Der 1. FC Köln taumelt im Aufstiegskampf – und zwar gewaltig! Am Samstagabend ist der bisherige Spitzenreiter gegen Absteiger Jahn Regensburg nicht über ein 1:1 (0:0) hinausgekommen. Von den Rängen schallten erstmals „Struber raus“-Rufe.
Aus dem RheinEnergieStadion berichten Sonja Gauer, Marc Merten, Martin Zenge und Juline Mittag
Sowohl der 1. FC Köln als auch der SSV Jahn Regensburg hatten am Freitag auf andere Ergebnisse gehofft. Preußen Münsters 5:0-Triumph in Magdeburg nahm Regensburg auch den letzten Funken Hoffnung auf den Klassenerhalt – der Abstieg des Jahn war schon vor Anpfiff des Samstagabendspiels Gewissheit. Der SC Paderborn wiederum rückte mit einem 2:0-Sieg auf Schalke bis auf zwei Punkte an die Geißböcke heran und sorgte dafür, dass sich der Aufstieg an diesem Wochenende definitiv nicht finalisieren ließ. Doch dann brachte sich der FC gegen das abgeschlagene Schlusslicht Regensburg in noch größere Bedrängnis und ließ riesige Zweifel daran aufkommen, ob die Bundesliga-Rückkehr überhaupt Realität wird.
Tore und Highlights
2. Minute: Die letzten Töne, die vor Spielbeginn aus den Lautsprechern dröhnten, gehörten nicht wie gewohnt zur Hymne. Passend zu einer Choreografie zum 25-jährigen Bestehen des Fanclubs Cologne Power East Belgium sorgte der Stammbaum der Bläck Fööss für eine fast schon besinnliche Atmosphäre in Müngersdorf. Eineinhalb Minuten nach Anpfiff war es dann Leopold Wurm, der das RheinEnergieStadion früh in ein Tollhaus hätte verwandeln können. Regensburgs Innenverteidiger fälschte eine Hereingabe von Max Finkgräfe aufs eigene Tor ab, Keeper Julian Pollersbeck musste sich strecken. Den anschließenden Eckball von Florian Kainz durfte Eric Martel am Fünfer annehmen, doch er schoss deutlich drüber.

19. Minute: Der FC machte zunächst das Spiel, machte es sich am Gäste-Strafraum gemütlich – ließ aber auch etwas zu. Nach einem Regensburger Freistoß zog Sebastian Ernst aus 15 Metern ab, Marvin Schwäbe lenkte den Ball über die Latte.
36. Minute: Es mangelte an ganz klaren Chancen beim Duell der beiden schwächsten Rückrunden-Offensiven. Hier mal eine verpasste Flanke, da ein unsauberer letzter Pass – trotz 60 Prozent Ballbesitz verpufften sämtliche Kölner Bemühungen. Und plötzlich durfte Regensburg vom Führungstreffer träumen. Dejan Ljubicic blockte einen Schuss von Christian Kühlwetter im eigenen Strafraum mit der Hand. Minutenlang wurde die Szene im Videokeller überprüft, Schiedsrichter Nicolas Winter ging noch selbst zum TV-Bildschirm. Dann lautete die Entscheidung: kein Elfmeter. Jedoch nur, weil vor Kühlwetters Abschluss eine Abseitsstellung vorgelegen hatte.
44. Minute: Auf der Gegenseite war es Jan Thielmann, der sich mal ein Herz fasste und aus 18 Metern abzog. Endlich traute sich ein Kölner mal etwas, wenngleich Pollersbeck parierte.
45+2. Minute: Doch auch Schwäbe musste sich noch mal strecken, verhinderte nach einem Distanzhammer von Bryan Hein mit einer Flugeinlage das 0:1. Die Südkurve verlor schon vor dem Pausenpfiff die Geduld, skandierte: „Wir wollen euch kämpfen sehen.“ Und es kam noch härter: Zwar vereinzelt, aber deutlich zu vernehmen schallten erste „Struber raus“-Rufe aus dem Süden. Die Mannschaft wurde nach einer einmal mehr enttäuschenden ersten Halbzeit mit einem Pfeifkonzert in die Katakomben geschickt.

