Sportchef im Interview: Kessler will „Qualität in der Sturmspitze noch einmal erhöhen“

Thomas Kessler im Trainingslager in Bad Waltersdorf. (Foto: GEISSBLOG)
Thomas Kessler im Trainingslager in Bad Waltersdorf. (Foto: GEISSBLOG)

Thomas Kessler plant seine erste Bundesliga-Saison als sportlich Verantwortlicher des 1. FC Köln. Im ersten Teil des großen GEISSBLOG-Interviews spricht der Sportdirektor über die Verlängerung mit den El Mala-Brüdern, den aktuellen Kader sowie die weiteren Transfer-Pläne.

Das Interview im Trainingslager in Bad Waltersdorf führten Sonja Gauer und Marc L. Merten

GEISSBLOG: Herr Kessler, kurz vor dem Aufbruch ins Trainingslager hat der 1. FC Köln die Vertragsverlängerung mit Said und Malek El Mala bekannt gegeben. Wie ist es dazu gekommen?

THOMAS KESSLER: „Die Entwicklung der beiden im letzten Jahr hat uns als Club sehr gut gefallen. Besonders nach Saids starkem Jahr in der 3. Liga bei Victoria Köln und seinen guten Leistungen bei der U19-Europameisterschaft gab es viel Aufmerksamkeit auf ihn. Daher wollten wir ein klares Zeichen setzen und mit absoluter Überzeugung gemeinsam in die kommenden Jahre gehen. Dies wurde respektvoll und aus voller Überzeugung mit allen Beteiligten besprochen. Dennoch ist es wichtig, die Erwartungen jetzt nicht zu hochzuhängen. Es gilt nun, gemeinsam daran zu arbeiten, in der Bundesliga anzukommen.“

Dennoch hat gerade Said El Mala national wie international bereits auf sich aufmerksam machen können. Dem Vernehmen nach soll es aus der Premier League ein Angebot in zweistelliger Millionen-Höhe für ihn gegeben haben. 

„Wir müssen damit leben, dass gerade junge und hoch talentierte Spieler schnell ins Visier von Top-Clubs geraten können. In meinen Augen ist es jedoch der richtige Weg, einen Schritt nach dem anderen zu machen und nun in der Bundesliga anzukommen. Daher war für uns klar, dass wir ein deutliches Zeichen setzen und den Vertrag mit voller Überzeugung verlängert haben.“

FC setzte sich bei El Mala gegen Konkurrenz durch

Haben Sie das Gefühl, dass er die große Aufmerksamkeit um seine Person gut einordnen kann? 

„Ich glaube schon, dass es für die gesamte Familie in den letzten Wochen viel war. Es sind nicht nur Clubs, die bei ihnen vor der Tür stehen, sondern auch einige Berater. Als Verein stehen wir Said natürlich als starker Partner zur Seite und werden ihn bestmöglich begleiten. In den Gesprächen mit seiner Familie und seiner Agentur habe ich gespürt, dass er eine sehr bodenständige und wichtige Unterstützung erhält, um mit der Aufmerksamkeit gut umzugehen.“

War es im vergangenen Sommer ein harter Konkurrenzkampf, die beiden Brüder vom FC zu überzeugen?

„Wir waren sicher nicht der einzige Verein, der auf beide Jungs aufmerksam geworden ist. Für uns war es wichtig, sehr offene und transparente Gespräche zu führen. Und wir waren sehr froh, dass wir die ganze Familie davon überzeugen konnten, dass der 1. FC Köln der richtige Verein für beide ist, um sich bestmöglich weiterzuentwickeln. Mit Sicherheit war auch die gute Beziehung zu Viktoria Köln kein Nachteil.“

Wie sind die Überlegungen bei Malek? Plant der FC bei ihm möglicherweise noch einmal eine Leihe? 

