Youth League: Wenn der Stolz über die Enttäuschung siegt


Die U19 des 1. FC Köln ist in der Youth League gegen den KRC Genk ausgeschieden. Der große Traum vom Weiterkommen ist damit geplatzt, doch nach 180 Minuten gegen einen der besten europäischen Nachwuchsvereine, war das Aus letztlich verdient. In den kommenden Tagen jedoch dürfte der Stolz sowie der Wert an Erfahrungen die derzeitige Enttäuschung verdrängen können. 

Aus Genk berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Für die Spieler wird es das vielleicht größte Erlebnis ihrer bisherigen Karriere gewesen sein, für einige von ihnen womöglich sogar das größte ihrer gesamten Karriere. So war beim 1. FC Köln am Dienstagabend alles auf die 90 Minuten auf dem Rasen im Schatten des Genker Stadions ausgerichtet. Die 2:4-Hinspielniederlage ließ die Chancen auf das Erreichen der zweiten Runde in der Youth League zwar nicht gerade größer erscheinen, die Hoffnungen auf das Weiterkommen trübte dieses Ergebnis jedoch keineswegs.

Genk hat das geil ausgespielt

„Wir waren noch sehr optimistisch“, erklärte Torhüter Jonas Urbig nach dem Rückspiel dem GEISSBLOG.KOELN. Und so präsentierte sich die Elf von Trainer Stefan Ruthenbeck auch: Von Beginn an waren die Geißböcke hellwach und zeigten mit aller Leidenschaft, dass sie das Ding noch einmal umbiegen wollten. Der Treffer von Kapitän Joshua Schwirten brachte schließlich auch früh die Überzeugung, es tatsächlich schaffen zu können. Womöglich vielleicht aber auch zu früh, wie Ruthenbeck hinterher verriet. „Ich hätte das 1:0 lieber kurz vor der Halbzeit gemacht. Genk hat das auch echt geil ausgespielt. Gegen so einen guten Gegner ist es auch für mich schwierig, Lösungsansätze zu finden“, gab der Trainer hinterher zu.

Die Freude über das Traumtor von Schwirten währte zudem nur kurz. Schon in der 14. Minute traf Adnane Abid zum Ausgleich. Trotzdem blieb der Wille der Kölner ungebrochen. „Es war unser großes Ziel, hier weiterzukommen und alles reinzuhauen, um das Spiel auf unsere Seite zu lenken und mit einem Sieg nach Hause zu fahren“, erzählte Urbig nach dem Spiel, der trotz am Ende dreier Gegentreffer deutlich weniger zu tun bekommen hatte als noch vor drei Wochen in Köln.

Suchanek stark gegen A-Nationalspieler

Überhaupt war die Partie in Genk deutlich enger als das Hinspiel im Franz-Kremer-Stadion, bei dem der FC mit vier Gegentreffern am Ende noch gut davon gekommen war. Auch deshalb war Ruthenbeck insbesondere mit der Entwicklung seiner Mannschaft und auch einzelnen Spielern mehr als zufrieden. „Winzent Suchanek hat das gegen einen A-Nationalspieler von Tansania sensationell verteidigt. Auch die Präsenz, die Marlon Monning als 2005er reingebracht hat, war beeindruckend. Jens Castrop hat sich reingebissen in das Spiel. Das hat echt Spaß gemacht“, nannte der Trainer einige Beispiele.

Umso enttäuschender war es vor allem für die Spieler, als einige aus Köln angereiste Zuschauer in der Halbzeitpause der Mannschaft ihre Bühne klauten, um sie für ihre eigenen gewaltverherrlichenden Zwecke zu verwenden. Viele Worte wollte Stefan Ruthenbeck nach der Partie nicht darüber verlieren, doch der Trainer machte klar, dass es keine einfache Situation für die teilweise erst 16 Jahre alten Spieler gewesen sei. „Ich versuche mich vielmehr an der Art und Weise zu ergötzen, wie unsere Jungs Fußball gespielt haben. Aber natürlich hat das in der Pause nicht dafür gesorgt, dass die Konzentration weiter hochgehalten wurde.“

