Der Meister-Empfang beim Bundeskanzler 1964: Heinz Hornig, Wolfgang Overath, Hans Schäfer, Kanzler Ludwig Erhard und Franz Kremer. (Foto: IMAGO / Horstmüller)

1963/64 – Die Bundesliga ist da und der FC das Maß der Dinge

Der Kampf um die Meisterschaft in der Bundesliga ist heutzutage meist unspektakulär, zu sehr dominiert der FC Bayern. Doch das war nicht immer so. Im ersten Bundesliga-Jahr 1963/64 war dies so nicht vorstellbar, waren doch die Bayern damals noch kein Teil der neu gegründeten Liga. Stattdessen war der 1. FC Köln das Maß aller Dinge und gewann im ersten Bundesliga-Jahr direkt die Meisterschaft.

Köln – Geht es um die Gründung der Bundesliga, wie wir sie heute kennen, führt kein Weg am 1. FC Köln vorbei. Angeführt von Franz Kremer, war der FC in jener Zeit der Vorzeigeklub in Deutschland. Sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell. Wovon die Geißböcke heute weit entfernt sind, war damals Realität.

Ein Klub, so professionell geführt, dass er für andere Vereine wie den FC Bayern München als Benchmark eines hervorragend organisierten Profi-Klubs galt. Dementsprechend ging der FC als großer Favorit um den Titel in die erste Bundesliga-Saison.

Verlorenes Endspiel 1963 als Schlüsselereignis

FC-Boss Franz Kremer, der nicht nur in Köln, sondern deutschlandweit ein mächtiger Mann mit gewichtiger Stimme im Fußball-Kosmos der damaligen Zeit war, trieb die Pläne zur Neugründung der Bundesliga maßgeblich voran und machte sie zu seinem Projekt. Nicht ohne Grund, schließlich war der FC im Frühjahr 1963 im Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen den BVB an einer Titelverteidigung gescheitert, obwohl man die beste Mannschaft im Land gewesen war.

Der FC hatte mit 1:3 verloren und ein enttäuschendes Spiel gemacht, und das, obwohl der FC die Oberliga West vor eben jenen Dortmundern gewonnen und die anschließende Endrunde zur deutschen Meisterschaft wiederum souverän als Erster abgeschlossen hatte. Nur im Finale war für den FC der Wurm drin, und so wurde es nichts mit dem zweiten Titel in Folge. Diese Erkenntnis nutzte Kremer, er wollte mit der Bundesliga einen Wettbewerb schaffen, bei dem sich dauerhaft die beste Mannschaft durchsetzte und nicht in einem einzigen Finalspiel alles vorher Geleistete verspielen konnte. So forcierte er den Start der Bundesliga zur Saison 1963/64.

Der FC als Favorit auf die Schale

Der FC war auf das neue „Projekt“ Bundesliga bestens vorbereitet. Durch den Verkauf von Karl-Heinz Schnellinger an den AC Mailand war man finanziell auf Rosen gebettet. 1,3 Millionen DM überwiesen die Italiener damals nach Köln, eine zu der Zeit wahnsinnige Summe.

Auch sportlich hatte man großes Potenzial. Die schon erfahrenen Kräfte wie Thielen oder Schäfer wurden durch junge Nachwuchskräfte wie Wolfang Overath oder Wolfang Weber mit hoher Qualität ergänzt. Zudem hatte man mit Georg Knöpfle einen erfahrenen Trainer an der Seitenlinie, dessen Mischung aus „Zuckerbrot und Peitsche“ perfekt zur Mannschaft passte.

Toptalent Overath erzielt das erste Bundesliga-Tor des FC

Schon in der Vorbereitung machte ein junger Nachwuchsspieler als intelligenter Vorbereiter und Torschütze auf sich aufmerksam. Vom Siegburger SV zum FC gekommen, wurde Wolfgang Overath gleich in seiner Premieren-Saison zum unverzichtbaren Stammspieler im FC-Mittelfeld.

Dem Spielmacher wurde sogleich die Ehre, beim Bundesliga-Auftakt in Saarbrücken das erste Bundesliga-Tor in der Geschichte des 1. FC Köln zu schießen. Dank seiner Hilfe gewann man das Spiel mit 2:0. Insgesamt war Overath trotz seines jungen Alters ein wichtiger Faktor der Kölner Mannschaft, neun Tore steuerte er zur Deutschen Meisterschaft bei, dabei traf er sieben Mal zum wichtigen 1:0.

Die Attraktion der Liga

In dieser ersten Bundesliga-Saison konnte kein anderer Klub so richtig mit dem FC mithalten. Der FC war die attraktivste Mannschaft der Liga. Egal, wo die rot-weißen Kölner antraten, die Stadien waren immer voll. Der Auswärts-Zuschauerschnitt des FC war der mit Abstand höchste der Liga.

Deutschlandweit kamen die Leute ins Stadion, um den FC zu sehen, denn der FC polarisierte damals ähnlich wie der FC Bayern heute. Entweder sie kamen, weil man den FC gewinnen sehen wollte, oder sie kamen, um den FC verlieren zu sehen.

Souverän zur zweiten Meisterschaft in drei Jahren

Sportlich war die Meisterschaft der Geißböcke so gut wie nie gefährdet. So kassierte der FC seine erste Niederlage erst am siebten Spieltag, insgesamt verlor man nur zwei Mal. Überzeugende Siege wie ein 4:1 gegen den HSV, ein 5:1 gegen Kaiserslautern oder ein 5:2 gegen den Vorjahresmeister Dortmund standen auf der Tagesordnung.

So stand man ab dem fünften Spieltag ununterbrochen an der Tabellenspitze und wurde frühzeitig, zwei Spiele vor Abschluss der Saison, vor dem Meidericher SV (heute MSV Duisburg) mit einem Punkteverhältnis von 45:15 und einem Torverhältnis von 78:40 der erste Deutsche Meister der Bundesliga.

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