Das Warten hat ein Ende. Sonntagnachmittag will der 1. FC Köln gegen den 1. FC Kaiserslautern bestehen und anschließend seinen siebten Bundesliga-Aufstieg feiern. Personal, Fans, Schale – die wichtigsten Fakten zum großen Saisonfinale.
Hinter dem 1. FC Köln und seinen Fans liegt zumindest dem Gefühl nach die längste Woche der Saison. Neun Tage sind seit dem Sieg in Nürnberg vergangenen, geprägt von den Schlagzeile rund um Tim Lemperle – doch jetzt zählt nur noch das Geschehen auf dem Platz. Wenn der 1. FC Kaiserslautern ab 15.30 Uhr im RheinEnergieStadion gastiert, muss für die Bundesliga-Rückkehr mindestens ein Punkt her. Der GEISSBLOG beantwortet die wichtigsten Fragen zum Aufstiegsthriller.
Wie steigt der 1. FC Köln heute auf?
Von Platz eins bis vier ist für den FC noch alles drin. Die möglichen Szenarien rund um den Aufstieg:
Der 1. FC Köln steigt direkt in die Bundesliga auf, wenn…
…der FC gegen Kaiserslautern mindestens einen Punkt holt.
…der FC gegen Kaiserslautern verliert und parallel weder Elversberg auf Schalke noch Paderborn in Karlsruhe siegen.
Der 1. FC Köln geht in die Relegation, wenn der FC gegen Kaiserslautern verliert und entweder Elversberg oder Paderborn gewinnen.
Der 1. FC Köln wird nur Vierter, wenn der FC gegen Kaiserslautern verliert und sowohl Elversberg als auch Paderborn gewinnen.
Wo befindet sich die Meisterschale?
Im Kampf um die Zweitliga-Meisterschaft ist der Hamburger SV als Spitzenreiter und bereits feststehender Aufsteiger fraglos in der Poleposition. Dennoch befindet sich die Schale am Sonntag in Köln und nicht in Fürth, wo der HSV zu Gast ist.
Die Erklärung der Liga: „Die DFL setzt am Ende jeder Saison alles daran, die Ehrung des Meisters der Bundesliga und der 2. Bundesliga im Stadion vor und mit den Fans zu ermöglichen – sofern es keine Sicherheitsbedenken gibt. Die offizielle Einschätzung der zuständigen Behörden und des Veranstalters lässt aus Sicherheitsgründen aber leider keine Übergabe der Zweitliga-Meisterschale am Sonntag im Stadion in Fürth zu.“

Sollte der HSV die Tabellenführung verteidigen, wird die Schale erst am Montag in Hamburg überreicht. Holt sich der FC nicht nur den Aufstieg, sondern auch den Titel, findet die Übergabe der originalen Trophäe am Sonntag im RheinEnergieStadion statt. Denn bei einem Heimspiel der potenziell zu ehrenden Mannschaft gibt es natürlich keine Sicherheitsbedenken. DFL-Geschäftsführer Marc Lenz wird in Müngersdorf anwesend sein, um die Schale gegebenenfalls an Kapitän Timo Hübers zu überreichen.
Was planen die Fans?
Der Aufruf der aktiven Fanszene lautet: „Alle FC-Fans in Weiß zum letzten Heimspiel der Saison gegen Kaiserslautern.“ Man wolle „geschlossen auftreten“ und „die Mannschaft in die erste Liga brüllen“. Eine entsprechende Choreografie dürfte den Support im restlos ausverkauften RheinEnergieStadion, für das der FC weit mehr als 300.000 Tickets hätte verkaufen können, eröffnen.
In Müngersdorf versammeln werden sich die Kölner Anhänger bereits ab 11 Uhr. Auf den Jahnwiesen hinter der Südkurve will man sich mit einem Grillfest gemeinsam einstimmen. Später erwartet die Spieler und das Trainerteam um Friedhelm Funkel bei der Ankunft mit dem Mannschaftsbus gewiss auch ein gewaltiger Empfang.

Auf welches Personal setzt Funkel?
Wie bereits vor dem Sieg in Nürnberg wollte sich Funkel auf der Spieltags-Pressekonferenz nicht in die Karten schauen lassen, er wolle „die Lauterer überraschen“. Der FC-Trainer erklärte am Freitag: „Ich werde gar nichts dazu sagen, wie wir auflaufen und wie wir das Spiel angehen werden. Das soll mein hochgeschätzter Kollege Torsten Lieberknecht nicht vorab schon von mir zu hören bekommen.“
Es sei „durchaus denkbar“, in der Herangehensweise etwas zu ändern; er ändere „schon auch mal das System“, fuhr Funkel fort – dürfte damit aber nur pokern. Große Umstellungen sind im Vergleich zum 2:1 in Nürnberg, wo der FC mit Funkels eindeutiger Lieblingsformation 4-2-3-1 erfolgreich war, nicht zu erwarten. Fraglich ist natürlich, wie viel Spielzeit Tim Lemperle nach seinem Party-Skandal erhalten wird. Womöglich rutscht für ihn Damion Downs als einziger Neuer in die Startelf.
So könnte der FC gegen Kaiserslautern beginnen: Schwäbe – Gazibegovic, Hübers, Heintz, Pacarada – Martel, Huseinbasic – Thielmann, Waldschmidt, Kainz – Downs
Beeinflusst der Lemperle-Skandal die Mannschaft?
„Mitnichten“, lautete Funkels klare Ansage im Vorfeld. Natürlich habe er sich mit den Führungsspielern ausgetauscht. „Da hat man mir gesagt, dass sie das nicht gut gefunden haben, dass Tim einen Fehler gemacht hat – aber dass es damit gut sein muss.“ Er könne sich „gut in eine Mannschaft hineinversetzen“, versicherte Funkel und ergänzte: „Ich spüre, dass Tim genug bestraft ist.“

