Ausschnitte aus der Kampagne. (Screenshots: Instagram / Stadt Koeln)

Ausschnitte aus der Kampagne. (Screenshots: Instagram / Stadt Koeln)

Eigentor der Stadt Köln: FC sauer wegen Stadion-Kampagne

Die Stadt Köln hat vor dem Start der Fußball-Bundesliga eine Kampagne “für friedliche Fußballfeste” ins Leben gerufen. Dabei jedoch bedienten sich die Initiatoren nicht nur der üblichen Klischees, sondern leisteten sich auch inhaltliche Fehler. Beim 1. FC Köln wollte man sich auf GEISSBLOG-Nachfrage nicht äußern. Intern jedoch ist man verärgert und will die Kampagne nicht unkommentiert lassen.

Die Stadt Köln hat es wahrscheinlich sogar gut gemeint. Schließlich ist Gewalt in jeder Hinsicht und in allen Bereichen der Gesellschaft zu verurteilen. Und so hatten sich auf Initiative des Kriminalpräventiven Rats (KPR) diverse Kölner Institutionen zusammengeschlossen. Die Feuerwehr, der Ordnungsdienst, die Polizei, die Verkehrsbetriebe und viele mehr. Ihr Ziel: “für friedliche Fußballfeste” einstehen.

Daraus wurde eine Kampagne, die mit zahlreichen Testimonials umgesetzt wurde. Diesen wurden Sätze in den Mund gelegt, die mit “Ich freue mich auf die neue Saison” begannen und dann individuell fortgesetzt wurden. Annkathrin von der KVB wünschte sich “friedliche und fröhliche Fans in unseren Bahnen”. AWB-Mitarbeiter Derrick erklärte: “Handschuhe braucht nicht nur der Torwart.” Doch andere Aussagen sorgten beim 1. FC Köln und in der FC-Fanszene für großen Ärger.

…besonders auf die Fangesänge, aber bitte nur im Stadion

Lisa

Beispielhaft sorgte ein Satz für Aufsehen, der Lisa vom Ordnungsdienst in den Mund gelegt wurde. Sie freue sich “besonders auf die Fangesänge, aber bitte nur im Stadion”. Darüber hinaus erweckten Polizeipräsident Falk Schnabel und Stadtdirektorin Andrea Blome bei der Präsentation der Kampagne am Montag den Eindruck, dass “Fußballfeste in Köln zwar nicht per se unfriedlicher sind als in anderen Städten”, jedoch “Hass und Gewalt” ein ständiger Begleiter im RheinEnergieStadion seien.

Abgesehen davon, dass diese Kampagne zeitlich erst nach dem Saisonbeginn von Fortuna Köln (Regionalliga) und Viktoria Köln (Dritte Liga) veröffentlicht wurde, zielte sie vor allem auf den 1. FC Köln und seine aktive Fanszene ab. Beim FC war man daher wenig begeistert. Öffentlich äußern wollte sich auf Nachfrage niemand. Vorstand und Mitgliederrat standen nach GEISSBLOG-Informationen jedoch schnell in Kontakt. Die einhellige Meinung: Statt präventiv zu arbeiten, habe die Stadt Köln vor dem Saisonstart unnötig neues Öl ins Feuer gegossen.

FC prüft Reaktion

Aussagen wie “Fangesänge gehören ins Stadion” oder die Forderung der KVB, in den Straßenbahnen nicht mehr zu singen oder zu hüpfen, seien ebenso fragwürdig wie taktische Fehler der Kampagnen-Planer im Umgang mit den Vereinen und den Fans selbst. Die Geißböcke waren zwar über die geplante Kampagne grundsätzlich informiert worden, hatten die konkreten Inhalte vor der Veröffentlichung aber nicht zu Gesicht bekommen.

Der FC hätte sich nach Informationen dieser Onlinezeitung vorstellen können, die Kampagne zu unterstützen. Nach Ansicht der grafischen Umsetzung wurde dem nun aber sofort ein Riegel vorgeschoben. Stattdessen will der Klub in den Gremien diskutieren, wie die Stadt Köln auf dieses Eigentor angesprochen werden soll. Zu erwarten ist, dass die aktive Fanszene am ersten Spieltag gegen Schalke (7. August) in Form von Spruchbändern reagieren wird.

Der GEISSBLOG meint: Gewalt gehört nirgendwo hin. Wenn irgendwas unverhandelbar ist, dann ist es das Motto “Keine Gewalt”. Doch die Stadt Köln vermischt in ihrer Kampagne nicht nur auf unwissende oder ignorante Art und Weise Klischees und Vorurteile, sondern versucht mal wieder den Fußball für sich zu nutzen, und zwar als Eigenkampagne. Hier geht es nicht um den ernsthaften Versuch ein vermeintliches Problem bei der Wurzel zu packen. Die Stadt nutzt einmal mehr den FC dazu, sich als Kämpfer für Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit zu inszenieren. Doch wer diese Kampagne umgesetzt hat, hat nicht nur keine Ahnung von Fußball und Fußballfans, sondern auch keine Ahnung von echter Präventionsarbeit. Denn Prävention funktioniert nicht mit Vorwürfen, Klischees und Einbahnstraßen-Kommunikation, sondern nur im Dialog. Doch den hat die Stadt Köln noch nie beherrscht.

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