57. Minute: Wer dachte, der FC käme nun wie verwandelt aus der Kabine, sah sich getäuscht. Die Kölner Angriffe waren weiterhin von Ungenauigkeiten geprägt, sorgten für Raunen und Pfiffe von den Tribünen, nicht für Torgefahr. Dann fasste sich erneut Thielmann ein Herz, setzte sich auf der rechten Außenbahn gegen mehrere Regensburger durch und bediente Lemperle. Der Angreifer wurde im Strafraum allerdings geblockt.
59. Minute: Doch Lemperles nächster Versuch saß! Luca Waldschmidt, Kölns Top-Scorer der Rückrunde, flankte von der linken Seite an den zweiten Pfosten, wo sich Lemperle von Robin Ziegele davonstahl und gegen die Laufrichtung zum 1:0 einköpfte. Sämtlicher Frust des bisherigen Spiels verwandelte sich in einen kollektiven Jubelsturm.
72. Minute: Der FC hatte das Spiel zwar im Griff, verpasste aber das zweite Tor. Der eingewechselte Linton Maina legte von links für den ebenfalls als Joker gekommenen Imad Rondic auf, doch der Bosnier konnte den Ball aus kurzer Distanz nicht über die Linie befördern.
75. Minute: Stattdessen schockte der Absteiger den Möchtegern-Aufsteiger! Unter anderem weil Lemperle fehlte, hatte Anssi Suhonen auf der linken Seite viel Platz und fand mit seiner Flanke Noah Ganaus. Per Kopf scheiterte der Jahn-Stürmer noch an Schwäbe, aber im Nachsetzen traf er zum 1:1.
Abpfiff: Das Spiel endete mit dem lautesten Pfeifkonzert des Abends und erneuten „Struber raus“-Rufen – nun aus sämtlichen Himmelsrichtungen. Abgelöst wurden sie von „Keller raus“-Schreien. Als die Mannschaft vor die Südkurve trat, setzte es das nächste Pfeifkonzert, bevor die aktive Fanszene die Spieler noch einmal nah heranholte, um ihnen für die verbleibenden zwei Partien ein paar Worte mit auf den Weg zu geben.
Personal
So spielte der FC: Schwäbe – Thielmann, Hübers, Heintz, Finkgräfe – Martel, Ljubicic (46. Huseinbasic) – Lemperle, Waldschmidt (78. Uth), Kainz (60. Maina) – Downs (60. Rondic)
Zur Aufstellung: Trotz der schwachen Leistung in Hannover nahm Gerhard Struber nur die eine notwendige Änderung an seiner Startelf vor: Max Finkgräfe ersetzte den gelb-rot-gesperrten Leart Pacarada. Ansonsten blieb die Anfangsformation unverändert. Bei Jahn Regensburg fehlte Sargis Adamyan wegen Magen-Darm-Problemen.
Fazit
So hat der 1. FC Köln den Aufstieg nicht verdient! Nach dem Heimsieg gegen Preußen Münster an Ostern war der Weg in die Bundesliga frei – zwei Wochen später ist die Stimmung im Keller. Der designierte Aufsteiger scheint sich in ein Pulverfass verwandelt zu haben. Die Leistungen in Hannover und nun gegen Schlusslicht Regensburg waren indiskutabel schwach und ließen erhebliche Zweifel aufkommen. Zweifel daran, ob der Aufstieg wirklich gelingt. Zweifel daran, ob Gerhard Steuber der richtige Trainer ist, um diese Mission zu vollenden. Gegen Absteiger Regensburg reichte nicht mal eine Führung – jetzt kommen mit Nürnberg und Kaiserlautern noch ganz andere Kaliber. Der Vorsprung auf Rang drei beträgt nur noch drei Punkte, wobei der auf Platz zwei abgerutschte FC das schlechtere Torverhältnis als Verfolger Paderborn hat. Die glänzende Ausgangssituation ist dahin, es droht ein dramatisches Saisonfinale.








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