Jonas Jansen in den USA. (Foto: Privat)

Jonas Jansen in den USA. (Foto: Privat)

Köllefornia: Aus der FC-Jugend an die kalifornische Universität

Im Jahr 2017 wechselte Jonas Jansen zum 1. FC Köln und wurde gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Jacob Deutscher U17-Meister. Nach einer Vielzahl von Verletzungen und mit dem Abitur in der Tasche wagte Jonas im Sommer 2021 den Schritt über den großen Teich und spielt seitdem für das US-Collegeteam der Westcliff Warriors. Mit dem GEISSBLOG sprach er über seine ersten Erfahrungen in den USA, die Unterschiede zum deutschen Fußball und seine Zeit beim FC.

Das Interview führte Lars Tetzlaff

GEISSBLOG: Jonas, wo erwischen wir dich gerade?

JONAS JANSEN: Tatsächlich in Köln! Wo sonst?! Nein, im Ernst: Ich bin gerade für ein paar Wochen zurück in Köln, um mit meiner Familie gemeinsam Weihnachten und Silvester feiern zu können. Aber ansonsten wohne ich seit vier Monaten in Costa Mesa/Newport Beach in Kalifornien.

Dort hast du ein Stipendium und spielst im Team der Universität?

Ja, genau. Ich studiere jetzt an der Westcliff University in Irvine, südlich von Los Angeles. Hier habe ich ein vierjähriges Stipendium bekommen und kann an der Universität meinen Bachelor in Business Administration machen. Und klar: Ohne Fußball geht’s auch nicht. Ich spiele für die Westcliff University im Team der Westcliff Warriors.

Man spielt jede Woche mindestens zwei Spiele

Woran musstest du dich in den USA am meisten gewöhnen?

Die größte Umstellung ist wirklich der Fußball. Die Saison ist nur vier Monate lang und in dieser Zeit spielt man in jeder Woche mindestens zwei Spiele. Das war gerade zu Beginn unerwartet anstrengend, weil ich nur eine kurze Eingewöhnungszeit hatte und auch die klimatischen Bedingungen echt andere sind. Auch die Spielweise war anfangs eine Herausforderung: Die 90 Minuten Spielzeit werden komplett gespielt, bei Fouls und anderen Unterbrechungen wird die Zeit gestoppt. Steht es nach diesen 90 Minuten Unentschieden, gibt es weitere 20 Minuten Overtime. In dieser Overtime kann dann das „Golden Goal“ entscheiden. Gewöhnungsbedürftig sind auch die Auswärtsfahrten. Die Entfernungen zu den Spielorten sind in Kalifornien wesentlich größer als früher beim FC. Zudem ist auch alles nicht so gut organisiert wie in Köln. Das war beim 1. FC Köln schon wesentlich besser.

Wie läuft es sportlich?

Dieses Jahr wurden wir Zweiter in der NAIA, CAL Conference. Leider sind wir in den Playoffs im Halbfinale rausgeflogen. Aber unsere Universität ist eine junge, sehr ambitionierte Universität. Dafür, dass wir das erste Jahr in diesem Wettbewerb gespielt haben, haben wir ganz gut abgeschnitten und möchten bald die sogenannten „Nationals“ erreichen. Mein persönliches Ziel ist aber der Wechsel in die „Division 1“, wo man dann für die großen Unis spielen kann, wie UCLA oder Stanford.

Wie ist denn das sportliche Niveau einzuschätzen, auch im Vergleich zum FC?

Schwierige Frage! Das sportliche Niveau ist schwer zu vergleichen. Hier wird Fußball mehr gearbeitet und darunter leidet die Qualität auch. Sagen wir mal so: Da waren beim FC auf jeden Fall die talentierteren Spieler. Deshalb ist es schon sehr verschieden.

Das Interesse am europäischen Fußball ist nicht besonders groß

Kennt man den 1. FC Köln in den USA überhaupt?  

Nein, nicht wirklich. Die meisten kennen nur Bayern München oder Borussia Dortmund. Das Interesse am europäischen Fußball ist bei den Amerikanern einfach nicht besonders groß.

Verfolgst du denn noch die Spiele der FC-Profis und der Jugendmannschaften?

Ja, klar! Ich lese ja die Artikel des GEISSBLOG (lacht). Und natürlich verfolge ich auch die Spiele meines Bruders, der in der U21 spielt.

Hast du noch Kontakt zu den Jungs aus deiner alten Mannschaft?

Ja, ich schreibe mit den meisten immer mal wieder. Meiko Sponsel, Finn Lanser, Jan Thielmann, Tim Lemperle. Der Kontakt bleibt auch über die Entfernung bestehen.

Wegen des FC ist es jetzt einfacher für mich hier Fußball zu spielen

Werfen wir einen kurzen Blick zurück: Du hast beim FC auch verletzungsbedingt viele Aufs und Abs erlebt. Wie schätzt du diese Zeit ein?

Ich denke, es war eine sehr lehrreiche und auch erfolgreiche Zeit. Für mich war es immer das Wichtigste, Fußball spielen zu können. Klar, oft war es eine organisatorische Herausforderung, den Sport und die Schule unter einen Hut zu bekommen. Aber ich habe es trotz des täglichen Trainings beim FC ganz gut geschafft, mein Abitur zu machen. Und sehen wir es mal so: Gerade durch meine persönlichen Erfahrungen in den letzten Jahren, den vielen „ups and downs“ beim FC, besonders verletzungsbedingt, ist es jetzt einfacher für mich hier Fußball zu spielen. Ich habe beim FC eine gute fußballerische Ausbildung genossen und nebenbei auch viel für ein selbständiges Leben gelernt. Allerdings merke ich jetzt erst, dass man auch viel sehr gute Zeit mit Freunden verbringen kann. Trotzdem: Ich bereue keine meiner Entscheidungen, meine Zeit beim FC war toll und jetzt meistere ich mein Leben in den USA.

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