungen Talenten aber noch weitere Eigengewächse auf der Schäl Sick auf dem Platz. Auch Jan Thielmann, Tim Lemperle, Salih Özcan und Mark Uth wurden immerhin beim FC ausgebildet. Mit Timo Horn hätte zudem noch ein weiterer Kölner auf dem Platz stehen können, doch der Keeper wurde am vergangenen Freitag vom Trainerteam geschont.

Insgesamt zählen aktuell zehn Eigengewächse offiziell zum Profikader der Geißböcke – die gegen Viktoria und Fortuna zum Einsatz gekommenen Youngsters nicht mit eingerechnet. Kein anderer Bundesligist hat derzeit so eine hohe Durchlässigkeit wie der FC. „Riesen-Kompliment ans NLZ“, sagte daher auch Steffen Baumgart am Freitag während des Stadtturniers im Gespräch mit Sport1. „Wir haben eine der besten Nachwuchsleistungen in Deutschland. Nicht umsonst kommen viele, um uns die besten Jungs wegzunehmen“, erklärte der FC-Coach wohlwissend, dass mit Florian Wirtz das Jahrhunderttalent vor knapp zwei Jahren die Rheinseite gewechselt hatte, was dem FC sportlich wie finanziell über Jahre hinweg noch weh tun wird.

Den Weg wollen wir gehen

Doch Wirtz ist dabei nicht der einzige Spieler, der das Kölner NLZ bereits vor dem Schritt zu den Profis verlassen und woanders sein Glück gesucht hatte. Can Bozdogan beispielsweise wurde im Sommer 2019 vom FC Schalke 04 abgeworben. Die Königsblauen ließen sich die Dienste des damals 18-jährigen knapp 700.000 Euro kosten. Keine zwölf Monate später feierte der Mittelfeldspieler und gebürtige Kölner sein Bundesligadebüt auf Schalke, stieg ein Jahr später mit den Knappen ab und spielt inzwischen bei Besiktas Istanbul in der Champions League. Auch Torhüter Vincent Müller wollte vor zwei Jahren einen anderen Weg einschlagen. Statt sich im Schatten von Timo Horn weiterzuentwickeln, suchte der Keeper direkt eine neue Herausforderung und wechselte zu den Würzburger Kickers. Inzwischen spielt der 21-jährige mit Mario Götze beim PSV Eindhoven (noch ohne Einsatz) und wurde jüngst erstmals in die U21-Nationalmannschaft berufen.

Nicht immer also landen die talentiertesten Kölner Nachwuchsspieler am Ende auch bei den FC-Profis. Spätestens seit dem bitteren Wirtz-Abgang versucht man am Geißbockheim jedoch, seinen hoffnungsvollsten Talenten frühzeitig einen Weg zu den Profis zu zeigen und sie mit langfristigen Verträgen auszustatten. „Den Weg wollen wir gehen, mit Kölner Jungs, mit Jungs, die lange bei uns sind, um den Verein weiterzuentwickeln – und auch, um Werte zu schaffen. Das gehört dazu“, meinte Baumgart am Freitag. Dass Eigengewächse, wie Ismail Jakobs im vergangenen Sommer, später auch mal eine Millionensumme an Ablöse einbringen können und sollen, gehört also ebenso zu dem Kölner Weg dazu.

Bringt eure Leistung, dann seid ihr dabei

Klar ist aber auch, dass es rein statistisch gesehen nicht alle Nachwuchsspieler am Ende auch zu den Profis schaffen werden. Denn trotz allem Talent, das ein Spieler mitbringen mag, ist der Weg in den bezahlten Profisport am Ende steinig. „Wichtig ist, dass die Jungs wissen, worum es geht. Es geht nicht nur darum, ein Talent zu sein, sondern darum, das Talent in den Männerbereich mitzunehmen. Der schwierigste Schritt ist der vom Jugend- in den Männerbereich“, erklärte Steffen Baumgart. Gleichzeitig machte der Trainer aber auch klar, dass Disziplin und Ehrgeiz am Ende vielleicht entscheidender sind als das Talent: „Wir geben ihnen das Zeichen: Bringt eure Leistung, dann seid ihr dabei! Und wer andere Flausen im Kopf hat“, führte Baumgart aus und spielte auf die womöglich natürlichen Eigenschaften eines Heranwachsenden an, „ist doch nicht schlimm, aber nicht bei uns.“

2 Kommentare
  1. Truebe Tasse sagte:

    Wenn man schon Uth nennt, kann man auch auf Terodde, Gerhardt, Weiser, Yabo, Schuhen, Caliskaner und manch andere Spieler verweisen, die es zumindest woanders zu Profi geschafft haben. Wie hieß noch gleich der Stürmer der U21, der vor 2, 3 Jahren irgendwo ins Ausland gewechselt ist? Komme grade nicht auf den Namen, war aber auch kein Schlechter. Ob es jetzt die rosarote FC-Brille oder die mangelnden Kenntnisse anderer Jugendabteilungen ist, aber in den vergangenen Jahren haben es doch mehr FC-Gewächse in den Profibereich geschafft als von allen anderen Vereinen, oder?

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  2. Gerd1948 sagte:

    Schon, man muss da aber auch unterscheiden, ob jemand das nötig hat und diesen Weg geht, oder eben es aus freien Stücken tut ohne Rücksicht auf Ligazugehörigkeit. Wir händeln das auch noch nicht so lange mit der Durchlässigkeit. Es gibt überall mal gute Jahrgänge. Sei es im Westen mit Leverkusen, Schalke, Dortmund, Bochum oder Köln oder im Süden mit Stuttgart, Bayern oder mal in Hoffenheim. Die Nachhaltigkeit würde den Unterschied machen denn jetzt könnte es sein, dass man im Köln vllt mal ein paar Jahre wieder der Spitze hinterher läuft mit den Jahrgängen. Es braucht dieses bedingungslose Konzept natürlich die Rahmenbedingungen und gute Ausbilder.

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