Steht der 1. FC Köln vor seiner größten Reform seit 2012? Das vom Mitgliederrat nominierte Vorstandsteam plant eine umfassende Satzungs- und Strukturänderung, die im Kern zu weniger Gremien und klareren Verantwortungen führen soll.
Als der 1. FC Köln sich im Jahr 2012 eine neue Satzung gab, war von einer Revolution die Rede. Der FC erlebte einen Demokratie-Schub, die Mitglieder wurden gestärkt, die Verantwortungsträger künftig schärfer überwacht. Zumindest in der Theorie. Doch seitdem hat der Club immer wieder feststellen müssen, dass die Satzung zwar gut gemeint, in vielen Facetten aber nicht gut gemacht war.
2019 trat der Vorstand mit Werner Wolf, Eckhard Sauren und Jürgen Sieger mit dem Versprechen an, die Satzung überarbeiten zu wollen. Insbesondere Sieger als inhaltlicher Kopf des Vorstands wollte dieses Projekt vorantreiben. Doch nach 100 Tagen überwarf sich Sieger mit Wolf und Sauren und schied aus. Es folgte Carsten Wettich. Doch auch mit dem Rechtsanwalt im Vorstand blieben Satzungsreformen aus.
Aufgeblähter FC soll schrumpfen
Sechs Jahre später unterscheidet sich die Satzung noch immer kaum von damals. Wolf, Sauren und Wettich wagten sich nicht an die Strukturen des FC, obwohl diese längst überholt sind. Der im Herbst 2024 gewählt Mitgliederrat hat mit der Auswahl des Vorstandsteams mit Jörn Stobbe, Jörg Alvermann und Ulf Sobek nun ein Zeichen gesetzt, diese Reform auf den Weg bringen zu wollen.
Insbesondere Jurist Alvermann spielt in diesem Vorhaben eine große Rolle. Das Ziel: die Mitgliederrechte weiter stärken, die Gremienstruktur und Entscheidungswege aber zu verschlanken und zu vereinfachen. Der aufgeblähte Gremien-Kopf des FC soll wieder auf ein normales Maß schrumpfen. Alles soll für die Mitglieder, aber auch die Verantwortlichen nachvollziehbarer und klarer werden.
Das ist keine Kritik an der Historie, aber die Struktur passt nicht mehr zum FC
Dr. Jörg Alvermann
„Ich bin Sportrechler und im Vereins- und gemeinnützigen Recht zuhause“, sagte Alvermann am Mittwoch bei der Vorstellung des Vorstandsteams. „Die Satzungsreform ist eines der Themen, für die ich angetreten bin. Ich bin der festen Überzeugung, dass der FC eine Satzungs- und Strukturreform braucht. Die Satzung hat eine Geschichte, und die Struktur des 1. FC Köln als GmbH & Co. KGaA hat eine Geschichte. Das ist keine Kritik an der Historie, aber die Struktur passt nicht mehr zum FC.“
Was Alvermann meint: Als der FC im Jahr 2002 seine Profiabteilung ausgliederte, erfolgte dies in eine sogenannte GmbH & Co. KGaA, also eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Form einer Kommanditgesellschaft auf Aktien. Der Verein hält bis heute 100 Prozent der Anteile, doch die Auslagerung geschah mit dem Hintergedanken, künftig Teile dieser Anteile im Rahmen von 50+1 an Investoren verkaufen zu können. Bekanntlich müsste dieser Verkauf der Anteile aber inzwischen bereits ab dem ersten Prozent von der Mitgliederversammlung genehmigt werden.
Vorstandsteam will Verschlankung der Gremien
Ein Anteileverkauf beim FC gilt also auf unbestimmte Zeit als kaum vorstellbar. Daher wollen Stobbe, Alvermann und Sobek an die Gesamtstruktur des FC. Die Profiabteilung soll entweder in eine einfache GmbH umgewandelt werden oder gar in eine e.V.-Struktur zurückgedreht werden. Damit wäre der FC in Deutschland ein Vorreiter. Bislang hat kein Club eine Auslagerung der Profiabteilung wieder rückgängig gemacht.
