Alexander Wehrle. (Foto: Bucco)

Alexander Wehrle auf der Mitgliederversammlung im November. (Foto: Bucco) Herbert Bucco

„…der sich entschlossen hat, seinen Vertrag nicht zu verlängern“

Die Pressemitteilungen des 1. FC Köln zur Umbesetzung der Führungsetage sind seit Jahren immer wieder Zeugnisse der Zustände innerhalb des Klubs. Sie verkörpern einst Gesagtes ebenso wie das lieber nicht Gesagte. Und sie werfen mitunter die Schatten voraus auf das, was noch gar nicht Teil der ursprünglichen Mitteilung sein sollte. So auch bei der Personalie Alexander Wehrle.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Der 1. FC Köln wollte am Mittwoch eigentlich eine gute Neuigkeit präsentieren. Der Klub wollte seinen neuen kaufmännischen Geschäftsführer begrüßen, Philipp Türoff. Doch die Vorstellung passte offenbar bereits perfekt zu der Rolle, die Türoff künftig beim FC einnehmen soll: die Rolle des stillen Finanz-Fachmanns im Hintergrund, der in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung tritt. Und so stand schon bei seiner Vorstellung ein Anderer im Vordergrund. Nicht Türoff, sondern derjenige, der bald weg sein wird, wenn nichts Unerwartetes mehr passiert.

Daran kann es seit Mittwoch keinen Zweifel mehr geben: Alexander Wehrle will und wird den 1. FC Köln verlassen. Es gibt nur noch drei Fragen zu klären: Erstens, ob er sich mit dem VfB Stuttgart einig wird. Zweitens, wann Wehrle in diesem Fall bei den Schwaben anfangen und seinen Job beim FC einem Nachfolger übergeben würde. Und drittens, wen der FC dann für Wehrle als dritten Geschäftsführer verpflichten würde.

All das fand sich in der Pressemitteilung des 1. FC Köln in nur einem Satz. Dem Schlusssatz, nachdem es lange um Türoff und um die gewünschte Erweiterung der Geschäftsführung auf drei Führungskräfte gegangen war. Wehrle durfte in dieser Mitteilung zwar noch betonen, dass diese Umstrukturierung der Klubführung auf seine Initiative hin vorgenommen wurde. Doch dann folgte dieser fast schon nachgeschobene Gedanke wie ein Anhängsel: „…, der sich dazu entschlossen hat, seinen laufenden Vertrag nicht zu verlängern“.

Ein Halbsatz sagt mehr als tausend Worte

Keine Ausführungen, keine Erläuterungen, keine Worte des Vorstands dazu, ob man noch um Wehrle kämpfen oder wann und wie es zur Trennung kommen werde. Keine Worte darüber, dass Wehrle die Geschäftsführung das letzte halben Jahr alleine geschultert und dem Vorstand damit die Chance gegeben hat, Christian Keller und Philipp Türoff in Ruhe auszuwählen. Nur dieser eine Halbsatz. Mehr wollten weder der eine noch die anderen zur Zukunft des aktuell noch immer operativ wichtigsten Mannes beim FC sagen. Nur, dass der bis 2023 laufende Vertrag nicht verlängert und damit auslaufen wird. Komme, was wolle.

Man könnte sagen, dass dieser unkommentiert gelassene Satz in der Pressemitteilung tief blicken ließ. Im Mindesten klang er respektlos gegenüber Wehrle und dessen, bei aller berechtigter Kritik der vergangenen Jahre, fraglosen Verdienste für den FC. Spekulationen über das wahre Verhältnis zwischen Vorstand und Geschäftsführer gibt es schließlich schon lange. Richtig ist aber auch, dass Wehrle die Vereinsbosse in den vergangenen Monaten hatte wissen lassen, wie es um das Werben des VfB Stuttgart und um Wehrles eigene Pläne aussah. So kam das abgelehnte Vertragsangebot in diesem Jahr überhaupt erst zustande, so kam nun auch die verkorkst wirkende Pressemitteilung zustande.

Und so wird wohl auch die Trennung zustande kommen. Der VfB Stuttgart will Wehrle, und Wehrle will zurück nach Stuttgart – wenn sich beide Parteien einig werden, könnte noch vor Weihnachten der Fahrplan für den Abschied des langjährigen FC-Machers feststehen. Es wäre allen Seiten zu wünschen, dass der 1. FC Köln dann eine respektvollere Trennung hinbekommt als in den letzten Jahren, wenn Führungskräfte den Klub verließen. Denn wenn mit Wehrle der letzte der „alten Garde“ den FC verlässt, wäre es auch ein Zeichen der Weiterentwicklung des Klubs, wenn dieser Abschied besser gelingt als die zahlreichen Schlammschlachten der letzten Jahre.

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