Der Kampf um die Macht beim 1. FC Köln hat die Stadionfrage wieder in den Mittelpunkt gerückt. Doch wie realistisch sind die Szenarien der Vorstandsteams? Der GEISSBLOG hat bei den Teams nachgefragt.
Der aktuelle Pachtvertrag des 1. FC Köln für das RheinEnergieStadion mit der Stadt Köln läuft noch bis 2034. Bis dahin bleiben die Geißböcke – Verhandlungen über einen Ausstieg aus dem Vertrag ausgenommen – als Pächter des Müngersdorfer Stadions an ihre Pflichten und Zahlungen gebunden.
Doch weil der Ausbau des Geißbockheims gezeigt hat, dass ein großes Immobilienprojekt in Köln schnell länger als ein Jahrzehnt dauern kann, ehe es umgesetzt wird, wollen die drei kandidierenden Vorstandsteams zeitnah damit beginnen, einen Masterplan für die Stadionzukunft des FC aufzusetzen. Doch wie soll der aussehen? Der GEISSBLOG hat den Teams dazu vier Fragen gestellt.
1. Ausbau oder Neubau? In Müngersdorf oder an einer anderen Stelle?
Team Adenauer
„Wir planen den Stadionkauf über ein Genossenschaftsmodell. Unsere Mitglieder können der Genossenschaft beitreten und Geschäftsanteile erwerben. Unser vorrangiges Ziel ist der Ausbau unseres Stadions auf 75.000 Plätze. Sollten die Verhandlungen über einen Kauf und einen Ausbau erfolglos verlaufen, planen wir einen Stadionneubau (an anderer Stelle, Anm. d. Red.) mit einer Kapazität mit mindestens 80.000 Plätzen.“
Team Stobbe
„Wir setzen auf den zukunftsfähigen Stadionausbau unserer Heimat in Müngersdorf. Die bislang einzige Machbarkeitsstudie von 2019 lässt wichtige Dimensionen wie Bedarf, Finanzierung, Mobilität, Inklusion oder zeitgemäße Hospitality außen vor und beschränkt sich auf die theoretisch technische Ausbaumöglichkeit. Unser Weg ist klar: Das Team FC wird gemeinsam mit den Mitgliedern, der Stadt, der Kölner Sportstätten GmbH und führenden Experten einen tragfähigen Plan entwickeln. Wir werden alle Optionen beleuchten – Ausbau, Bau- und Betriebspartnerschaft oder Kauf. Ziel ist eine Stadionstrategie für den Standort Müngersdorf, die uns sportlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich trägt.“
Team Stroman
„Der Standort Müngersdorf ist für uns unverhandelbar. Einen Neubau auf der grünen Wiese wird es mit uns nicht geben. Der Zeitpunkt der Vorstandswahl in Kombination mit der Kommunalwahl in Köln ist perfekt, um nach Abschluss der wirtschaftlichen Gesundung des Vereins das Thema Zukunft Stadion wieder auf die Agenda zu bringen. Wir wollen binnen der ersten 100 Tage einen Expertenkreis aus führenden Immobilen-Experten der Stadt einberufen. In diesem Rahmen werden wir eine Modernisierung und einen Ausbau des Stadions am traditionsreichen Standort in Müngersdorf prüfen. Ein reiner Ausbau des Stadions dürfte unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten allerdings kaum zu realisieren sein, erst recht nicht allein durch den FC. Wir denken daher größer.“
2. Welche Gesamtkapazität braucht der 1. FC Köln in Zukunft?
Team Adenauer
mindestens 75.000 bis 80.000
Team Stobbe
Ohne fundierte Grundlage Wunschzahlen zwischen 70.000 und 80.000 in den Raum zu werfen, ist unseriös. Wir warten daher die Ergebnisse der Bedarfsermittlung und Machbarkeitsstudien ab.
Team Stroman
Eine Kapazität von 60.000 bis 65.000 Plätzen wäre wünschenswert. Ob das realistisch ist, lässt sich ohne nähere Prüfung aber nicht seriös beantworten.