Damit einher gehen würde aber auch eine Verschlankung der Gremienstruktur. „Die Gremienvielfalt beim FC ist unübersichtlich geworden“, sagte Alvermann. „Wir haben eine Mitgliederversammlung, einen Mitgliederrat, einen Aufsichtsrat, einen Beirat, einen Gemeinsamen Ausschuss, einen Gesellschafterausschuss. Wir haben eine Geschäftsführung, dann haben wir noch sportliche Leitung und Mitarbeiter. Das ist für den normalen Fan, für das normale Mitglied schlichtweg nicht mehr transparent.“
Diese drei Gremien sind betroffen
Das Vorstandsteam will im Fall einer Wahl diese Transparenz schaffen und eine große Reform auf den Weg bringen – mit dem Juristen Alvermann als Initiator. „Ich habe für hunderte Vereine die Satzung überarbeitet. Da gilt: Wenn man einmal ein Leck hat, frickelt man nicht rum. Wenn man es macht, dann macht man es richtig. Daher sollten wir noch einmal ganz neu denken und die Struktur überprüfen. Das bedeutet auch, dass wir jedes Gremium auf den Prüfstand stellen und die Kompetenzen neu diskutieren müssen.“
Dabei hat Alvermann insbesondere fast alle Gremien im Blick. Erstens würde der Aufsichtsrat im Fall einer Rückführung in eine einfache GmbH oder in den e.V. automatisch wegfallen. Zweitens soll der Mitgliederrat in den Aufsichtsrat des e.V. umbenannt und in seinen Kompetenzen gestärkt werden. Und schließlich soll die Sinnhaftigkeit des Gemeinsamen Ausschusses überprüft werden.
Wenn ich sehe, in welchen Gremien man als Vorstand sitzt, frage ich mich, welchen Hut man eigentlich auf hat
Dr. Jörg alvermann
„Reduzieren, ja, vor allem mehr Klarheit“, sagte Alvermann zum Ziel. „Der Mitgliederrat ist das Aufsichtsgremium des Vorstands. Der Begriff ‚Mitgliederrat‘ ist in meinen Augen aber irreführend, weil er dem Mitglied den Eindruck vermittelt, dass der Mitgliederrat dafür zuständig ist, wenn der Trikotflock nicht gut ist oder man Ticketfragen hat.“ Das sei aber nicht die Aufgabe des Mitgliederrates, der als Kontrollorgan des Vorstands zu fungieren habe.
Das zweite Beispiel ist die Funktion des Gemeinsamen Ausschusses. „Die ist mir als Jurist rechtlich klar, aber dass wir ein Zwischengremium haben, meine ich, dass diesem Verein ein effektiveres, Mitglieder-geführtes Aufsichtsgremium gerechter werden würde“, führte Alvermann aus. Das grundsätzliche Ziel sei es, die vielen Menschen, die sich beim FC engagieren würden, bestmöglich in Position zu bringen. „Momentan haben wir viele Personen, die ganz viel Zeit investieren, aber in unterschiedlichen Gremien sitzen. Als Vorstand sollte man das Glück haben, als Vorstand gewählt zu werden. Aber wenn ich sehe, in welchen Gremien man dann auch noch sitzt, frage ich mich, welchen Hut man eigentlich auf hat.“
Mitgliederrat steht Reform offen gegenüber
Das Vorstandsteam will im Fall der Wahl die FC-Struktur daher „deutlich einfacher und schlanker machen“. Das wiederum begrüßt der Mitgliederrat ausdrücklich, betonte deren Vorsitzender. „Es gab in den letzten Jahren nicht den richtigen, gemeinschaftlichen Anpack für das Thema. Deshalb begrüßen wir das und stehen dem Thema sehr offen gegenüber“, sagte Schwab. Aus dem Mitgliederrat hieß es in dieser Woche, dass die Wahl auf Stobbe, Alvermann und Sobek auch deshalb gefallen sei, weil gerade diese Reform gemeinsam auf den Weg gebracht werden soll.







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