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Datenanalyse: Auf welcher Position ist Özcan am stärksten?


Nach einem persönlich durchwachsenden Saisonstart läuft es für Salih Özcan beim 1. FC Köln inzwischen besser: In den letzten fünf Pflichtspielen stand der 23-jährigen immer jeweils über 90 Minuten auf dem Platz. Fast immer gehörte das Kölner Eigengewächs dabei zu den stärksten Spielern. Die Datenanalysten von CREATEFOOTBALL* haben sich den Mittelfeldspieler für den GEISSBLOG einmal genauer angeschaut. 

In der Karriere des von Salih Özcan finden sich bereits einige Höhen und Tiefen. Gestartet mit einer famosen zweiten Saison 2014/2015 in der U17-Bundesliga West, wo ihm 18 Treffer und vier Vorlagen in 22 Spielen gelangen, lief es in der U19 bereits nicht mehr so rund (vier Tore in 18 Einsätzen, kein Assist). Allgemein zeigte sich Özcan anschließend nie wieder mit derart starken Scorerwerten. Seiner Debüt-Saison 16/17, wo der Rechtsfuß 13-mal in der Bundesliga zum Einsatz kam, folgten im Abstiegsjahr immerhin 23 Einsätze, 19 davon von Beginn an. Die Zweitligasaison unter Markus Anfang fiel für den 23-jährigen dann jedoch eher ernüchternd aus, kam Özcan hier lediglich rund 600 Minuten zum Einsatz. Die darauffolgende Leihe zu den Störchen nach Kiel erwies sich als Volltreffer, steuerte der zentrale Mittelfeldmann doch zwölf Scorerpunkte bei und war mit über 2.200 Einsatzminuten absoluter Leistungsträger. Wie für viele FC-Spieler verlief auch seine vergangene Saison nach der Rückkehr durchwachsen: In der Hinrunde noch oft gefragt, durfte Özcan nur zweimal Spiele über die volle Distanz bestreiten.

Polyvalenz – Fluch oder Segen?

Auch in dieser Saison setzte sich der Trend zunächst fort und Özcan kam nur zu Kurzeinsätzen. Insgesamt fällt auf, dass Özcan in seiner Karriere bereits auf sechs (!) unterschiedlichen Positionen eingesetzt wurde – die Anzahl der Positionsrollen war gar noch höher. Absichernder Sechser, Balleroberer, dynamischer Achter, tiefer Spielmacher, vorgeschobener Spielmacher, äußerer Spielmacher – die Jobbeschreibungen für Özcan variieren oft. Schnell stellt sich dabei die Frage, ob seine Variabilität eher Fluch oder Segen bedeutet. Und wo ist Özcan eigentlich am besten aufgehoben?

Salih Özcan gegen Freiburg. Bildquelle: Wyscout

Alleine in dieser Saison spielte Kölns Nummer 6 drei unterschiedliche Rollen (Anm.: Nur Startelfeinsätze werden ab hier betrachtet). Beim 1:1-Remis in Freiburg gab er den rechten Part des 4-1-3-2 Systems. Ihm gelangen dabei 26 erfolgreiche Aktionen, was weit unter seinem Normalwert liegt. Er erhielt beispielsweise nur elf Zuspiele, normalerweise darf er mit rund 25 rechnen. Nichtsdestotrotz gab es auch einige positive Aspekte an seinem Spiel, so kam seine Dribbelstärke mehr zum Vorschein, er gewann in Freiburg fünf seiner sechs offensiven Eins-gegen-Eins-Duelle, hatte zwei Strafraumaktionen und gab eine Torschussvorlage. Alles in allem konnte er dem Effzeh-Spiel auf dieser Position keine besondere Note geben.

Özcan kein Zweikampfmonster

Salih Özcan gegen Hoffenheim. Bildquelle: Wyscout

Sein nächster Startelfeinsatz in Hoffenheim stand unter gänzlich anderen Vorzeichen. Als Ersatz für Ellyes Skhiri sollte Özcan die anspruchsvolle Rolle vor der Abwehr bekleiden, Pässe abfangen und den Spielaufbau ordnen. Bekanntermaßen sprach das Ergebnis eine deutliche Sprache, nichtsdestotrotz kam Özcan seiner Rolle nach, brachte 94% seiner Pässe zum Mitspieler und leistete sich nur einen einzigen ungenauen Pass in der eigenen Hälfte. Darüber hinaus standen am Schluss neun abgefangene Pässe und 19 (!) Balleroberungen, was ein Top-Wert für einen Sechser ist. Zum Vergleich: Normalerweise kommt Özcan auf rund neun Balleroberungen pro Spiel. Nur: Özcan ist kein Zweikampfmonster, wenngleich er häufig die meisten auf dem Platz führt. Dies wurde ihm in Hoffenheim zum Verhängnis, wo er in sieben Zweikämpfen viermal das Nachsehen hatte – aus einem davon resultierte das vorentscheidende 0:2. Probleme mit der richtigen Positionierung sind auch dem System geschuldet, denn als alleiniger Sechser zu agieren erfordert ein hohes Maß an Spielintelligenz.

Neue Rolle gegen Leverkusen

Salih Özcan gegen Leverkusen. Bildquelle: Wyscout

Neues Spiel, neue Rolle im „Derby“ gegen Bayer 04 Leverkusen. Hier gab Özcan den rechten Part einer engen Raute. Parallelen zu seiner Zeit bei Holstein Kiel wurden erkennbar, wo Özcan oft eine der beiden Achterpositionen in einem 4-1-4-1 innehatte oder in einer engen Raute teils gar als Zehner zum Einsatz kam. Interessanterweise wurde Özcan oft halblinks eingesetzt, während er in Köln meist halbrechts agiert. Diese dynamischen, offensiv ausgerichteten Rollen bedeuten für ihn viel Freiheit, einen hohen Aktionsradius und die Möglichkeit, Torgefahr zu erzeugen. 93 Aktionen gegen Bayer Leverkusen dokumentieren dies. Sein Passspiel ist in dieser Rolle deutlich risikobehafteter, kamen hier lediglich 68% seiner Zuspiele an, viele Fehlpässe lagen jedoch im letzten Drittel und waren nicht folgenschwer. Wie schon in Freiburg zeigte sich Özcan dribbelstark, gewann vier seiner sechs Versuche und kam zweimal zum Abschluss (0.18 xG). Vier progressive, raumgreifende Läufe untermauern seine Tauglichkeit als Box-to-Box-Player eindrucksvoll, insbesondere in Kiel kam Özcan regelmäßig auf etwa zwei bis drei pro Spiel, in Köln sind es nur rund 1.5. Eine Stärke, um die man ihn definitiv in einer defensiveren Rolle beraubt.