Der 1. FC Köln hat mit der Trennung von Christian Keller eine alternativlose Entscheidung getroffen. Die andauernde Unterstützung des Sport-Geschäftsführer für Gerhard Struber offenbarte Kellers größtes Defizit während seiner Arbeit in Köln.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Wenn der Tabellenzweite der 2. Bundesliga zwei Spieltage vor Schluss trotz drei Punkten Vorsprung auf Rang drei seinen Sportchef und seinen Trainer entlässt, muss Gravierendes vorgefallen sein. Aber war dies zuletzt beim 1. FC Köln wirklich der Fall? Eigentlich nicht. Wenn man vom Offensichtlichen absieht.
Dieses Offensichtliche jedoch wollte Christian Keller ignorieren. Der entlassene Sportchef wollte nicht sehen, dass Gerhard Struber weite Teile der Mannschaft nicht mehr erreichte. Wollte nicht einsehen, dass der Österreicher den Spielern nicht die nötige Sicherheit geben konnte. Wollte mit Durchhalteparolen kitten, was seit Monaten deutliche Risse zeigte.
Viele Spieler schalteten irgendwann ab
Die Niederlage in Hannover und das Remis gegen Regenburg waren nicht entscheidend. Entscheidend war der monatelange Abwärtstrend des FC in der Rückrunde. Die schlechten Leistungen. Der fehlende Einfluss vom Trainerteam. Die zahlreichen Formtiefs der Spieler. Insbesondere Letzteres hätte Keller deutlich früher ein Warnsignal sein müssen.
Doch Keller stand bis zuletzt zu seinem Trainer. Auch weil der 46-Jährige seinen Chefcoach nach Kriterien ausgewählt hatte, die vor allem ihm selbst, Keller, wichtig waren, nicht aber der Mannschaft. Doch ein Trainer ist nicht für den Sportchef da, sondern für die Spieler. Struber konnte dem Analytiker und Systematiker Keller alles erklären, alles analysieren, alles systematisieren. Viele Spieler hingegen schalteten irgendwann ab.
Fußball ist vor allem eines: Psychologie
Keller dürfte geglaubt haben, mit seinem Veto zur Trainerentlassung durchzukommen. So, wie er beim Vorstand in den drei Jahren zuvor mit allem anderen durchgekommen war. Der Vorstand hatte ihm blind vertraut, ihn nur spärlich kontrolliert, Keller nur hin und wieder aus Alibi auf die Finger geklopft. Bis zum Sonntag. Bis der Vorstand plötzlich auf die Struber-Ablösung drängte.
Es war ein alternativloses Drängen, denn ein Weiter so hätte den Aufstieg akut gefährdet. Keller sah das anders. Das Problem aber ist: Im Fußball entscheidet sich vieles im Kopf der Spieler. Doch in diesen konnte sich der 46-Jährige zu selten hineinversetzen. Das war sein größtes Problem. Deshalb sah er die Probleme Strubers nicht. Deshalb lag er mit so vielen Entscheidungen in der Kaderplanung daneben. Und deshalb musste er am Montag gehen. Denn Fußball ist mehr als Strategie und Analyse. Fußball ist gerade in den entscheidenden Phasen einer Saison vor allem eines: Psychologie.








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