Weitere Abgänge? „Der ein oder andere Spieler hat Begehrlichkeiten geweckt“

Thomas Kessler spricht im großen GEISSBLOG-Interview. (Foto: GEISSBLOG)
Thomas Kessler spricht im großen GEISSBLOG-Interview. (Foto: GEISSBLOG)

Welche Spieler könnten den 1. FC Köln in diesem Sommer noch verlassen? Im zweiten Teil des großen GEISSBLOG-Interviews spricht Sportdirektor Thomas Kessler über das neue Vorgehen des FC auf dem Transfermarkt, seine eigene Rolle sowie die Vorstandswahl im September.

Das Interview im Trainingslager in Bad Waltersdorf führten Sonja Gauer und Marc L. Merten

GEISSBLOG: Herr Kessler, nicht nur bei Eric Martel und Jan Thielmann laufen die Verträge im Sommer 2026 aus. Zuletzt gab es das Gerücht, dass Ex-Trainer Gerhard Struber gerne Leart Pacarada zu Bristol City holen würde. Gab es für ihn eine solche Anfrage und wie planen Sie mit ihm?

„Mich hat nie eine offizielle Anfrage für Leart erreicht. Daher gehe ich davon aus, dass er auch in der kommenden Spielzeit Teil unserer Mannschaft sein wird.“

Zwei Spieler, die nicht mit ins Trainingslager fahren durften, sind Sargis Adamyan und Florian Dietz. Was ist mit den beiden besprochen?

„Ich habe mit beiden Spielern frühzeitig und transparent über ihre Perspektive in dieser Saison gesprochen. Beide wissen, dass wir ihnen keine Steine in den Weg legen, sollten sie einen neuen Club finden. In den letzten Tagen haben bereits Gespräche zu diesem Thema stattgefunden. Jetzt warten wir ab, wie sich die Situation in den nächsten Wochen entwickeln wird.“

Gibt es neben den beiden noch weitere Spieler, die ein solches Zeichen von Ihnen bekommen haben? 

„Erst einmal betrifft es nur die beiden. Wir schauen uns die Vorbereitung jetzt genau an und werden die Situation in den kommenden Wochen noch einmal neu bewerten. Auch dann werden wir sehr offen und transparent Perspektiven aufzeigen und besprechen.“

Das sagt Kessler zum Huseinbasic-Gerücht

Auch Steffen Tigges und Jacob Christensen scheinen nur wenig Aussichten auf Einsatzzeiten zu haben.

„Wie bereits erwähnt schauen wir uns die Vorbereitung genau an und werden zu gegebenem Zeitpunkt eine Bewertung vornehmen. Steffen kommt aktuell auf einer ungewohnten Position zum Einsatz, und wir werden sehen wie sich seine Vorbereitung entwickelt. Jacob kommt aus einer schwierigen Verletzung und konnte erst gegen Ende der letzten Saison wieder trainieren. Wir werden beobachten, wie er auf die Belastung der Vorbereitung reagiert. Es war bisher eine durchwachsene Zeit für ihn beim FC, in der er oft durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. Er hat jetzt die Chance, sich zu zeigen.“  

Ein Gerücht gab es zuletzt aus Portugal, nach dem der SC Braga an Denis Huseinbasic interessiert sein soll. Beim FC hat er im zentralen Mittelfeld jetzt noch einmal neue Konkurrenz bekommen. Wie sehen Sie seine Situation aktuell? 

„Auch hier hat mich nie eine offizielle Anfrage erreicht. Denis hatte in der vergangenen Saison eine durchwachsene Phase, aber er hat den Anspruch, in der Bundesliga zu spielen und muss dies im Training sowie in den Testspielen unter Beweis stellen. Die Konkurrenz auf dieser Position ist hoch, aber ich bin überzeugt, dass wir jeden unserer zentralen Mittelfeldspieler in der kommenden Saison benötigen werden, um unsere Saisonziele zu erreichen. Jeder hat die Chance, sich über Leistung seinen Platz zu erarbeiten.“

Die Verkäufe von Max Finkgräfe und Damion Downs haben gezeigt, dass der FC Reisende im Zweifel aber auch nicht mehr aufhalten möchte.

„Man kann nicht jede einzelne Personalie miteinander vergleichen. Am Ende geht es in meinen Augen immer um die beste Lösung für den 1. FC Köln. Denis steht noch zwei Jahre unter Vertrag, und es gibt keinen Grund über einen Verkauf nachzudenken. Letztlich liegt es an ihm, sich auf dem Platz zu beweisen.“

Spieler haben deutliches Signal gegeben

Der FC ist, anders als in der Vergangenheit, aber auch bereit, die Spieler zu Geld zu machen und nicht nur auf die Fußball-Romantik zu setzen. 

„Das kommt immer auf die Konstellation an. Wir hatten jetzt zwei Spieler, die einen auslaufenden Vertrag hatten, mit denen wir gerne verlängert hätten. Die beiden haben uns aber ein deutliches Zeichen gegeben, nicht verlängern und sich stattdessen verändern zu wollen. Wenn man dann finanziell mit anderen Clubs zu dem Ergebnis kommt, dass sich das für den 1. FC Köln lohnt, sind wir auch bereit, Spieler zu transferieren. Die zwei Entscheidungen, die wir getroffen haben, sind gut für den Club.“ 

Haben Sie das Gefühl, dass der FC durch die Abgänge von Jonas Urbig nach München und Damion Downs nach England inzwischen anders auf dem Transfermarkt wahrgenommen wird? 

