Der 1. FC Köln ist ausgeschieden: Kingsley Ehizibue scheiterte mit dem letzten Elfmeter. (Foto: IMAGO / Eibner)

Der 1. FC Köln ist ausgeschieden: Kingsley Ehizibue scheiterte mit dem letzten Elfmeter. (Foto: IMAGO / Eibner)

FC mit den richtigen Wechseln, aber dann mussten wieder die Verteidiger ran

Das Aus des 1. FC Köln im DFB-Pokal beim SSV Jahn Regensburg erinnert in vielerlei Hinsicht an die Niederlage im Achtelfinale 2020/21. Doch personell und taktisch machte der FC während der 120 Minuten vieles richtig – wären da nicht die defensiv wilden 20 Minuten in der ersten Hälfte und das Elfmeterschießen. Die Lehren des Spiels.

Aus Regensburg berichtet Marc L. Merten

Geschichte des Spiel

Als der 1. FC Köln im Februar 2021 im Elfmeterschießen in Regensburg verlor, war hinterher das Staunen groß. Die letzten beiden Elfer hatten Jannes Horn und Jorge Meré ge- und verschossen. Kein Ellyes Skhiri, kein Max Meyer, kein Dominick Drexler, kein Iso Jakobs – die Verteidiger mussten ran, und dazu noch Tolu Arokodare, der Jüngste im Kader. Die Erfahrenen hatten gekniffen, die Offensivspieler hatten gekniffen. Es war eine Blamage, nicht nur sportlich.

18 Monate später scheitert der FC erneut an Regensburg im Elfmeterschießen, und erneut wird über die Schützen diskutiert. Mit Jeff Chabot und Kingsley Ehizibue übernahmen wieder zwei Verteidiger die Verantwortung, weil andere nicht antraten – mit demselben Ergebnis wie 2021. Wieder fehlten die Führungsspieler in der Schützenliste. Und so wiederholte sich die Geschichte des Spiels, obwohl sich der FC sportlich ab dem zweiten Gegentor fast nichts mehr hatte vorwerfen können.

Wechsel des Spiels

Als der FC in der vergangenen Saison gegen den HSV im Elfmeterschießen ausschied, musste sich Steffen Baumgart auch Kritik bezüglich seiner Aufstellung gefallen lassen. Dieses Mal brachte der FC-Trainer die volle Kapelle – inklusive der Wechsel. Jonas Hector war nicht völlig fit, also wurde er als erster Spieler eingewechselt. Auch die weiteren Wechsel – insbesondere Jan Thielmann und Linton Maina – schlugen voll ein. Sie gehörten zu den stärksten Kölnern. Auch Tim Lemperle machte ein gutes Spiel.

Doch Baumgart hatte auch mit einem anderen Wechsel während des Spiels das richtige Händchen: Nachdem sein Team in der Vorbereitung vornehmlich im 4-1-3-2-System gespielt hatte, wählte er dieses auch zunächst. Doch Regensburg wusste die Räume um Skhiri als alleinigen Sechser zu nutzen, und so fielen zunächst die Gegentore. Baumgart stellte noch während der ersten Hälfte auf 4-2-3-1 um – und ab dem Moment dominierte der FC die Partie. Dass das dritte Tor nicht fiel, war eine Mischung aus Pech und fehlender Konsequenz.

Zahlen des Tages

Der 1. FC Köln dominierte seinen Gegner und hätte nach spätestens 120 Minuten gewinnen müssen. Regensburg kam wegen des Kölner Pressings nur auf schwache 64 Prozent Passquote, die Geißböcke hatten 25 Torschüsse (der SSV nur elf), Timo Horn musste keinen einzigen Schuss parieren (außer den beiden Gegentoren, bei denen er machtlos war). Und dennoch reichte es nicht.

Fun Fact des Tages

Der Stadionsprecher begrüßte zehn Minuten vor Anpfiff die Zuschauer, auch auf der Gegentribüne. Dafür rief er: „Hallo Netto-Tribüne!“ Netto ist der Hauptsponsor der Regensburger. Pierre Womé gefällt das.

Pechvogel des Tages

Anthony Modeste – ganz klar. Der Franzose hatte mehrfach die Chance zum dritten Treffer, traf in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit sogar noch mit einem fast perfekten Kopfball die Latte. Es sollte einfach nicht sein, obwohl die Geißböcke die Regensburger müde gespielt und dominiert hatten, sodass das Tor eigentlich nur noch eine Frage der Zeit war. Doch Modeste verpasste den Sieg – und musste kurz nach Beginn der Verlängerung mit einer Rückenverletzung vom Feld.

Pfiff des Tages

Diese Aktion war gleichzeitig ein Beispiel, wie falsch Dr. Felix Brych in diesem Spiel immer wieder lag. Der gebürtige Münchner pfiff in Regensburg in Halbzeit eins auf einem ähnliche Niveau wie die Kölner Abwehr. Anschließend lag er in vielen Entscheidungen auf beiden Seiten weit daneben. Dass er Elvedis Einsatz gegen Modeste nicht einmal mit einem Freistoß, geschweige denn mit einer Gelben Karte bedachte, passte ebenso wie der ausbleibende Pfiff für Jan Thielmann, der auf seinem Solo in Richtung Jahn-Tor über 20 Meter hinweg gehalten, gezupft und geschubst wurde, ehe der Ball weg war. “Ich forderte von meinen Spielern, dass sie so lange weiterlaufen wie möglich”, schimpfte Baumgart hinterher. Aber offenbar bekäme man, so der Cheftrainer, nur einen Pfiff, wenn man falle. Dazu passte, dass sich Brych zuvor mehrfach mit Thielmann verbale Auseinandersetzungen geliefert und den Kölner für dessen Einsatz ermahnt hatte.

Zitat des Spiels

“Es gibt heute zwei Geschichten: Die Leistung der Mannschaft hat gestimmt. Das Ausscheiden war aber bitter und ärgert uns.” (Steffen Baumgart)

Erkenntnis des Spiels

Der 1. FC Köln hat sich das Aus selbst zuzuschreiben. Wer erst schlecht verteidigt und dann vor dem gegnerischen Tor die letzte Überzeugung und Konsequenz vermissen lässt, der kann in der Elfmeter-Lotterie den Kürzeren ziehen. Dennoch ist das Aus in Regensburg nicht mit dem Aus gegen den HSV zu vergleichen: Der FC hatte personell wie taktisch alles getan, um den frühen Rückstand zu egalisieren und das Spiel innerhalb der 90 bzw. 120 Minuten zu gewinnen. Was fehlte, war das dritte Tor. Wäre dieses gefallen, hätte jeder genau diese Wechsel gelobt und den FC für eine Comeback-Qualitäten gefeiert. Daher ist das Aus für den FC zwar ein sportlicher und finanzieller Tiefschlag, aber kein Grund die erste Krise zu wittern. Was es braucht, ist nun ein guter Saisonstart in die Bundesliga. Die Leistung dafür stimmte in vielen Bereichen bereits.

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