Welche Rolle die Spielidee bei der Trainersuche wirklich spielt

Der 1. FC Köln will seiner Spielidee grundsätzlich folgen. (Symbolbild: Bucco)
Der 1. FC Köln will seiner Spielidee grundsätzlich folgen. (Symbolbild: Bucco)

Der 1. FC Köln hat sich in den vergangenen Jahren eine einheitliche Spielidee gegeben. Doch bei der Trainersuche für die Bundesliga stößt dieses Konstrukt an seine Grenzen.

Es war die große Diskussion beim 1. FC Köln im Herbst 2024. Als Gerhard Struber nach zehn Spieltagen von einer Vierer- auf eine Dreierkette umstellte, kehrte zwar der Erfolg zum FC zurück. Doch der Österreicher verstieß damit eigentlich gegen die Spielidee der Geißböcke. Oder tat er das doch nicht?

Die Verantwortlichen waren bemüht, der Diskussion die Schärfe zu nehmen. Immerhin hatte Ex-Sportchef Christian Keller die Spielidee zusammen mit Matthias Borst (Koordinator Fußballausbildung) und dem heutigen Sportdirektor Thomas Kessler sowie mit zahlreichen Trainern aus dem Profi- und Nachwuchsbereich erarbeitet. Und dabei war eigentlich auch herausgekommen, dass eine Dreierkette nicht zur Spielidee passte.

Xabi Alonso wäre durchs Raster gefallen

Was nicht passte, wurde im Herbst 2024 aber passend gemacht. Struber durfte nicht nur die Dreierkette spielen, sondern auch diverse Prinzipien anpassen. Das Pressing wurde verändert, das Anlaufverhalten, der Spielaufbau. Weniger die Veränderung der Grundformation löste den Konflikt mit der Spielidee aus als das deutlich veränderte Auftreten und deutlich weniger aktive Fußballspiel. Dennoch: Der FC siegte wieder, alle waren zufrieden.

Doch wie geht es nun im Sommer 2025 weiter? Auffällig bei der Trainersuche in den vergangenen zwei Wochen: Zahlreiche der gehandelten Namen favorisieren eben jene Dreierkette in der Defensive – darunter Lukas Kwasniok, Christian Titz und Urs Fischer. Dass diese Trainer nicht aus dem Raster gefallen sind, zeigt: Der FC hat seine Leitlinien intern angepasst. Ein prominentes Beispiel zeigt, dass dies auch durchaus wertvoll gewesen sein könnte, denn andernfalls wäre auch ein gewisser Xabi Alonso durch das Kölner Raster gefallen. Der Spanier ließ bei Bayer Leverkusen nicht ganz erfolglos mit Dreierkette spielen.

Unterschied zwischen Nachwuchs und Profis

Beim FC hält in Sachen Spielidee und Trainersuche also ein gewisser Pragmatismus Einzug. Die Grundformation soll nach GEISSBLOG-Informationen zumindest bei den Profis kein Kriterium in der Spielidee mehr sein. Im Nachwuchs gelten dagegen alle Prinzipien der Spielidee weiterhin als gesetzt, inklusive eines 4-3-3 als Basis. Der Hintergedanke: Die Talente werden durch einen einheitlichen Ansatz durch die U-Mannschaften geführt und wissen von Jahrgang zu Jahrgang, was von ihnen erwartet wird.

Im Profibereich dann soll alles flexibler gehandhabt werden. Was bleiben soll: das aktive Spiel mit dem Ball, ein strukturiertes Spiel nach vorne ohne viele lange Bälle sowie ein aggressives Pressing und Gegenpressing verbunden mit einer hohen Laufintensität. Auch deshalb dürfte wohl die Wahl auf den Trainer-Favoriten Kwasniok gefallen sein (der GEISSBLOG berichtete). Ob jedoch die Defensive mit drei oder vier zentralen Spielern agiert, nur eine Sechs oder eine Doppelsechs aufgeboten wird oder der Angriff mit einem oder zwei Stürmern besetzt wird, soll keine Rolle mehr spielen.

In-Game-Coaching als Kriterium

Darüber hinaus wurde beim FC für den nächsten Trainer ein weiteres Kriterium definiert: das In-Game-Coaching, also die Qualität während eines Spiels auf die Mannschaft einzuwirken und nötige Veränderungen schnell zu erkennen und umzusetzen. Eine Schwäche, die schon früh bei Struber ausgemacht worden war. Der nächste FC-Trainer soll während der Partien wieder mehr Einfluss von außen nehmen – und auch das gilt als eine von Kwasnioks Stärken.

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