Jens Castrop und Sava Cestic. (Foto: Bopp)

Jens Castrop und Sava Cestic. (Foto: Bopp)

Castrop und Cestic: Transfers mit Signalwirkung

Am Freitag hat sich der 1. FC Köln von gleich zwei großen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs getrennt. Ein drittes Talent könnte ebenfalls noch wechseln. Jens Castrop und Sava Cestic hatten sich in ihrer Entwicklung weiter gesehen als die Verantwortlichen. Das gilt auch für Noah Katterbach. Ihre Transfers sind ein Warnsignal für andere Top-Talente, die allzu ungeduldig auf den großen Sprung setzen. Ein Kommentar.

Es war September 2021. Steffen Baumgart war gerade erst etwas mehr als zwei Monate beim 1. FC Köln. Da sagte er Bemerkenswertes: „Wir haben eine sehr gute Nachwuchsarbeit und werden Spieler, in denen wir das Potential erkennen, weiter an uns binden“, versprach Kölns Cheftrainer. Doch dann kündigte er an: „Auch da wird es eine Veränderung geben.“

Als er seine Sicht weiter ausführte, wurde klar, dass im Hintergrund nicht immer Sonnenschein herrschte. „Wir werden uns nichts von außen vorgeben lassen, nicht von Beraterfirmen. Da werden wir als Verein klare Entscheidungen treffen. Die Jungs, die uns weiterbringen, wollen wir behalten. Von Jungs, die es nur glauben, muss man sich im einen oder anderen Fall trennen.“

Drei Beispiele als Warnung an andere Top-Talente

Jungs, die nur glauben würden, dass sie den FC weiterbringen? Davon hatte Baumgart gesprochen. Wer nun genau hinschaut, sieht: Mit Sava Cestic wurde der Vertrag aufgelöst. Bei Robert Voloder und Yann Bisseck hatte der FC gerne in Kauf genommen, dass sich die Leihgeschäfte auszahlen würden, um noch Ablöse zu kassieren. Noah Katterbach findet nur noch in der U21 statt. Und nun wurde Jens Castrop für – das sickerte am Freitagnachmittag durch – anderthalb Jahre nach Nürnberg verliehen. Möglich machte das ein Vertrag, der bereits im vergangenen Sommer bis 2024 verlängert worden war.

Cestic, Castrop und Katterbach – diese drei Beispiele müssen und sollen Warnung sein an andere Top-Talente im FC-Nachwuchs. Denn alle drei steckten zuletzt in einer Sackgasse. Cestic glaubte im vergangenen Sommer, dass die Zweite Liga nach elf Bundesliga-Einsätzen für den nächsten Schritt nicht mehr gut genug war. Der 20-Jährige verzichtete lieber auf Spielpraxis im Unterhaus, weil er den Verantwortlichen nicht glauben wollte, dass es für ihn bei den Profis sehr schwer werden würde.

Mit Katterbach führte schon Horst Heldt mehreren Gespräche, ehe Jörg Jakobs, Thomas Kessler und Steffen Baumgart diese weiterführten. Der 20-Jährige war in ein tiefes Leistungsloch gefallen, aus dem er nicht mehr herauskam. Nicht immer wirkte der Shootingstar der Saison 2019/20 voll fokussiert. Am Geißbockheim hieß es: Einflüsse von außen sollen zugenommen und Katterbach den Fokus aufs Wesentliche gekostet haben. Bislang hat der Linksverteidiger noch nicht wieder in die Spur gefunden. Eine Luftveränderung ist dringend vonnöten.

Diese wählte nun auch Castrop mit dem Wechsel nach Nürnberg. Der Youngster hatte nach einer starken Entwicklung in der U17 und U19 zuletzt hinter Mathias Olesen zurückstehen müssen. Der Luxemburger hatte sich mit Ehrgeiz und Demut gleichermaßen in den Vordergrund gespielt. Castrop hingegen zeigte sich ungeduldig, wollte den Sprung zu den Profis schneller schaffen als die Verantwortlichen ihm dies zutrauten. Nun kann er sich anderthalb Jahre auf Zweitliga-Niveau beweisen – womöglich genau der richtige Schritt zur richtigen Zeit.

Geduld ist nicht so weit verbreitet, wie es nötig wäre

Jörg Jakobs

Doch nicht nur Baumgart, sondern auch Jörg Jakobs hatte zuletzt gewarnt. Die Nachwuchsspieler hätten viel zu wenig Geduld, kritisierte der Interims-Sportchef im GEISSBLOG-Interview. „Geduld ist nicht so weit verbreitet, wie es nötig wäre. Die Frage lautet häufig: Wann ist der erste Einsatz? Das ist aber die falsche Frage. Die richtige Frage lautet: Wie viele Einsätze werden es irgendwann? Das Alter des ersten Einsatzes sagt nichts darüber aus, wie die Karriere verlaufen wird.“

Die unterschiedlichen Entwicklungen bei Sava Cestic, Jens Castrop und Noah Katterbach sind daher Warnung für alle Top-Talente, die neben und nach ihnen versuchen den Sprung in Richtung Profi-Mannschaft schaffen wollen. Von Olesen über Obuz und Lemperle bis hin zu Urbig und jenen, die aus der U19 und U17 erst in ein bis vier Jahren nachrücken wollen: Wer sich von Familie, Freunden, Beratern und dem Gefühl verrückt machen lässt, andere 16- bis 18-Jährige würden auch schon Bundesliga spielen, verliert genauso leicht sein Ziel aus den Augen wie jene, die mit ihrem ersten Profi-Vertrag glauben, die Tore zur Welt stünden ihnen bereits sperrangelweit offen.

Dabei kann Kölns Cheftrainer das perfekte Beispiel dafür sein, dass alles seine Zeit braucht. Steffen Baumgart wurde erst mit 22 Jahren Profifußballer und brachte es doch auf 225 Bundesliga-Spiele. Oder ein gewisser Jonas Hector, der ebenfalls erst im Alter von 22 Jahren über die Zweite Liga in der Bundesliga durchstartete und schließlich Nationalspieler wurde. Wie Jakobs sagte: Nicht auf das Alter des ersten Einsatzes kommt es an, sondern auf die Anzahl der Einsätze nach einer langen Karriere.

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