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„Wir wollen in Köln bleiben – aber will die Stadt das auch?“


Der Streit ums Geißbockheim – jetzt geht der 1. FC Köln in die Offensive. Präsident Werner Wolf hat am Samstag auf der Mitgliederversammlung den Druck auf die Kölner Politik erhöht und warf den Grünen, der CDU und der Volt-Partei vor, den FC aus dem Stadtgebiet Köln zu vertreiben. Während Städte wie Düsseldorf und Frankfurt derartige Projekte in bis zu drei Jahren umgesetzt hätten, würde in Köln immer nur blockiert, statt ehrliche Lösungen aufzuzeigen.

Köln – Die Ausgangslage ist klar: Der ehemalige Stadtrat der Stadt Köln hatte den Ausbau des Geißbockheims genehmigt: die Änderung des Flächennutzungsplans, die Aushandlung des Pachtvertrags – bis zu den Wahlen im September 2020 lag der FC auf Kurs. Dann änderten sich die Mehrheitsverhältnisse im Rat, und weil die CDU ihr Wort gegenüber dem FC brach, wurde der Pachtvertrag nicht mehr durch den Rat gelassen.

Inzwischen haben elf von 13 Ämtern, die für den Ausbau zuständig wären, die Pläne des FC genehmigt. Einzig Fragen zum Denkmalschutz und zur Fassade sind noch offen, doch dabei handelt es sich nur noch um technische und architektonische Details. Trotzdem hatte sich der FC darauf eingelassen, mit der Stadt über alternative Standorte für den Bau neuer Plätze und des Leistungszentrums zu sprechen. Das Ergebnis stellte Werner Wolf am Samstag den Mitgliedern vor.

Marsdorf kommt nicht in Frage

„Das Ergebnis ist ernüchternd“, sagte der FC-Präsident. „Im Stadtgebiet wäre einzig und nur eventuell am Rande des geplanten Großmarkts in Marsdorf eine Restfläche übrig – aber das, was übrig bliebe, würde wohl maximal für neue Plätze und eine Umkleide reichen. Das Leistungszentrum müsste am Geißbockheim bleiben. Das aber ergibt überhaupt keinen Sinn“, schimpfte Wolf und betonte: „Dazu kommt: Wir müssten mit den Planungen komplett neu anfangen.“

Und das hieße, wie bereits am Freitag kommuniziert und von der Stadt bestätigt: einen Prozess von mindestens fünf, realistischerweise sieben Jahren – bevor überhaupt mit dem Bau begonnen werden könnte. Also nicht vor 2029, eher 2030. „Deshalb kommt Marsdorf nicht in Frage“, stellte Wolf klar und unterstrich auch: „Weitere Vorschläge von Seiten der Stadt gab es nicht. Die Stadt sagt uns also: Es gibt keinen Platz. Man könnte es auch so ausdrücken: Es gibt keinen anderen Platz als das Geißbockheim.“

Warum ist das in Köln nicht möglich?

Doch am Geißbockheim kämpft der FC seit sieben Jahren vergeblich für den Bau von Plätzen auf der Gleueler Wiese sowie dem Bau eines Leistungszentrums anstelle des kleinen Kunstrasens neben dem Franz-Kremer-Stadion. In dieser Zeit sind andere Klubs dem FC in Sachen Infrastruktur um Jahre enteilt. Wolf nannte zwei Beispiele: „Fortuna Düsseldorf hat von der Stadt Düsseldorf zwei Millionen Euro Zuschuss bekommen und durfte das Projekt in zwei Jahren fertigstellen. Frankfurt hat sein Leistungszentrum innerhalb von zweieinhalb Jahren realisiert – von der Planung bis zur Fertigstellung. Wir fragen uns: Warum ist das in Köln nicht möglich?“

Die Blockadehaltung der Kölner Politik gegenüber dem FC ist seit Jahrzehnten bekannt – schon vor 20 Jahren verhinderte die damalige Stadtführung den Bau des Müngersdorfer Stadions durch den FC. Damals plante der FC den Umzug aller Trainingsplätze und der Geschäftsstelle in das neue Stadion und auf die Vorwiesen. Schon damals hätte das Problem des Geißbockheims im Grüngürtel erledigt werden können, doch die Stadt schob den Plänen einen Riegel vor und kreierte somit das heutige Problem höchstselbst. Doch auch jetzt scheint es erneut keine Lösungsvorschläge seitens der Stadt zu geben, nur zeitliche Verzögerungen.

