Adenauer: „Wir wollen Leverkusen und Gladbach wieder auf Augenhöhe treffen“

Thorsten Kiesewetter, Sven-Georg Adenauer und Martin Hollweck. (Foto: Jordi Mergen/www.fcwahl25.de)
Thorsten Kiesewetter, Sven-Georg Adenauer und Martin Hollweck. (Foto: Jordi Mergen/www.fcwahl25.de)

Sven-Georg Adenauer möchte der nächste Präsident des 1. FC Köln werden. Der Politiker und Enkel von Konrad Adenauer sprach mit dem GEISSBLOG über seine Kandidatur.

Das Interview führte Marc L. Merten

GEISSBLOG: Herr Adenauer, Sie sind mit Ihrem Team ins Rennen um den Vorstand beim 1. FC Köln eingestiegen. Wie kam es dazu?

SVEN-GEORG ADENAUER: Ich habe mich zunächst als Einzelperson für den Vorstandsposten beim 1. FC Köln beim Mitgliederrat beworben und eine Absage erhalten. Da war das Thema eigentlich für mich durch. Danach haben mich Martin Hollweck und Thorsten Kiesewetter angesprochen. Wir haben uns erst mehrfach zu dritt und Anfang Mai mit einem Unterstützerteam getroffen zu dem rund 25 Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gehören. Das Treffen war sehr inspirierend, weil alle für den 1. FC Köln brennen und etwas verändern wollen. Das hat mich motiviert, meinen Hut wieder in den Ring zu werfen.

Was verbindet Sie denn mit dem FC, dass Sie sich das zu trauen?

Ich bin FC-Fan, seit ich als Jugendlicher das erste Mal im Stadion war. Das waren Zeiten, als der FC noch gut dastand. Aber meine Liebe zum FC hat mich durchhalten lassen und jetzt habe ich mir gedacht: Es muss mit der Meckerei Schluss sein. Ich will selbst aktiv werden. Wir wollen, dass unser FC langfristig sportlich und finanziell gut aufgestellt ist. Der 1. FC Köln soll ein Aushängeschild der Stadt Köln sein. Wir wollen den Verein mit den Mitgliedern, den Mitarbeitenden und den Sponsoren zu einem renommierten und erfolgreichen Bundesligisten weiterentwickeln. Im Gegensatz zu meinen zahlreichen Vorgängern erstmals in Vollzeit, da ich mein Landratsmandat nach 26 Jahren Ende Oktober niederlege und dann nur noch für den Verein da sein will.

Absage vom Mitgliederrat „unzureichend begründet“

Wie liefen die Gespräche mit dem Mitgliederrat?

Ich hatte ein Erstgespräch mit Fabian Schwab. Danach gab es ein Treffen mit drei Mitgliedern aus dem Mitgliederrat, und schließlich habe ich mit dem gesamten Gremium geredet. Das war ein faires Verfahren. Ich habe mich mit meinem Konzept vorgestellt und war natürlich enttäuscht, dass es nicht geklappt hat. Die Absage kam dann im Zeitpunkt ziemlich überraschend und auch nur unzureichend begründet.

Dann kamen Ihre heutigen Mitstreiter auf Sie zu. Mit was haben Martin Hollweck und Thorsten Kiesewetter Sie überzeugt?

Wir ergänzen uns ideal. Martin Hollweck ist ein Mann aus dem Volk mit tollen Verbindungen in die Fan-Szene. Ein ehrlicher, aufrichtiger Handwerker, der anpackt und macht. Er spricht die Sprache der Fans. Thorsten Kiesewetter ist für mich der Herr der Zahlen. Er wird die Geschäftsführung herausfordern und dafür sorgen, dass ein solides, aber auch ambitioniertes Finanzkonzept aufgestellt wird. Und ich bin ein erfahrener Politiker mit über 26 Jahren Führungserfahrung in einer Behörde, in der rund 2.400 Menschen arbeiten. Diese Eigenschaft ist hilfreich bei der Vernetzung mit der Stadt und bei der Führung der Mitarbeitenden im Verein.

Sie haben kürzlich in einer Pressemitteilung Ihre drei wichtigsten Themen im Wahlkampf benannt. An erster Stelle stand der Ausbau des RheinEnergieStadions. Dahinter kamen das Geißbockheim und der Kontakt zu den Mitgliedern. Warum diese drei Themen?

Wir haben unsere Initiative am 20. Mai öffentlich gemacht und über unsere Homepage uns, unser Team und unser Konzept vorgestellt. Zahllose Kontaktanfragen haben uns in den Dialog mit den FC-Fans gebracht. Das Stadion ist bei jedem Spiel ausverkauft. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass mehr Menschen den FC live erleben können. Beim Geißbockheim hat der FC einen Wettbewerbsnachteil. Auch da haben wir Lösungsansätze. Zudem ist uns Mitgliederkontakt wichtig und dazu gehört auch eine hybride Mitgliederversammlung. Es kann nicht sein, dass nur rund ein Prozent der Mitglieder über die Zukunft des Vereins entscheiden. Der weitaus größte Teil der mehr als 150.000 Mitglieder kommt nicht aus Köln. Wir werden die Mitglieder-Stammtische ausweiten und regelmäßige Sprechstunden einrichten.

Adenauer hat Köln immer gutgetan

Sven-Georg Adenauer

Sie sagen, es müsse eine moderate Erhöhung der Stadionkapazität geben. Als erfahrener Politiker wissen Sie aber auch, dass das am Standort Köln-Müngersdorf politisch kaum möglich – oder wenn überhaupt – ein jahrzehntelanger Kampf werden könnte.