Voller Fokus auf die Liga

Mit 15-minütiger Verspätung wurde die zweite Halbzeit schließlich angepfiffen. Die Kölner Spieler steckten die Vorkommnis auf dem Platz jedoch so professionell es ihnen möglich war weg und waren dem zweiten Tor nach dem Seitenwechsel zunächst auch deutlich näher. „Der Druck von uns war groß, Marvin Obuz ist zu diesem Zeitpunkt explodiert. Wir haben sie richtig an ihrem Strafraum bespielt. Da dachte ich: Wir kriegen sie“, berichtete Ruthenbeck hinter. Genau in diese Drangphase hinein zog Profi-Spieler Luca Oyen dem FC den Stecker. „Und dann fahren sie diesen einen sensationellen Konter, das habe ich im Jugendbereich mit dieser Wucht noch nicht gesehen. Das hat uns das Genick gebrochen.“

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff war es daher nur umso verständlicher, dass die Spieler zunächst mit hängenden Köpfen den Rasen verlassen hatten. „Die Enttäuschung ist riesig groß“, sagte Torwart-Talent Urbig, bei dem jedoch auch schnell der Kopf wieder nach oben ging: „Wir haben uns trotzdem gut präsentiert, wir haben alles versucht. Wir können denke ich sehr stolz auf uns sein.“ Und die Erfahrung, die die Spieler in dem internationalen Wettbewerb gegen einen starken Gegner sammeln konnten, könnte im Laufe der Saison noch hilfreich werden. So richtetet zumindest Jonas Urbig seinen Blick schon wieder auf die kommenden Aufgaben: „Wir wollen in der Liga jetzt maximal punkten und da die Meisterschaft angreifen.“

12 Kommentare
  1. NICK sagte:

    Was mich wundert. Vor den Spielen hiess es nie „Genk ist eine der besten Nachwuchsmanschaften Europas“. Auch ob man vor einem „A-Nationalspieler aus Tansania“ zittern muss??? In welchen Ligen spielen die normalerweise…Cestic ist auch A-Nationalspieler von Serbien und Churlinov von Nordmazdeonien – und haben die nicht dieses Jahr „Die Mannschaft“ besiegt?

    Ich will die Leistung nicht schmälern, aber letzten Endes sind wir 3:7 ausgeschieden.

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    • Klio sagte:

      „Was mich wundert. Vor den Spielen hiess es nie „Genk ist eine der besten Nachwuchsmanschaften Europas“.“

      Im Vorbericht vor dem Hinspiel gegen Genk auf der FC-Website:
      „Genk hat eine der besten Nachwuchsakademien Europas, die Talente des dreimaligen belgischen Meisters treten in große Fußstapfen.
      Kevin De Bruyne, Thibaut Courtois, Divock Origi, Yannick Carrasco: Das ist nicht nur eine Liste mit belgischen Nationalspielern, sondern zugleich eine Aufzählung namhafter Absolventen, die ihren Weg über die Jugendabteilung des KRC Genk auf die große Fußballbühne fanden“.
      Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Genker U19 mit mit belgischen Junioren-Nationalspielern „gespickt“ sei, und Stefan Ruthenbeck wird zitiert: „Wir werden auf einen sehr starken Gegner treffen. Es war das schwerste Los, das im Topf war. “
      https://fc.de/fc-info/news/detailseite/details/de-bruynes-erben/

      Nun gut, wortwörtlich wies man auf „eine der besten Nachwuchsakademien Europas“ hin, nicht „eine der besten Nachwuchsmannschaften Europas“. Aber dass man es mit einem Hochkaliber zu tun hat, war relativ deutlich, wenn man die Vorberichterstattung in den Medien etwas verfolgte.

