Steffen Baumgart in Leipzig. (Foto: IMAGO / Eibner)

Steffen Baumgart in Leipzig. (Foto: IMAGO / Eibner)

Modeste nicht zu ersetzen: FC fehlt Durchschlagskraft

Dem 1. FC Köln gelingt bei RB Leipzig erst nach einer Stunde das Offensivspiel, das sich Steffen Baumgart über die vollen 90 Minuten gewünscht hätte. Das Fehlen des Corona-infizierten Anthony Modeste wird offensichtlich. Doch das 1:3 (0:1) muss die Geißböcke nicht länger ärgern als nötig. Auch gegen RB zeigte der FC vieles von dem, was die Mannschaft ausmacht.

Aus Leipzig berichtet Marc L. Merten

Am Tag nach dem 1:3 gab es beim 1. FC Köln zumindest leichte Entwarnung mit Blick auf den erkrankten Modeste. Thomas Kessler sagte am Rande des Trainings am Samstagvormittag: “Die Erwartungshaltung ist schon so, dass Tony unter der Woche wieder ins Training einsteigen kann.” Damit wäre der Franzose womöglich gegen Eintracht Frankfurt in einer Woche wieder einsatzbereit. Doch was sind die Lehren aus dem Spiel in Leipzig?

Geschichte des Spiels

Der 1. FC Köln kann sich nach dem 1:3 in Leipzig zwar keine Punkte auf die Tabelle, aber auf die Fahne schreiben taktisch vieles richtig gemacht zu haben. Bringt dies in einem Ergebnissport etwas? Zunächst einmal nicht. Doch Steffen Baumgart betont immer wieder den Weg, den seine Mannschaft geht. Und zu diesem gehört auch ein Lernprozess. Und Lehren konnten Trainer und Spieler diverse ziehen.

Bollwerk des Spiels

RB Leipzig gehört fraglos zu den offensiv bestbesetzten Mannschaften der Liga. Nkunku und Silva, dahinter Olmo – das ist schon erste Sahne. Trotz allem konnte Leipzig in den ersten 45 Minuten nur einen einzigen Schuss abgeben. Nach 90 Minuten waren es nur sechs, vier davon aufs Tor. Okay, dumm gelaufen, wenn dann drei den Weg ins Tor finden. Doch normalerweise schießt Leipzig 13 Mal pro Spiel aufs gegnerische Tor, hat über 55 Prozent Ballbesitz und eine Passquote von 81 Prozent. Der FC machte es Leipzig aber so schwer, dass die Geißböcke am Ende sogar häufiger aufs gegnerische Tor geschossen hatten bei gleichviel Ballbesitz und einer besseren Passquote. Einzig: Statistiken gewinnen keine Spiele.

Wahrheit des Tages

Denn zur Wahrheit des Spiels gehört auch: Der 1. FC Köln hatte in der ersten Halbzeit auch nur einen einzigen Torschuss – und der war keiner, weil Duda den Ball mehr auf die Tribüne klärte denn in Richtung Tor brachte. Überhaupt fand der FC offensiv erst statt, als es bereits 0:3 stand. Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt gelaufen. Alle hinterher guten Statistiken müssen also aus der Perspektive gelesen werden, dass Leipzig dem FC diese Räume ermöglichte, weil RB es sich erlauben konnte nachlässig zu werden. Anthony Modeste fehlte dem FC an allen Ecken und Enden. Vielleicht hätte es auch ohne den Franzosen nicht zu etwas Zählbarem gereicht. Doch Modeste macht dieser Tage alles mit größerer Überzeugung und Intensität als Sebastian Andersson: das Anlaufen, das Ballsichern, das Anbieten auf den Flügeln, die Abschlüsse. Weder strahlte Andersson die Überzeugung aus, ein Tor schießen zu können. Noch strahlten die Mitspieler den Glauben aus, dass Andersson ihnen dieses Tor erzwingen würde. Der Unterschied zwischen den beiden Mittelstürmern wurde am Freitag noch einmal überdeutlich.

Die Tabelle

Wenn es ganz blöd läuft, dann könnte der 1. FC Köln an diesem Spieltag bis auf Platz zehn durchgereicht werden. Das würde aufgrund der Spieltags-Konstellation dann allerdings wiederum bedeuten, dass aus dem Tabellenkeller niemand ernsthaft näher gekommen wäre. Und so hätte das Eine wie das Andere etwas Gutes. Sicher ist: Am nächsten Spieltag wird der 1. FC Köln im Heimspiel mit Eintracht Frankfurt einen Gegner empfangen, der in der Tabelle auf Augenhöhe sein wird – ob kurz vor oder hinter dem FC, wird das Spiel der SGE gegen Wolfsburg zeigen. Und anschließend geht es für die Geißböcke bekanntlich zu Greuther Fürth.

Zitat des Tages

“Wir hatten nicht die Durchsetzungskraft, um für Torgefahr zu sorgen. Wir waren in der zweiten Halbzeit gut im Spiel, haben es aber nicht geschafft in den ersten 60 Minuten zu Torchancen zu kommen. Richtig gute Möglichkeiten hatten wir dann nach 60 Minuten.” (Steffen Baumgart)

Pfiff des Spiels

An Schiedsrichter Florian Badstübner lag es nun wirklich nicht, dass der 1. FC Köln in Leipzig verlor. Man darf an dieser Stelle aber durchaus erwähnen, dass der Referee eine komplizierte Leistung an den Tag legte. Gerade in der ersten Halbzeit ließ der Schiedsrichter jegliche Linie vermissen. Thielmanns Gelb war ein Witz, Silvas Ballwegschlagen war nicht mal eine Ermahnung wert, der Abstand beim Kainz-Freistoß, der zum 0:3 führt, ist für Badstübner keine Korrektur wert – und führt zum Block, der den Konter einleitet. Und so gab es viele Kleinigkeiten, die an diesem Tag zu Ungunsten der Geißböcke ausfielen. Steffen Baumgart nahm es irgendwann nur noch mit einem sarkastischen Lachen.

Zahl des Tages

2 – denn es war das zweite Bundesliga-Tor für Tim Lemperle. Das Kölner Eigengewächs schraubte sich sehenswert hoch, ehe er einen Uth-Eckball per Kopf in die Maschen schädelte.

Erkenntnis des Spiels

Leipzig ist in vielerlei Hinsicht eine Nummer zu groß für den 1. FC Köln. Nicht nur die offensive, individuelle Qualität war beeindruckend zu beobachten. Spieler wie Nkunku, Olmo, Haidara oder Angelino sind technisch so herausragend und handlungsschnell, dass dem FC die Grenzen aufgezeigt wurden. Und defensiv war RB eine Stunde lang derart humorlos, konsequent und gut organisiert, dass die entscheidenden Zweikämpfe immer an die Gastgeber gingen und Leipzig in den entscheidenden Situationen immer in Überzahl war. So gab es für den 1. FC Köln am Freitagabend keinen Blumentopf zu gewinnen.

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