Ich glaube, dass die Kommunikation zwischen FC und Stadt lange Zeit nicht optimal gelaufen ist. Die Stadt hat sich nicht positiv entwickelt. Sie ist schmutziger und unsicherer geworden. In meinem Landkreis Gütersloh haben wir eine für die Region dringend benötigte Autobahn gebaut, die auch durch ein Landschaftsschutzgebiet führt. Das funktioniert, wenn alle den Willen haben, eine Lösung zu finden. Warum sollte das nicht beim Stadionausbau gelingen? Mein Großvater hat in den 1920er Jahren den Grundstein für das Müngersdorfer Stadion gelegt.

Sie haben Ihre Familie angesprochen. Adenauer ist ein klangvoller Name. Glauben Sie, nur mit Ihrem Namen in der Stadt schon etwas bewegen zu können?

Adenauer hat Köln immer gutgetan. Aber ich gehöre nicht zu denjenigen, die die Karte Adenauer ziehen. Ich bin nicht mein Großvater. Der Name mag einige Türen öffnen, durchgehen und etwas erreichen muss ich dann aber selbst. Ich will eigenständig zeigen, dass man etwas bewegen kann, wenn man es sich fest vornimmt.

Wenn Sie durch eine Tür gehen und einen Raum betreten: Was sind Sie für ein Mensch?

Ich bin ein humorvoller Mensch, aber ich bin kein überschäumender Rheinländer. Meine Mutter ist Schwedin und ich habe auch etwas Nordisches in mir. Zudem war ich über 25 Jahre in Ostwestfalen. Ich kann gut mit Menschen, kann mich aber auch durchsetzen, bin stressresistent und gehe so lange vom guten Willen des Menschen aus, bis schlechter Wille klar erkennbar ist.

Team Adenauer hat die Hälfte der Unterschriften gesammelt

Wofür wollen Sie als Team stehen – im Wahlkampf, aber auch für den Fall, dass Sie gewählt werden sollten?

Wir kommen aus der Region, sind ein Team aus der Basis für die Basis, wollen nah an den Fans und Mitgliedern dran sein. Wir werden uns regelmäßig mit den Mitgliedern austauschen. Zudem wollen wir die erfolgreiche Jugendarbeit noch stärker in den Vordergrund stellen und uns anschauen, warum in den letzten Jahren so viele Talente gegangen sind. Die Durchlässigkeit von der Jugend bis in die Profimannschaft ist ein Muss für den 1. FC Köln.

Sie müssen 4.600 Stimmen sammeln, um zur Wahl zugelassen zu werden. Wie läuft der Prozess?

Wir haben mittlerweile mehr als die Hälfte der notwendigen Unterschriften erhalten. Wir sind in permanentem Dialog mit den Mitgliedern. Fanclub-Besuche, Kneipentouren, Medienarbeit, Social Media: Das ist intensiv, macht aber auch jede Menge Spaß. Wir spüren den Wunsch der Basis nach einer Alternative zum Vorschlag des Mitgliederrats.

Im Mittelpunkt des FC steht der Sport. Sie haben sich mit Roland Koch einen Experten ins Team geholt. Würde er dann, wie bislang Erich Rutemöller und Frank Schaefer, Teil eines beratenden Sportkompetenzteams sein?

Roland Koch und andere Mitglieder aus unserem Kompetenzteam haben eine unglaublich große sportliche und wirtschaftliche Expertise. Wir wollen alle in einem ersten Schritt an einen gemeinsamen Tisch bringen und voneinander lernen. Wir werden nicht direkt mit der Sense durch das Personal gehen, sondern werden uns in Ruhe anschauen, welche Veränderungen wirklich sinnvoll sind. Ein reines ‚Weiter-So‘ wird es mit uns nicht geben.

„Clevere Konzepte“ statt Investoren

Welche Ziele setzen Sie sich sportlich?

Wir wollen uns dauerhaft in der 1. Bundesliga etablieren, den Fans den Traum vom internationalen Geschäft erarbeiten und mit unseren sportlichen Rivalen aus Leverkusen und Gladbach wieder auf Augenhöhe treffen. Wir brauchen sportliches Selbstbewusstsein und ambitionierte Ziele, die über den reinen Klassenerhalt hinausgehen.

Dafür aber bräuchte man, wenn man auf die Teams schaut, die Sie nennen, auch einen finanziellen Schub. Der FC kommt aus der 2. Liga. Wie würden Sie das nötige Geld beschaffen, um die Lücke nach oben zu schließen?

Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um die Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Wir wollen clevere Konzepte entwickeln. Die Jugend ist hervorragend ausgebildet. Es muss möglich sein, noch mehr Spielern aus diesen Mannschaften früher eine Chance zu geben. Ferner sind wir davon überzeugt, dass es über nationale und internationale Kooperationen interessante Leihspieler-Modelle gibt.

Sie würden aber weiter zu 50+1 stehen und keine Investoren beim FC wollen?

Wir werden unserem Verein und seinen Werten treu bleiben. Wir lehnen die Einbindung von Finanzinvestoren gegen Anteile am Verein ab und bekennen uns klar zur 50+1-Regel. Wir wollen neue Investitionsmöglichkeiten schaffen, die auf dem Herzen des Vereins basieren und das sind die Fans und Mitglieder. Unsere Stärke ist die Gemeinschaft und der FC bleibt unser FC.

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