„Das ist für mich schwer zu beurteilen. Ich habe gemerkt, dass der ein oder andere Spieler von uns Begehrlichkeiten geweckt hat. Wir haben sicher interessante Spieler bei uns im Kader.“ 

Lukas Kwasniok hat angesprochen, dass sich die Hierarchie in der Mannschaft verändern soll.

„Die Veränderung der Hierarchie einer Mannschaft ist ein natürlicher Prozess, der im Verlauf einer Vorbereitung entsteht, besonders wenn sich der Kader verändert. In den letzten Jahren konnte dieser Prozess aufgrund der Transfersperre nicht in dem Maße voranschreiten, wie es sonst der Fall gewesen wäre.“

So sieht Kessler seine neue Rolle

Nach einigen Wochen im neuen Amt: Wie hat sich Ihre Position als Sportdirektor entwickelt, auch wenn Sie nicht – wie Ihr Vorgänger – Teil der Geschäftsführung sind?

„Für mich spielt der Jobtitel eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es um die Aufgaben und den Tätigkeitsbereich, den ich innehabe. Als Sportdirektor bin ich gemeinsam mit Philipp Türoff und Philipp Liesenfeld Teil der Geschäftsleitung und in wichtige Entscheidungsprozesse eingebunden. Ich habe die Befugnis, eigenständig Verträge zu unterzeichnen. In enger Zusammenarbeit mit Lukas Berg haben wir gemeinsam den sportlichen Bereich analysiert und entschieden, wer für welche Aufgaben federführend verantwortlich ist. Wir haben die Freiheit, eigenständige Entscheidungen zu treffen und verfügen in Absprache mit der Geschäftsführung über volle Handlungsautonomie.“

Können Sie Beispiele nennen zu Ihrer Arbeitsteilung?

„Lukas übernimmt viele Aufgaben, unter anderem im administrativen Bereich sowie strategischen Themen. Darüber hinaus hat er den ersten Zugriff auf die Akademie, da er lange Zeit die Nachwuchsabteilung geleitet hat und in diesen Themen tief verankert ist. Er wird auch der wichtigste Ansprechpartner für Markus Halfmann, den neuen Leiter der FC-Akademie, sein. Auch für die U21 und Laki Sbonias, die jetzt zur Profiabteilung gehören, ist er der erste Ansprechpartner.“

Markus Halfmann ist nur die jüngste Neubesetzung, die intern erfolgt ist. Philipp Liesenfeld, Sie selbst zusammen mit Lukas Berg, Martin Schulz ist zurück, dazu jetzt Halfmann. Ist das der neue Weg des FC, dass man auf interne Lösungen setzt?

„In meinen Augen ist es der richtige Weg, zunächst nach innen zu schauen, wenn die Qualität der Mitarbeiter es zulässt. Es macht Sinn, auf die eigenen, qualifizierten Kräfte zu setzen, bevor man externe Lösungen in Betracht zieht. Wir haben eine Menge hochqualifizierte und erfahrene Mitarbeiter im Verein, die sich über Jahre hinweg darauf vorbereitet haben, diese wichtigen Rollen zu übernehmen. Es geht nicht nur darum, jemanden aufgrund seiner langen Zugehörigkeit zum FC auszuwählen, sondern darum, dass sich jeder Einzelne einem anspruchsvollen Prozess gestellt und in seiner Funktion überzeugt hat.“

Kessler blickt mit Vorfreude auf die Wahl

Gibt es Überlegungen, weitere Ex-Spieler einzubauen? Marcel Risse zum Beispiel war jetzt Teil der Trikot-Kampagne. Bahnt sich da eine Rückkehr an?

„Das ist aktuell kein Thema. Ich glaube, dass Marcel mit seinem Lebensmodell derzeit sehr zufrieden ist. Allerdings weiß man nie, was die Zukunft bringt.“

Und wie sieht es bei Friedhelm Funkel aus?

„Mit Friedhelm habe ich vereinbart, dass wir gemeinsam essen gehen, sobald es etwas ruhiger wird. Das soll vor allem ein Dankeschön für die kurze, intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit am Saisonende sein. Darauf freue ich mich sehr. Er hat zudem klar formuliert, dass er weiterhin als Trainer arbeiten möchte. Daher gibt es aktuell keine Überlegungen, ihn in einer Funktion einzubinden. Dennoch weiß ich, dass ich mich jederzeit bei ihm melden kann, wenn ich seine Einschätzung oder Unterstützung benötige.“

Abschließend blickt der 1. FC Köln im Herbst auf eine besondere Wahl des Vorstands. Wie blicken Sie als FC-Fan und -Mitglied auf diesen Tag bei der Mitgliederversammlung?

„Ich blicke mit großer Vorfreude auf diesen Tag. Einerseits schlägt mein professionelles Herz, das gespannt ist, wie sich der Tag entwickeln wird. Andererseits halte ich es für sehr positiv, dass der FC diesen demokratischen Prozess ermöglicht. Jedes der drei Teams bringt unterschiedliche Charaktere, Themen und Stärken ein. Ich bin gespannt, wie die Mitgliederversammlung verlaufen wird, und hoffe, dass viele Mitglieder die Gelegenheit nutzen, persönlich ins Stadion zu kommen und daran teilzunehmen.“

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