Vorstand muss seinen Worten Taten folgen lassen

„Ich halte das für einen massiven Fehler“, sagte Wolf und stellte die Frage. „Der 1. FC Köln ist ein fester Bestandteil der Stadt: Wir wollen das bleiben – aber will die Stadt das auch?“ Der Präsident deutete damit an, dass der FC sich Gedanken mache, nach alternativen Standorten außerhalb des Stadtgebietes zu schauen. Doch diese Drohung machte Wolf selbst zunichte, indem er erklärte: „Wir werden uns nicht aus unserer Heimatstadt vertreiben lassen!“ Und tatsächlich hört man gleichzeitig, dass der Vorstand überhaupt nicht daran denkt, den Klub im Kölner Umland anzusiedeln.

Mehrere Jahre hatten dies jedoch Experten gefordert, alleine schon, damit der FC ein ernsthaftes Druckmittel gegenüber der Stadt habe. Doch auch jetzt trauen sich die Verantwortlichen offenbar nicht diesen Weg zu gehen. Wolf hat jedoch nun mit seinem Appell an die Stadt die Erwartungshaltung bei den FC-Mitgliedern erhöht und wird Taten folgen lassen müssen. Man müsse gemeinsam, als Verein und Mitgliederschaft, „die Stimme erheben“, sagte Wolf und wandte sich direkt an Oberbürgermeisterin Henriette Reker und ihre Koalition im Stadtrat: „Frau Reker, liebe Grüne, liebe CDU, liebe Volt-Partei, es ist Zeit, ein Zeichen zu setzen und zu handeln. Der Fußball hat eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir können unseren Beitrag aber nur dann leisten, wenn die Gesellschaft auch für uns Verantwortung übernimmt – also für uns, den 1. FC Köln.“ Ob das die Worte sind, die die Stadt zum Einlenken bewegen werden? Zweifel sind angebracht.

15 Kommentare
  1. FC Neukoelln sagte:

    Ich bin fassungslos. Die Argumentation ist ja soweit richtig, die eigenen Hausaufgaben gegenüber der Politik wurden seit Jahren stets übererfüllt, die Beispiele um Düsseldorf und Frankfurt treffend gesetzt, ja noch nicht einmal Leverkusen musste herbeigejammert werden, um ja keinem Verantwortlichen der Kölner Stadtplanung auf die Füsse zu treten… um dann welche Schlussfolgerung zu ziehen??
    Sorry Dr. Werner W., aber himmelschreiender könnte die Aufforderung kaum sein, sich von der Stadt Köln als angeblichem Partner endlich abzuwenden und sich nach vielen, vielen verlorenen Jahren um alternative Standorte zu bemühen. Wem hätte eine gestrige Ankündigung denn geschadet, sich ab sofort NEBEN der bevorzugten Lösung Ausbau GBH + Stadionkauf ZUSÄTZLICH auch mit Anbietern ausserhalb der Stadtgrenzen zu unterhalten? Man hätte nicht das Geringste verspielt und zusätzlich den Druck auf die Stadt massiv erhöht. Schach für Anfänger, Lektion 1, Vorwort.

    Diese Mischung aus unfassbarer Borniertheit und mangelndem Verhandlungsgeschick ist schwerlich nur zu ertragen. Die bereits sehr unglückliche Formulierung Saurens, einen GF „Kategorie 9-10“ holen zu wollen, die keine andere Funktion erfüllt als ohne jede Not unnötigen Druck aufzubauen war bereits harter Tobak, aber DAS setzt dem ganzen die Krone auf.

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    • Micha S. sagte:

      Soweit richtig, sehe ich zu 100% genauso…

      … in der Stadtverwaltung weiß man, dass der FC nie gehen würde, nichtmal 8km weit…

      … dass das ne miese Nummer ist, unbestritten… aber das man das mit sich machen lässt ist noch 2 Stufen drüber.

      Aber mich wundert da wenig… immerhin will man ja auch den Weltfussballmarkt Japan akquirieren… hat ja schon mit China so gut geklappt… aber es ist auch wichtig diese Ziele nie stetig zu verfolgen sondern alle 3 Jahre zu wechseln. Was wäre mit NeuSeeland?

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  2. Martin Duda sagte:

    Ehrlich gesagt wäre es eine große Schande, wenn man gezwungen wäre aus Köln wegzugehen.
    Aber es ist eine noch größere Schande sich dieses Spielchen weiterhin gefallen zu lassen.
    Selbst eine eventuelle Klage sollte den FC nicht daran hindern zeitgleich einen Plan B zu erarbeiten und voranzutreiben

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  3. NICK sagte:

    Als der DFB vor Jahren ein meues Leistungszentrum bauen wollte, hatte sich auch Köln beworben. Die damals angedachte Fläche ist immer noch frei…liegt aber auch im Grüngürtel und hat aber für die Kölner Bevölkerung wesentlich mehr Wert und Nutzen als die Hundewiese neben dem GBH.

