Kellers Ablenkungsmanöver traf die Falschen – und am Ende ihn selbst

Christian Keller muss den 1. FC Köln verlassen. (Foto: Bucco)
Christian Keller muss den 1. FC Köln verlassen. (Foto: Bucco)

Der Offenbarungseid gegen Jahn Regensburg hat Folgen für den 1. FC Köln. Christian Keller wollte nicht über Trainer Gerhard Struber diskutieren und kritisierte stattdessen die Fans. Diese Taktik – und die sportliche Lage – kosteten nun beide den Job.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Eigentlich hatte Christian Keller am Samstagabend bereits die Trainerdiskussion beim 1. FC Köln eröffnet, obwohl er sie hatte beenden wollen. Der Sportchef erklärte, der FC habe in dieser Saison „zu viele nicht gute Leistungen und dabei zu wenig Konstanz“ gezeigt. Man müsse jetzt irgendwie schauen, „dass wir es so über die Ziellinie bringen“. Danach könne man sich überlegen, „was wir in Zukunft anders machen können“.

Irgendwie über die Ziellinie kommen: So lautete Kellers Lösung für eine Situation, in der er sich offenbar bereits im Klaren war, dass Gerhard Struber keine Zukunft beim FC haben werde. Doch die dafür nötige Analyse der Saison sollte erst nach dem 34. Spieltag passieren. Bis dahin sollten es ein paar Sprüche und Schulterklopfer richten. Positiv bleiben, zusammenhalten, Spaß haben – oder in Kellers Worten: „Wenn sich alle mal freuen und die Chance sehen würden, die wir noch haben, steigt die Chance, dass es den Spielern gelingt.“

Fan-Kritik ging an Realität komplett vorbei

Doch auf das Prinzip Hoffnung wollte sich der Vorstand der Geißböcke nicht mehr verlassen. Natürlich ist es kurios, sich zwei Spieltage vor Schluss bei einem Drei-Punkte-Vorsprung auf die Konkurrenz vom Sportchef und Cheftrainer zu trennen. Doch der Anlass für die Entwicklung waren nicht das 0:1 in Hannover und das 1:1 gegen Regensburg, sondern die gesamten Leistungen der letzten Monate. Der FC schleppt sich seit Monaten durch die Saison. Keller wollte, dass weiter geschleppt wird.

Dafür hatte der Sportchef am Samstagabend noch von den eigentlichen Problemen ablenken wollen. Seine Kritik an den Pfiffen der Fans und an den „Wir wollen euch kämpfen sehen“-Rufen ging dabei aber komplett an der Realität vorbei. Denn seine Worte richteten sich genau gegen jene, die den FC überhaupt auf Kurs gehalten hatten. Die Fans, die den Abstieg hingenommen hatten. Die Fans,, die eine biedere Achterbahn-Saison in der 2. Liga akzeptiert hatten, weil es zumindest wieder in Richtung Bundesliga ging. Die Fans, die zu 20.000 nach Berlin und zu 15.000 nach Hannover gereist waren.

Der Druck wurde zu groß

Ausgerechnet diesen Fans erteilte Keller am Samstag eine Lehrstunde in Sachen Unterstützung und Rückendeckung. Worte wie Ohrfeigen für die treuesten Anhänger, die seit Jahren einen sportlichen Verfall erleben mussten, gesäumt von hanebüchenen Entscheidungen aller Verantwortlicher. Die Fans hatten am Samstag jedes Recht, ihren Unmut auch in dieser Deutlichkeit zu äußern.

Umso mehr, da sie einmal mehr fürchten mussten, dass Vorstand und Geschäftsführung tatenlos zusehen würden, wie im sportlichen Bereich ungenügende Arbeit geleistet wird. Jahrelang hatte der Vorstand bei Keller beide Augen zugedrückt und das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt. Doch im Gegensatz zur letzten Saison, als der Vorstand Keller bei der Personalie Timo Schultz bis zum bitteren Ende blind vertraut hatte, zog man nun im allerletzten Moment die Notbremse. Wohl auch, weil der Druck von den Fans zu groß wurde.

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