3. Wie viele Stehplätze braucht ein künftiges FC-Stadion?
Team Adenauer
„Bei einem Stadion mit einer Kapazität von mindestens 75.000 bis 80.000 sollten es 15.000 bis 20.000 Stehplätze sein. Süd für unsere Fans und Nord für die Gästefans sind gesetzt. Eine Überlegung könnte zudem sein – wie im alten Müngersdorfer Stadion – einen Stehplatz Mitte Bereich auf der Osttribüne zu schaffen.
Team Stobbe
„Im Rahmen der langfristigen Stadionstrategie prüfen wir, wo und wie die Erhöhung der Stehplatzzahlen erfolgen könnte. Da das Team FC nichts verspricht, was es nicht halten kann, nennen wir allerdings auch an dieser Stelle keine Zielgröße, bevor belastbare Studien vorliegen.“
Team Stroman
„Das Stadion verfügt für den FC über viel zu wenig Stehplätze. Eine deutliche Erweiterung der derzeit knapp über 8.000 Stehplätze auf mindestens 15.000 Stehplätze wäre wünschenswert. Aber auch hier gilt: Ob das realistisch ist, lässt sich ohne nähere Prüfung nicht seriös beantworten.“
4. Wie sieht Eure Stadionvision der Zukunft für den 1. FC Köln aus?
Team Adenauer
„Unsere Vision ist ein hochmodernes Stadion an unserer historischen Stätte in Müngersdorf mit 75.000 Plätzen. Sollte dies trotz intensiver Verhandlungen nicht möglich sein, setzen wir uns – natürlich unter Einbeziehung der Mitglieder – für den Bau eines neuen ‚grünen‘ Stadions mit mindestens 80.000 Plätzen ein, das nicht nur klimaneutral, sondern einmalig in der Welt ist. Ein Stadion, das positiven Einfluss auf das Klima hat. Das CO2 filtert und die Umgebungstemperatur senkt. Ein Stadion in einem aufgeforsteten Wald mit einem künstlichen See – ähnlich wie der Adenauer Weiher – sowie begrünten Nebengebäuden und Parkplätzen.“
Team Stobbe
„Unmittelbar nach der Wahl werden wir mit Hilfe eines im Stadionbau versierten Vorstands und eines Expertennetzwerks unter Einbindung der Mitglieder eine realistische Stadionstrategie entwickeln. Diese betrachten wir nicht isoliert, sondern als Teil eines Masterplans, der im Zusammenspiel mit dem ASV, weiteren Sportvereinen, der Deutschen Sporthochschule, dem Velodrom und allen Beteiligten das Sportzentrum Kölns konsequent weiterentwickelt. Unsere Vision ist ein modernes, inklusives und wirtschaftlich starkes Stadion, das die Identität des 1. FC Köln in die Zukunft trägt – eine zukunftsfähige und zugleich traditionswahrende Heimat gelebter Fußballkultur, in der unser Verein 2048 sein 100-jähriges Jubiläum feiern wird.“
Team Stroman
„Der Sportpark Müngersdorf zählte einmal zu den besten Sportanlagen in Deutschland. Da wollen wir wieder hin und für ein Projekt „Sportpark Müngersdorf 2.0“ werben. Mit dem Radstadion, das gerade neu gebaut wird, mit der Deutschen Sporthochschule sowie dem Olympiastützpunkt Rheinland und vielen weiteren Sportstätten in der direkten Nachbarschaft des Stadions bietet dieser Ort die perfekten Voraussetzungen, um Köln wirklich wieder zu einer Sportstadt zu machen – im Spitzensport und im Breitensport. Unsere Vision sieht in diesem Projekt die Weiterentwicklung des Stadions zu einem ganzjährig in vielfältiger Weise nutzbaren, nachhaltigen und hochmodernsten Anforderungen entsprechenden Vorzeigeobjekt in Köln vor, ohne den besonderen Charakter des Stadions als Fußballstadion und die FC-typische Identität zu verlieren. Ein solches infrastrukturelles Großprojekt, noch dazu mitten in einem Anwohnergebiet, ist nur gemeinsam mit der Stadt Köln und Partnern aus der Wirtschaft möglich.“








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