„Malek hatte in der vergangenen Saison leider mit einigen gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen. In unseren Augen ist es jetzt wichtig, dass er regelmäßig Spielpraxis bekommt, um sowohl seinen Rhythmus als auch ein gutes Fitnesslevel zu erreichen. Ich bin mir sicher, dass er bereits in der dritten Liga eine gute Rolle spielen könnte. Dennoch ist es uns wichtig, jetzt gemeinsam an den nächsten Schritten zu arbeiten. Wir werden ihn in den kommenden Wochen und Monaten bestmöglich begleiten und beobachten, wie sich die Situation entwickelt.“

Von unserer Seite aus gibt es keinen Druck.

Thomas Kessler über Said el mala

Glauben Sie, dass Said in der Bundesliga direkt durchstarten kann? 

„Es ist wichtig, die Erwartungen realistisch einzuordnen. Said bringt alle Qualitäten mit, um sich in der Bundesliga durchzusetzen. Allerdings gehören in der Entwicklung eines jungen Profisportlers auch Rückschläge dazu. Wir werden ihn bestmöglich unterstützen, damit er sich kontinuierlich weiterentwickeln kann. Von unserer Seite aus gibt es keinen Druck, im Gegenteil – wir freuen uns sehr auf die kommende Saison mit ihm.“

Überangebot auf dem linken Flügel?

Mit Linton Maina, Jakub Kaminski und Florian Kainz ist der linke offensive Flügel bereits stark besetzt. Wie planen Sie auf dieser Position?

„Wir haben die Qualität im Kader bewusst erhöht. Aufgrund der Transfersperre konnten wir in den letzten Perioden den Kader im Sommer nicht signifikant verändern. Daher ist es völlig normal, dass es jetzt zu Anpassungen kommt. Letztlich muss sich jeder im Kader dem Konkurrenzkampf stellen und versuchen, sich durchzusetzen. Ich bin der Meinung, dass wir sowohl in der Spitze als auch in der Breite in dieser Positionsgruppe besser aufgestellt sind als in den letzten Jahren.“

Anders sieht es auf der rechten Seite aus. Da steht aktuell nur Jan Thielmann zur Verfügung.

„Ich würde beide Seiten als eine Positionsgruppe ansehen. Natürlich gibt es Unterschiede bei den Spielern auf der linken und rechten Seite, aber wir haben Spieler, die ihre Qualitäten auf beiden Flügeln nutzen können. Ich bin überzeugt, dass der Trainer in der Lage ist, diese Qualitäten bestmöglich für die Mannschaft zu nutzen.“

Sie haben Jakub Kaminski genauso wie Tom Krauß ausgeliehen. Gibt es für den Club bei beiden die Option auf einen längerfristigen Verbleib? 

„Es ist richtig, dass im Transfervertrag von Tom Krauß festgelegt ist, dass er unter bestimmten Bedingungen dauerhaft verpflichtet wird. Dies ist nichts Ungewöhnliches in der Bundesliga. Bei Jakub haben wir nach der Saison die Möglichkeit, dies nach eigenem Ermessen zu entscheiden.“

Das sagt Kessler zur Kwasniok-Kritik

Nach dem Testspiel gegen Fortuna Köln zeigte sich Trainer Lukas Kwasniok nicht vollends von der Bundesliga-Tauglichkeit einiger Spieler überzeugt. Wie sieht der Sportchef das? 

„Lukas hat hier vor allem auf unser Ambitionslevel hingewiesen. Es waren zwei Testspiele gegen unterklassige Gegner, die man weder in die eine noch in die andere Richtung überbewerten sollte. Trotzdem gefällt mir die klare und authentische Art des Trainers sehr. Die Spieler wissen bei ihm genau, was von ihnen erwartet wird. Dies hat er auch nochmal deutlich in einer Sitzung während des Trainingslagers hervorgehoben.“

Ist das einer der Gründe, warum Neo Telle nicht mit im Trainingslager dabei ist? 