      Zum Beispiel Ruthenbeck in einem Interview mit dem Express vor dem Hinspiel:
      „Wenn Genk mit dem besten Aufgebot kommt, sind wir nicht in der Favoritenrolle. (…) Zudem sind die U18 und U21 jeweils Tabellenführer, da erwartet uns ein Top-Niveau. Wir brauchen einen Sahnetag, um zu bestehen.“
      https://www.express.de/sport/fussball/1-fc-koeln/1-fc-koeln-stefan-ruthenbeck-ueber-youth-league-gegen-krc-genk-75234?cb=1634818294737

      Auch Effzeh.com hat vor dem Hinspiel über die hervorragende Jugendarbeit in Genk berichtet:
      https://effzeh.com/1-fc-koln-krc-genk-uefa-youth-league-hinspiel-vorschau/

      moderated
  2. Henry Keller sagte:

    Also erstmal muss man ja überhaupt den Hut ziehen das der FC es geschafft hat sich für die Youth League zu qualifizieren. Ergebnis hin oder her – am Ende des Tages ist es eben auch Formsache, gerade beim Nachwuchs. Was mich viel mehr stört ist die dermaßen schlechte Infrastruktur mit der die Nachwuchsabteilung und Profimannschaft beim FC zu kämpfen hat. Ziemlich genau vor 6 Jahren hat der FC ein YouTube Video zur Thematik veröffentlicht. Das Thema war damals schon extrem heiß – was ist seit dem passiert? NICHTS ! Es kann doch nicht sein das wir als Sportstadt Köln es nicht auf die Kette bekommen das Geißbockheim auszubauen. Nicht falsch verstehen: Ich weiß das alles durch die Stadt abgesegnet und geplant werden muss. Aber selbst der Oberliga Verein von nebenan schafft es binnen zwei Jahren die Infrastruktur auf ein krasses Niveau auszubauen. Die haben bessere Kabinen als die Profis und Nachwuchsteams des FC! Das kanns doch nicht sein??

    Abschließend möchte ich nur sagen: Es gibt sicherlich nicht eine Person die an allem Schuld ist. Leider reden immer nur alle aber machen tut keiner was. So sehe ich das!

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  3. Steffen Weber sagte:

    Was gibt es denn da permanent zu feiern, wenn man sich chancenlos von einem 65000 Seelen Städtchen weghauen lässt? Die haben ein starke Jugend, ok. Aber das sollte eher alarmieren, weil es zeigt, wie schlecht der eigene Nachwuchs ist. Diese Lobenshymnen, als hätte man als Liechtenstein gegen Brasilien verloren, sind voll daneben. Stolz? Das ist peinlich!

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      • Steffen Weber sagte:

        Die Jungs wollen alle mal deutsche 1. Fußball-Bundesliga spielen. Da kann man nicht stolz darauf sein, wenn man von einem 65.000 Seelen-„Dorf“ eindeutig auf die Nuss bekommt. Der eigene Anspruch sollte höher sein.

        Noch schlimmer finde ich es aber, wenn der Verein auch nur im Ansatz irgendwie „stolz“ sein sollte. Es müsste nämlich jeder Verantwortliche beschämt sein, dass eine derartige Lücke zwischen den Vereinen klafft. Da ist geschlafen worden in der Vergangenheit.

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        • radrennbahn sagte:

          So ein Schwachsinn. Was hat denn die Größe einer Stadt mit der Qualität eines Clubs zu tun? Sinsheim hat nicht einmal halb so viele Einwohner, da haben wir vor ein paar Tagen auch ne Klatsche bekommen. Stellst Du jetzt auch unsere profis in Frage? Genk ist ein Ausbildungsverein, aus dem sich diverse belgische Clubs bedienen. Du bist das beste Beispiel für einen überheblichen, unsympathischen Artgenossen.

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          • Steffen Weber sagte:

            Sorry, wenn dir nicht klar ist, dass die Größe einer Stadt natürlich einen Einfluss auf die (finanziellen) Möglichkeiten eines Vereins hat, dann ist dir nicht zu helfen. Und das Sinsheim über Hopp-Geld verfügt ist dir nicht klar, oder warum ziehst du den unpassenden Vergleich? Genk hat keinen D. Hopp im Genick. Aber hau du ruhig weiter deine geistlosen Thesen raus.

            Damit bleibt es dabei: Der FC hat gehörig geschlafen. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, warum die Jugendabteilung eines Städtchens dem FC soweit enteilen konnte, außer, dass man gepennt hat. Und daher gibt es für den Verein gar nichts, das stolz machen könnte, sondern vieles, was man als dringend zu verbessern erkennen sollte. Und das liegt nicht nur an der Infrastruktur.

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