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Zum Abschied: Müller-Römer wirft Vorstand Wortbruch vor


Wenn am Samstag um 11.11 Uhr die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln beginnt, wird Stefan Müller-Römer nach acht Jahren aus dem Mitgliederrat ausscheiden. Der Rechtsanwalt zieht sich aus allen FC-Gremien zurück. Zuvor äußerte er jedoch noch einmal scharfe Kritik am Klub, auch an jenem Vorstand, den er selbst 2019 eigenhändig ausgewählt hatte.

Köln – Stefan Müller-Römer hat viel erreicht in seiner Zeit beim FC – zunächst als Querkopf gegen Wolfgang Overath in der Initiative „FC-Reloaded“, später als Mitgliederrat, Mitglied des Gemeinsamen Ausschusses und Interims-Vorstand nach dem Rücktritt von Werner Spinner. Der 53-jährige schrieb an der heutigen Satzung mit, rieb sich in internen Machtkämpfen auf, stärkte die Rechte der Mitglieder und stolperte letztlich über eine E-Mail-Affäre.

So waren wir nun die ewigen Querulanten

In seiner Zeit als Chef des Mitgliederrates war Müller-Römer bekannt für seine Kämpfe mit offenem Visier, insbesondere mit Ex-Präsident Spinner, aber auch mit den damaligen Sportchefs Schmadtke und Veh sowie mit Geschäftsführer Alexander Wehrle. Zum Abschied aus dem Gremium, dem er seit September 2020 nur noch als einfaches Mitglied angehörte, betonte der Rechtsanwalt noch einmal: „Wir hatten als Vertreter im GA keinen Möglichkeiten Entscheidungen aufzuhalten, obwohl wir sie oft genug kritisiert und dagegen gestimmt haben“, sagte Müller-Römer der Kölnischen Rundschau.

Freilich hat der Mitgliederrat per Satzung auch gar kein Recht, sich in operative Entscheidungen einzumischen – doch als Mitglieder im Gemeinsamen Ausschuss verschwammen diese Grenzen, und so entstand immer wieder der Eindruck, die Mitgliederräte wollten der Geschäftsführung in ihre Belange reinreden. Rückblickend sagte der 53-jährige nun, dass es „viele der Fehlentscheidungen nicht gegeben hätte, wenn wir tatsächlich mächtig gewesen wären. So waren wir nun die ewigen Querulanten.“

Es gab vor der Wahl 2019 Versprechungen

Doch nicht nur mit dem alten Vorstand legte sich Müller-Römer an. Auch mit dem eigens auserwählten neuen Vorstand kam es schnell nach der Wahl zu Rissen. Zur Erinnerung: Müller-Römer und Wettich hatten federführend den Auswahlprozess des neuen Präsidiums um Werner Wolf, Eckhard Sauren und zunächst Jürgen Sieger durchgeführt. Wolf galt schon lange als enger Vertrauer Müller-Römers, der Kontakt mit Sieger ging über Jahre zurück.

Trotzdem blickt Müller-Römer heute offenbar mit Verärgerung auf diese Auswahl zurück, denn der einstige Mitgliederrats-Chef warf Wolf und Sauren nun Wortbruch vor. „Es gab vor der Wahl 2019 Versprechungen, die aus meiner Sicht nicht eingehalten worden sind. Wir wollten intensiver zusammenarbeiten und vor allem endlich einen anderen Grad an Professionalisierung im Klub durchsetzen. Stattdessen lief alles im alten Trott weiter“, sagte Müller-Römer.

Kehrt Müller-Römer noch mal zurück?

Insbesondere war ihm offenbar der Auswahlprozess sauer aufgestoßen, der nach der Trennung von Armin Veh zur Einstellung von Horst Heldt als Sportchef geführt hatte. „Professionalität bedeutet für mich, auf unerwartete Ereignisse wie den Abschied eines Geschäftsführers wenigstens ansatzweise vorbereitet zu sein. Da muss man schon vorher eine Liste mit Namen und Fähigkeiten geführt haben.“ Diese Vorarbeit hatte der damals neue Vorstand offenbar nicht geleistet – umso unverständlicher, als dass eigentlich klar gewesen war, dass Veh spätestens im Sommer 2020 aufgehört hätte.

