Aufstieg mit Negativ-Rekorden? FC in elf von 16 Jahren chancenlos

Max Finkgräfe und der 1. FC Köln gingen in Hannover leer aus. (Foto: IMAGO / Noah Wedel)
Max Finkgräfe und der 1. FC Köln gingen in Hannover leer aus. (Foto: IMAGO / Noah Wedel)

Der 1. FC Köln hat den Aufstieg weiterhin im Blick, steht als Tabellenführer der 2. Bundesliga an der Spitze eines Schneckenrennens. In den vergangenen Jahren wären die Geißböcke mit ihrer Punktzahl meist chancenlos gewesen.

Es kam, wie es in dieser seltsamen Saison kommen musste. Nachdem die gesamte Verfolgerschaft unentschieden gespielt hatte, patzten der 1. FC Köln und der Hamburger SV erst recht, statt im Kampf um den Aufstieg vorentscheidende Siege einzufahren. So wirkt es immer mehr, als wolle niemand die Liga nach oben verlassen.

„Man sieht über den ganzen Saisonverlauf, dass es keiner Mannschaft richtig gelingt, eine Dominanz aufzubauen“, sagt Gerhard Struber und ärgert sich nach dem 0:1 in Hannover, dass dies auch für seinen FC gilt: „Es steckt viel mehr in uns als das, was wir auf den Platz bekommen haben.“ Er erwarte sich von seiner Mannschaft schon „eine andere Tonart“ im Aufstiegsrennen. „Das ist das Einzige, mit dem ich mich gerade wirklich beschäftige – nicht so sehr damit, was einmal mehr in Hamburg passiert ist.“

Spitzenduo mit erstaunlich wenig Punkten

In Hamburg kassierte der zweite große Aufstiegsfavorit mit dem 1:2 gegen den Karlsruher SC die zweite Niederlage in den letzten drei Partien, sodass der FC und der HSV mit 53 und 54 Punkten ein Spitzenduo bilden, das in den vergangenen Jahren keine Aussichten auf den direkten Aufstieg gehabt hätte.

Bei einer optimalen Ausbeute in den verbleibenden drei Partien würden die Geißböcke die Saison mit 63 Zählern abschließen. Seit Einführung der Relegation hätte diese Punktzahl (unter Einbeziehung des schwachen Torverhältnisses) nur in fünf von 16 Jahren für einen der beiden direkten Aufstiegsplätze gereicht.

Wir wissen, dass wir vieles in unserer eigenen Hand haben – und gleichzeitig, dass wir keinen Gegner nur im Ansatz auf die leichte Schulter nehmen dürfen.

Gerhard Struber

In elf von 16 Saisons hätte der FC maximal die Relegation erreicht, in den vergangenen beiden Jahren nicht mal die: 2024 wurde Fortuna Düsseldorf mit 63 Punkten und einem Torverhältnis von plus 32, das für die Kölner in weiter Ferne liegt, Tabellendritter – 2023 hatte der HSV sogar 66 Punkte auf dem Konto.

Ganz zu schweigen davon, dass es nach dieser inkonstanten Saison eine Überraschung wäre, wenn der FC tatsächlich alle drei verbleibenden Spiele gewinnen und die erwähnten 63 Zähler erreichen würde. Die aktuellen 54 Punkte bedeuten indes die schwächste Bilanz, die ein Zweitliga-Spitzenreiter seit Einführung der Drei-Punkte-Regel nach 31 Spieltagen jemals hatte.

„Dass die Liga extrem ausgeglichen ist, haben wir schon in der Hinserie gesehen, als es von Platz eins bis zehn nur drei, vier Punkte waren“, sagt Torhüter Marvin Schwäbe und ergänzt: „Wir hoffen einfach, dass wir in den nächsten Wochen wieder unsere Punkte einfahren – gerade jetzt gegen Regensburg. Wir haben alles in der eigenen Hand.“

Schwächster FC-Aufstieg?

Die Patzer der Konkurrenz geben dem FC nach wie vor ein komfortables Vier-Punkte-Polster, das gegen Schlusslicht Regensburg zumindest nicht kleiner werden sollte. Der weiterhin sehr wahrscheinliche Aufstieg könnte allerdings mit zwei Negativ-Rekorden verbunden sein: Der bislang schwächste Zweitliga-Meister war 2004 Nürnberg mit 61 Punkten – die muss der FC erst mal erreichen. Gleiches gilt für die 60 Punkte, mit denen 2008 unter Christoph Daum die Bundesliga-Rückkehr gelang – die bisher schwächste Bilanz einer Kölner Aufstiegsmannschaft.

Struber dürfte die Rekorde in Kauf nehmen, solange am Ende wirklich gefeiert werden darf. „Es gilt, das Spiel sauber abzuhaken und wieder nach vorne zu schauen“, meint der FC-Trainer nach dem Dämpfer in Hannover, gibt die Marschrichtung vor: „Wir wissen, dass wir vieles in unserer eigenen Hand haben – und gleichzeitig, dass wir keinen Gegner nur im Ansatz auf die leichte Schulter nehmen dürfen.“ Maximal sechs Punkte sind noch notwendig, um eine Liga zu verlassen, die in dieser Saison wohl eher die schwächste als die viel zitierte beste 2. Liga aller Zeiten darstellt.

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