    Komisch, dass diese Fläche für den DFB zur Verfügung gestellt worden wäre und der FC darf nicht da bleiben wo er jetzt ist…

    Ich bin nicht in Köln wahlberechtigt, aber irgendwer hat diese Spezialisten ja gewählt. Aber in Köln gewinnt ja sogar ein Spinner wie Lauterbach haushoch seinen Wahlkreis…

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  4. Michael sagte:

    Ich hätte eine Idee!
    Ich Liebe unser Geißbockheim ohne wenn und aber.
    Doch wir könnten Ja direkt 2 wichtge dinge auf eimal machen.
    Mein vorschlag wäre es wir Bauen unsere Trainingsplätze und die Geschäftsstelle sowie andere geplante Gebäude auf den Vorwiesen wie schon mal geplant und Bauen direkt das Stadion mit auf 70000 bis 75000 Plätze um.
    Dafür würden wir die Gleuer Wiesen aufgeben.
    Somit kommen wir unserer Stadt entgegen und die Stadt uns.
    so haben beide Parteien Vor- und Nachteile.
    Unser Nachteil : Gleuer Wiesen verlassen
    Unser Vorteil: Stadion und Geißbockheim 2.0 Bekommen und in Köln bleiben
    Stadt Vorteil: Gleuer Wiesen bleiben unbebaut
    Stadt Nachteil: Stadion wird mit Umgebaut

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  5. Kurti sagte:

    Das was Wolf und seine 7 Geißlein da ausübt, ist kein Druck.
    Womit will Wolf auch drohen?
    Das er dreinmal mit dem Fuß aufstampft vielleicht?
    Alberner Zirkus, mit Wolf als zahnloser Dompteur.

    Hilfreich wäre es gewesen, wenn der FC schon vor Jahren die Planung breiter aufgestellt hätte.
    Vom eigenem Versagen versucht der Vorstand abzulenken und schiebt die Schuld auf die Stadt Köln.

    Peinlich und lächerlich die Selbstmitleid.

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  6. Hans Wurst sagte:

    Köln, administrativ betrachtet, ist mit das Schlechteste, was man in Deutschland finden kann. Es gibt keine verfilztere und lahmarschigere Bürokratie als hier.

    Also wäre es für den FC an der Zeit, sich im Umland anzusiedeln, wobei hier auch zwingend eine Umbenennung zu empfehlen ist, um jeden Bezug zur Stadt aus der Sportberichterstattung zu tilgen.

    Ich bin heilfroh dieser politischen Inkompetenz Kölns schon vor vielen Jahren entflohen zu sein und von außen betrachtet wird diese Stadt von Jahr zu Jahr weiter heruntergewirtschaftet.

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  7. Thomas Stommel sagte:

    Einfach nur schade das der Präsident keine Lösung des Problems bei der Stadt erreichen konnte. Heutzutage wird gegen jede Art der erneurerungen geklagt. Was wäre das ein Protest der Anwohner wenn erstmal das Stadion erweitert würde. Zu laut, zuviel Menschen die wild parken, Müll Problem Umweltschutz , man will es nicht vor der Haustür. Das gleiche am Geissbockheim einige Anwohner haben doch schon protestiert bei der Stadt . Die geben sich halt mit paar Freispielen in der Loge nicht zufrieden. Vielleicht hilft eine natürliche Lärmschutz Wand. Dauernd kommt von irgendwo Gegenwind. Obwohl der FC viel in Jugend investiert.

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  8. Michael Krämer sagte:

    ‚Was hat der ‚FC für einen Präsidenten???? Ratlos, ohne Ziel. (Bitte, bitte liebe Politik). Es ist zum Schaudern. Schickt den dicken Wolf zurück nach Bitburg und holt einen richtigen Manager. Und wenn Reker und Co. nicht das umsetzen, was sie versprochen haben, dann zieht doch nach Frechen und Hürth und baut Euch ein eigenes Stadion mit 80000 Plätzen wie die Bayern, vor den Toren Kölns. So hat es Bayern gemacht und ist seitdem finanziell Spitze.

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  9. radrennbahn sagte:

    Wieso kommt als Alternative das Rechtsrheinische nicht in Frage? Ich denke das es im Porzer Stadtgebiet genügend freie Flächen gibt, die dafür in Frage kämen. Dort auch ein neues Stadion bauen und die Stadt Köln kann sich dann in aller Ruhe einer Anschlussverwendung des ehemaligen RES widmen.

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