Entsprechend hat Müller-Römer einen Ratschlag zum Abschied für den künftigen Mitgliederrat zur Hand. „Der Mitgliederrat sollte sich bei seinem nächsten Vorstandsvorschlag Gedanken darüber machen, wie er es durchsetzt, dass Versprechungen auch eingehalten werden.“ Eine Wahlempfehlung zumindest für Teile des aktuellen Vorstands klingt anders. Doch das ist nun nicht mehr der Beritt des Rechtsanwalts, der sich erst einmal aus dem FC zurückziehen will. „Momentan“ würde er ausschließen, in gleicher oder anderer Funktion noch einmal zum FC zurückzukehren. Es sei die „richtige Entscheidung“ gewesen, „einen Schritt zurückzutreten“.

10 Kommentare
  1. Kurti sagte:

    Müller-Römer hat viel erreicht beim 1.FC Köln?
    Da lachen ja die Hühner.
    Die Jahre (ca. 2012) die er sich verstärkt im Verein einbrachte, gehen als verlorene Jahre beim FC ein.
    Was hat sich seither verbessert?
    Außer Ansätze in dieser Saison und dem Erfolg der Stöger-Jahre ….. nichts.

    Dieses ganze Konstrukt Satzung-Mitgliederrat schlägt Vorstand vor ist schon höchst fraglich.
    Hier gibt es dann zum Beispiel keine Vorstandswahl, weil die Flitzpiepen Mitglieder die Auswahl gefälligst zu bestätigen haben, die der geniale Mitgliederrat getätigt hat.

    Da sitzen dann solche intelligente Menschen wie Anti-Raute die den Komplett-Überblick haben und hier im Forum dann verbal einen raushauen.

    Natürlich ist er, wie auch der jetzige Vorstand, nie „schuld“ an irgendetwas.
    Jetzt als SMR etwas davon zu schwafeln viele Fehlentscheidungen wäre nicht getroffen worden, ist in keinster Weise nachvollziehbar oder beweisbar.

    SMR kehre bitte nie wieder zurück.

    moderated
  2. Positive Stimmung sagte:

    Für mich persönlich hat es nichts mit Professionalität zu tun, wenn zu viele Leute mitreden. Man braucht vor allem gute Leute oben und die muss man machen lassen.

    Okay, wir hatten seit längerer Zeit keine Guten da oben. In Köln ist die Medienwelt größer und schwieriger. Leute, die keine Ahnung haben hat man überall. Vor allem bei den Medien und bei den Fans.

    Nehmen wir mal Freiburg, die sind mit Streich in die 2.Liga, weil die vom Weg des Trainers überzeugt waren. Damals auch schon mit Volker Finke, sogar zweimal. Gute Trainer, die dann über Jahre, sogar Jahrzehnte etwas großes aufbauen konnten.

    Bei uns mit Baumgart sieht man eine Entwicklung, die im letzten Jahrzehnt keiner in Köln hinbekommen hat, KEINER. Auch nicht die Trainer, die mal das Glück hatten ein paar Jahre hier zu sein.

    Mit Baumgart würde ich auch in die zweite Liga gehen. 100 prozentig.

    Nur viele meckern jetzt schon rum, dass wir zu wenig Punkte haben. Das sind halt FC Fans, die absolut keine Ahnung von Fussball haben. Der Spielstil hat sich komplett verändert, wir versuchen jetzt Fusdball zu spielen und schaffen das auch schon. Noch nie gesehen beim FC. Diese Entwicklung dauert. Lasst die jetzt mal machen, vor allem den Trainer. Dafür muss auch mal Ruhe im Club herrschen, Einigkeit, und wenn zu viele Leute mitreden, wie jetzt schon wieder hier Herr Römer, dann bringt uns das nicht weiter. Stört nur das Arbeiten und bringt nur Probleme aus meiner Sicht. Wie diese Struktur erst entstehen konnte. Ist das tiefgehend recherchiert? Oder gab es da Klüngel?

    Das Einzige, was man immer hört ist, dass der Mitgliederrat uns Thorsten Fink erspart, die erste Wahl von Horst Heldt, und uns Baumgart beschert hat.

    Das war natürlich der Hammer und dann gute Arbeit vom Mitgliederrat. Aber wenn man da oben gute Leute hat, die Ahnung haben, dann sind weniger Leute, dievrein reden, virl besser.

