Am kommenden Samstag wählt der 1. FC Köln seinen neuen Vorstand. Im Mittelpunkt vieler Diskussionen steht der vermeintliche Einfluss der Ultras auf die Wahl. Nun hat Stephan Schell deutliche Worte zu den Gerüchten gefunden.
Knapp zwei Wochen ist es her, da hat Vizepräsident Eckhard Sauren sinngemäß gewarnt, der Mitgliederrat des 1. FC Köln sei in Richtung der aktiven Fanszene abgedriftet, und wer das Vorstandsteam um Jörn Stobbe wähle, würde diesen Trend unterstützen. Es waren ungewöhnlich offene Worte eines eigentlich neutralen Vorstandsmitglieds, dessen eigenes Team selbst einmal den Ruf genossen hat, nichts zu sagen oder zu tun, was die Ultras übel nehmen könnten.
Daran hat nun Stephan Schell erinnert, der erste Vorsitzende des Südkurve 1. FC Köln e.V. sowie der Vorsänger der Wilden Horde. „Wir durften ja der Presse entnehmen, dass Ecki bei einer Golf-Veranstaltung vor der Nähe zur Kurve gewarnt hat. Lustigerweise hat man ihm und dem jetzigen Vorstand das auch mal nachgesagt“, sagte Schell im Podcast „FC-Thekenphilosophen“.
Schell „will jetzt mal damit aufräumen“
Seit Jahren wird dem Mitgliederrat unterstellt, ein von den Ultra kontrolliertes Gremium zu sein. Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr alle zwölf vom Südkurve 1. FC Köln e.V. gutierten Kandidaten für das Kontrollgremium von den Mitgliedern gewählt, kein anderer Kandidat schaffte darüber hinaus die Hürde. Seitdem muss sich der Mitgliederrat dem Vorwurf erwehren, ein Gremium vor den Gnaden der Ultras zu sein – und damit auch das vom Mitgliederrat vorgeschlagene Vorstandsteam um Präsidentschaftskandidat Jörn Stobbe.
„Dieser Vorwurf ist nicht neu“, sagte Schell dazu. „Der Mitgliederrat war stets, egal wer da drin war, Ultra-nah. Die Leuten sagen eh, dass die auf unserer Gehaltsliste stehen.“ Ebenso sei es nun mit Stobbe und seinen Mitstreitern Ulf Sobek und Jörg Alvermann. „Ich will jetzt mal damit aufräumen, dass das Team Stobbe angeblich das Team der Ultras ist“, sagte Schell. „Von diesen Menschen kannten wir im Vorfeld keinen. Was für ein Schwachsinn! Trotzdem wird es immer noch erzählt.“
Südkurve über Wahlempfehlung noch nicht einig
Vielmehr, so Schell, habe die Wilde Horde selbst offen einen eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt, der sich beim Mitgliederrat vorgestellt und beworben habe. „Wir hatten eine eigene Person aus unseren eigenen Reihen, ein sehr langes Mitglieder der Wilden Horde, der den Hut beim Mitgliederrat in den Ring geworfen hat und sich vorstellen konnte, Vorstand zu werden.“ Der Mitgliederrat habe diesen Kandidaten aber abgelehnt. „Dann sind wir aber nicht auf die Idee gekommen, ein eigenes Team aufzumachen und Unterschriften zu sammeln. Dann hätten wir ein Team der Ultras. Dann hätte ich wenig Argumente. Das ist aber nicht so gekommen.“
Stattdessen habe man die Entscheidung akzeptiert. Auch, „weil die Argumente richtig waren“, sagte Schell. Allerdings sieht der Vorsänger der Wilden Horde die Entscheidung des Gremiums für Stobbe inzwischen durchaus auch kritisch. „Wenn ich gedacht hätte, der Mitgliederrat würde einen Präsidenten vorschlagen, der das Gründungsdatum des FC nicht kennt, hätte ich das nicht für möglich gehalten“, sagte Schell und spielte damit auf die Wahlarena von Jonas Hector und Fabian Köster an.
Schell nennt seine persönliche Wahl
Auch deshalb sei im Hintergrund noch keine Entscheidung gefallen, ob der Südkurve 1. FC Köln e.V. eine Wahlempfehlung abgeben werde. Schell bestätigte, dass man sich mit allen drei Teams jeweils mehrere Stunden getroffen und diese befragt habe. „Wir werden das jetzt analysieren und dann schauen, ob wir überhaupt eine Wahlempfehlung raushauen“, sagte Schell. Er selbst habe sich aber schon entschieden und werde das Team Stobbe wählen, trotz des Gründungsdatums-Fauxpas. „Alvermann und Sobek konnten mich von Sekunde eins überzeugen.“
Bei Stobbe habe er „noch die einen oder anderen Fragezeichen“. Allerdings könne er das Team Adenauer bereits ausschließen. Das Team um Wilke Stroman sehe er weniger kritisch, er sehe aber „viel mehr Fragezeichen, inhaltlich und in der Umsetzung“ als beim Team Stobbe. Schell versprach allerdings, dass jedes Team – egal, welches gewählt würde, „nicht das Team der Ultras, sondern der Vorstand des 1. FC Köln“ sein werde. „Und die sollten das Beste für den 1. FC Köln umsetzen. Da werden wir ab dem ersten Tag genau hinschauen.“







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