„Den favorisierten Weg haben wir mit Neo und seinem Berater besprochen. Neo hat die Qualität, in Mannschaften unterhalb der Bundesliga sofort einen positiven Impact zu leisten. Daher hoffen wir, bald eine Lösung zu finden, die für alle Seiten am besten ist.“

Mit der Verpflichtung von Sebastian Sebulonsen haben Sie die Kader-Lücke auf der rechten Abwehrseite schließen können. Auf der linken Seite herrscht weiterhin eine Vakanz. Wo sehen Sie darüber hinaus noch Bedarf im Kader? 

„Wir haben aktuell nur einen Linksverteidiger und nur einen Linksfuß in der Innenverteidigung. Das sind zwei Positionen, für die wir den Markt sondieren. Natürlich ist es unser Ziel, da schnellstmöglich eine Lösung finden.“ 

Neuzugänge noch im Trainingslager?

Für die linke Seite wird Kristoffer Lund als möglicher Kandidat genannt. Ist er der Top-Kandidat? 

„Die Frage ist natürlich nachvollziehbar. Ich muss auch damit leben, dass in der Sommerpause der Transfer-Journalismus in den letzten Jahren verstärkt an Bedeutung gewonnen hat. Dennoch werde ich mich nicht an Spekulationen über Spieler anderer Clubs beteiligen.“

Könnte im Trainingslager noch ein neuer Spieler dazustoßen? 

„Aktuell gehe ich nicht davon aus, dass wir im Trainingslager noch einen weiteren Spieler begrüßen werden. Allerdings kann es im Fußball auch mal schnell gehen. Lassen wir uns überraschen, was die nächsten Tage noch möglich ist.“

Suchen Sie nach dem Abgang von Damion Downs noch nach einem weiteren Stürmer? 

„Wir schauen uns natürlich den Markt an. Aktuell haben die Spieler hier vor Ort die Chance, sich bestmöglich zu präsentieren. Youssoupha Niang konnte in seinem jungen Alter in den letzten Wochen eine erste Duftmarke setzen. Sowohl im Training als auch in den Testspielen hat er gut gefallen. Allerdings benötigt er noch Zeit, um nachhaltig in der Bundesliga anzukommen. Auch Imad Rondic hat die Gelegenheit, sich hier dem Trainerteam von seiner besten Seite zu zeigen. Wir beobachten die Situation genau, sowohl im Training als auch in den Testspielen. Es kann durchaus sein, dass wir die Qualität und den Konkurrenzkampf in der Sturmspitze noch einmal erhöhen werden.“

Etienne Borie ist der zweite Feldspieler aus dem Nachwuchs, der sich im Trainingslager zeigen darf. 

„Etienne Borie ist ein sehr talentierter Spieler, der in den Testspielen gute Ansätze gezeigt hat. In der letzten Saison hatte er jedoch mit körperlichen Problemen zu kämpfen, die ihn zwischenzeitlichs gebremst haben. Der nächste Schritt für ihn ist die Anpassung an den Profifußball. Er bringt alles mit, um in der Bundesliga anzukommen und wir werden ihn auf diesem Weg eng begleiten, um seine Entwicklung weiter voranzutreiben.“

Kein neuer Stand bei Martel und Thielmann

Mit Blick auf die im Sommer 2026 endenden Verträge: Wie sieht die Zukunft bei Eric Martel und Jan Thielmann aus? 

„Beide haben einen auslaufenden Vertrag, wir würden gerne mit beiden verlängern und wir sind diesbezüglich im Austausch. Zu beiden gibt es aktuell aber keinen neuen Stand, den ich präsentieren kann.“ 

Unabhängig der Personalie Eric Martel: Wollen Sie noch einen weiteren Sechser dazuholen? 

„Sollten uns hier keine Spieler mehr verlassen, bin ich mit der Konstellation zufrieden.“

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Im zweiten Teil des großen GEISSBLOG-Interviews spricht Sportdirektor Thomas Kessler über mögliche Abgänge, seine neue Rolle und die Vorstandswahl im September. Der zweite Teil erscheint am Mittwochnachmittag.

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