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    • Boom77 sagte:

      Guter Kommentar. Aber auch bei der/den letzten Personalie(n) Fink/Baumgart, die du ansprichst, ist es doch so, dass es immer darauf ankommt, wie es gerade läuft. Da es mit Baumgart gut funktioniert, wird keiner müde, zu behaupten, dieser Trainer wäre ja nur wegen ihm da… man hätte Fink gehabt, wenn nicht vom Mitgliederrat interveniert worden wäre etc.

      Leider wäre es in den Fall, dass es mit Baumgart gar nicht gut laufen würde gerade anders. Dann hätte sich der Mitgliederrat verbieten, auch nur ansatzweise mit dieser Verpflichtung irgendwas zu tun zu haben.

      So ist es leider. An den guten Sachen hat man halt immer den Hauptanteil und mit den schlechten Sachen rein gar nichts zu tun. Null Selbstreflexion.

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    • Kurti sagte:

      @Positive Stimmung
      Es trägt sicher eher zur negativen Stimmung bei zu schreiben, „FC Fans die absolut keine Ahnung von Fußball haben“
      Wie arrogant und schnöselhaft ist das zu denken : ALLE doof, außer ich.
      Mit diesem Alleinstellungsmerkmal bist du prädestiniert für den Mitgliederrat.

      Objektiv betrachtet wären 2-3 Punkte mehr möglich gewesen ( ohne Eigentor, und 2 Spielen mit vergebenen Großchancen in der Nachspielzeit).
      Für das subjektiv bessere spielen gibt es keine Punkte.

      Wir werden diese Saison wenig mit dem Abstieg zu tun haben, dafür sind einige Vereine einfach zu schlecht.

      Wenn Du mit oben gute Leute hat, den Vorstand meinst, dann ist das eine Fehleinschätzung.
      Nach Overath und Artzinger-Bolten mit Abstand das mieseste Präsidium seit 40 Jahren.

      moderated
      • Boom77 sagte:

        Ich glaube nicht, dass er es so drastisch gemeint hat. Objektiv betrachtet wären sich tatsächlich 2-3 Punkte mehr drin gewesen. Da hast du recht… vielleicht sogar noch etwas mehr.

        Dennoch bleibt doch auch festzuhalten, dass wir objektiv betrachtet derzeit besser dastehen als letzte Saison. Sowohl was die Punkte als auch die Spielweise angeht.

        Dennoch gibt es – gerade auch hier – Fans die das Glas immer halb leer statt halb voll sehen und diese Entwicklung somit null würdigen. Ich denke, das war gemeint.

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  3. Haarspalta sagte:

    Wer sich jetzt über SMRs Abgang freut, sollte darüber nachdenken, ob er wirklich weg sein wird.
    Nach wie vor werden seine Getreuen im Mitgliederrat, GA und vor allem Präsidium sitzen (der angebliche Bruch mit Wolf ist herbeigeschrieben und zur Not ist ja Wettich da).
    Im wesentlichen erinnert mich das Manöver an Sebastian Kurz in Österreich. Offiziell Macht abgeben und sie dann halt über Strohmänner ausüben.

    Und auch hier übrigens wieder: „Wir haben nichts falsch gemacht, alle anderen sind an den schlechten Dingen schuld!“
    Das scheint zu einem gesamtgesellschaftlichen Mantra zu werden…

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    • Marcel sagte:

      Da kann ich mich nur anschließen. Es waren grundsätzlich immer die anderen die Mist gebaut haben. Das zieht sich durch jedes Interview mit ihm. Kaum bzw. keine Selbstkritik. Und natürlich wäre alles besser, hätte er mehr zu sagen gehabt. Es sind solche Sätze die einen bei jedem Bewerbungsgespräch durchfallen lassen. Erfahrungsgemäß werden diese nur von Personen ausgesprochen die damit von ihrer eigenen Inkompetenz ablenken wollen. Wenn er sich medial schon so aufspielt kann ich mir vorstellen wie seine Auftritte im gemeinsamen Ausschuss ausgesehen haben mögen. Kein Interesse an einem gemeinsamen Kompromiss. Nur opportunistisches Gehabe… In seinem Tun unterscheidet ihn nichts von Overath. Nur eben auf der Mitgliederseite….

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