Anthony Modeste und die Herz-Geste. (Foto: Bucco)

Anthony Modeste und die Herz-Geste. (Foto: Bucco)

Liebesentzug

Anthony Modeste hat den 1. FC Köln zum zweiten Mal verlassen. Diesmal nicht nur für Geld, sondern auch für sportliche Ziele. Die Entscheidung ist legitim. Jeder Mensch darf nach dem streben, was ihm am wichtigsten ist. Nur das mit der Liebe für den FC können wir nun zu den Akten legen. Was aber auch okay ist. Es muss nicht immer Liebe sein. Ein Kommentar.

Rudi Völler sagte einst über Marcell Jansen: “Er hat den Fußball nie geliebt.” Was für ein Satz! Doch denken wir ihn weiter. Auch Robert Lewandowski hat den FC Bayern München wohl nie wirklich geliebt. Auch Borussia Dortmund hat er wohl nie wirklich geliebt. Und womöglich wird er auch für den FC Barcelona nie wirkliche Liebe empfinden. Aber das ist auch in Ordnung so. Lewandowski ist einer der besten Stürmer der Welt und immer mit Leistung vorne weg gegangen. Er wollte immer nur Erfolg. Er wollte Titel. Er wollte Geld. Und er wollte den Respekt für seine unzähligen Tore.

Es muss nicht immer Liebe sein, warum sich ein Spieler für oder gegen einen Verein entscheidet. So ist das auch bei Anthony Modeste. Problematisch wird es nur, wenn der Spieler ständig das Gegenteil behauptet. Modeste hat immer betont, er liebe den FC, er liebe die Fans, er liebe die Stadt. Doch er hat all das nie so sehr geliebt wie seinen monatlichen Gehaltscheck. Deswegen ist sein Wechsel zu Borussia Dortmund auch nur konsequent.

Dortmund ist ein anderes Kaliber als Saudi-Arabien

Noch heute will Modeste allen einreden, er sei 2017 aus Köln vertrieben und zu einem Transfer nach China genötigt worden, obwohl er habe unter allen Umständen bleiben wollen. Diese Mär ist eine Verdrehung der Geschichte. Modeste hatte einen gültigen Vertrag in Köln. Er sagt, er wurde weggemobbt. Die Wahrheit ist: Er wollte einmal mehr abkassieren, und zwar richtig. Schon ein Jahr zuvor hatte er eine Klausel in seinem Vertrag gezogen, um mehr Gehalt erpokern zu können. Dann winkte China mit den großen Geldkoffern – und Modeste nahm die Kohle nur zu gerne.

Das ist legitim. Genauso legitim, wenngleich moralisch höchst fragwürdig, war es, im Winter ein Angebot aus Saudi-Arabien ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Jeder Mensch soll für sich entscheiden, was für ihn das Beste ist und von welchen Menschen man sich bezahlen lassen möchte. Insofern ist Borussia Dortmund aber ein ganz anderes Kaliber. Mit dem BVB kann Modeste in Köln wohnen bleiben, kann fast das Doppelte wie in Köln verdienen, kann um Titel mitspielen und die Champions League erleben.

Der FC war Modeste von großen Nutzen

Zudem kann er sich in den kommenden Monaten international ins Schaufenster stellen – entweder für eine Vertragsverlängerung in Dortmund oder für einen richtig lukrativen Wechsel 2023 in eine der Geld-ohne-sportlichen-Anspruch-Ligen. Das Geld, das er beim 1. FC Köln bei einem Vertrag bis 2024 verdient hätte, verdient er nun in Dortmund in einem Jahr. Wer mag eine solche Entscheidung im eigenen Berufsleben nicht ernsthaft nachvollziehen können?

Nur eines wird wohl nicht mehr passieren: eine Rückkehr zum 1. FC Köln. Kein Wappen-Küssen mehr, keine Kaffee-Werbung vor der Nordkurve, kein Brillen-Jubel, keine Tränen, wenn die FC-Fans ihn auf Händen über den Müngersdorfer Rasen tragen. Das ist vorbei. War die Liebe jemals echt? Von Seiten der Fans in jedem Fall. Womöglich sogar auch von Seiten des Spielers. Doch selbst wenn: Es war eine Liebe, die immer nur solange galt, solange sie Modeste von Nutzen war.

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