Die FC-Profis wollen gemeinsam mit Lemperle aufsteigen. Deswegen und gewiss auch aufgrund seiner immensen sportlichen Bedeutung sei es „moralisch kein Problem, Tim möglicherweise Spielzeit zu geben“, so Funkels Meinung. „Er war sehr reumütig, und die Mannschaft hat das akzeptiert. Da ist kein Bruch entstanden.“ Daher steht Lemperle im Kader (der GEISSBLOG berichtete).
Hält der FC dem Druck heute Stand?
In den vergangenen Jahren wirkte es häufig, als verdränge die Angst, etwas zu verlieren, die Chance, etwas zu gewinnen – der Druck war für die Mannschaft immer wieder zu groß. Funkel ist dieses Thema von Tag eins an angegangen. In Nürnberg sah es angesichts des zurückgekehrten Offensivfußballs so aus, als sei ihm tatsächlich gelungen, den Schalter umzulegen – einen „positiven Druck“ zu erzeugen, wie er sagt.
Auch in den vergangenen Tagen nahm Funkel seine Profis „sehr spielfreudig, sehr konzentriert“ wahr und kündigte an: „Wir können es kaum erwarten, dass es am Sonntag um 15.30 Uhr losgeht.“ Alle Spieler seien „guter Dinge“, geht Funkel davon aus, dass sein Team dem Druck standhält: „Es wird kein einfaches Spiel, aber diese Mannschaft ist sehr gefestigt. In Nürnberg, genau zur richtigen Zeit, hat die Mannschaft gezeigt, dass sie mit Druck umgehen kann.“
Wie geht Funkel selbst das Spiel an?
Maximal selbstbewusst. „Es gab schon schwierigere Situationen für mich“, erklärte er ganz gelassen. Mit seinem siebten Aufstieg könnte Funkel seinen eigenen Rekord noch ausbauen. „Ich möchte unbedingt aufsteigen, dafür bin ich hierhergekommen“, so der 71-Jährige weiter.
Dass es dabei ausgerechnet gegen Kaiserslautern geht – gegen den Club, mit dem er vergangene Saison sensationell das Pokal-Finale erreicht hatte –, sei natürlich zusätzlich „besonders“. Aber: „Das muss 90 Minuten ruhen. Freundschaft und Verbundenheit spielen da keine Rolle.“
Kommt Kaiserslautern mit Torjäger Ache?
Ragnar Ache, mit 18 Treffern der zweitbeste Zweitliga-Torjäger nach Davie Selke und zudem ein heißer Kandidat beim FC, konnte unter der Woche nicht mit der Mannschaft trainieren. Kaiserslauterns Trainer Lieberknecht ließ den Einsatz seines Sturm-Stars offen: „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.“

Geplagt wird Ache von Wadenproblemen. Pokerei sei das laut Lieberknecht nicht: „Das ist kein Geplänkel. Wenn er fit ist, wird er zum Einsatz kommen, aber er muss grünes Licht geben.“ Womöglich fällt die Entscheidung erst im Laufe des Sonntags.
Was gilt es, rund um das Stadion zu beachten?
Eine frühzeitige Anreise ist diesmal noch empfehlenswerter als ohnehin schon. Wer zuvor noch das U19-Finale in Leverkusen besucht, muss beachten, dass die A1 zwischen den Autobahnkreuzen Leverkusen-West und Leverkusen in beide Fahrtrichtungen gesperrt ist. Zudem sorgt das Radrennen Rund um Köln, bei dem mehr als 8000 Sportler an den Start gehen werden, für zahlreiche Einschränkungen. Die KVB setzt ab 12.30 Uhr zusätzliche Bahnen zum RheinEnergieStadion ein.
Auch die Polizei bereitet einen Großeinsatz vor, will im gesamten Stadtgebiet mit mehreren Hundertschaften präsent sein. Da Teile der Gäste-Fans über den Rhein per Schiff anreisen wollen, ist sogar die Wasserschutzpolizei involviert. Ein eher seltener Umstand. Doch es handelt sich eben um einen besonderen Fußballtag.








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