Jakub Kaminski glänzt beim 1. FC Köln. Der Leihspieler ist schon jetzt die erhoffte Verstärkung – und will in Köln bleiben. Vor dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach sprach der GEISSBLOG mit dem polnischen Offensivspieler.
Das Interview führten Sonja Gauer und Marc L. Merten
Als der GEISSBLOG sich mit Jakub Kaminski im Clubhaus-Restaurant am Geißbockheim zum Interview trifft, läuft während des Gesprächs Lukas Kwasniok am Tisch vorbei. Der Cheftrainer des 1. FC Köln ruft seinem Spieler etwas auf Polnisch zu. Kaminski übersetzt es: „Quatsch nicht so viel!“
Der 23-Jährige erzählte dann aber ausführlich über seinen Karriereweg aus Polen über Wolfsburg zum FC – und wohin es für den Außenbahnspieler noch gehen könnte. Kaminski sprach zudem über ein besonderes aus der Kindheit, welches ihm bis heute hilft.
GEISSBLOG: Herr Kaminski, wie lange haben Sie gebraucht, um sich von der Englischen Woche zu erholen?
JAKUB KAMINSKI: „Gar nicht lange. (lacht) Gut essen, gut schlafen, ein bisschen spazieren gehen oder Fahrrad fahren – das war’s schon.“
Fühlen Sie sich in Köln schon wohl?
„Klar, das ging schnell. Nach drei Jahren in Wolfsburg ist Köln ein anderes Level. Ich wohne in Junkersdorf. Nicht weit vom Stadion, nicht weit vom Geißbockheim. Ich mag das.“
Schöner als Wolfsburg?
„Ja, Wolfsburg ist ja das Werk. (schmunzelt)“
Lukas Kwasniok ging hier gerade an uns vorbei. Am Sonntag hat er über Sie gesagt: „Er ist unser bester Spieler.“ Ein schönes Lob für Sie?
„Das freut mich natürlich. Ich habe in allen neun Ligaspielen 90 Minuten gespielt. Normalerweise werden Offensivspieler ja früher ausgewechselt, aber ich fühle mich wirklich sehr gut. Vier Tore, eine Vorlage, unser Start mit 14 Punkten, und auch wenn wir verloren haben, die Leistungen gegen Dortmund und Bayern – da stimmt einfach vieles. Das hilft auch mir. Jetzt muss ich so weitermachen, denn das Schwierigste ist, diese Form eine ganze Saison zu halten.“
Sie sprechen Polnisch mit dem Trainer. Hilft Ihnen das auch persönlich?
„Er spricht gut Polnisch. Wenn wir alleine sind, sprechen wir Polnisch. Wir hatten vom ersten Gespräch an ein gutes Verhältnis. Er hat mir gesagt, er wird mir das Vertrauen geben. Und dann konnte ich in der Vorbereitung meine Leistung bringen. Das zeigt sich jetzt auch in der Liga.“
Wenn alles gut läuft, wir den Klassenerhalt schaffen und ich gesund bleibe, dann bleibe ich gerne hier
Jakub KAminski
Sie kamen aus einer schwierigen Zeit in Wolfsburg. Wie haben Sie es geschafft, sofort den Schalter umzulegen?
„In Polen war ich ein großes Talent und bin damals für zehn Millionen nach Wolfsburg gewechselt. Da lief es sofort gut, ich habe viel gespielt und meine Scorerpunkte gemacht. Danach folgten zwei Spielzeiten, in denen ich eigentlich keinen Platz mehr hatte in unserem Spielsystem. Das war natürlich schwierig, es hat aber auch meine Persönlichkeit weitergebracht. Dafür ist es hier und jetzt perfekt. Ich sammle viele Minuten, ich schieße Tore, alles läuft, wie man es sich wünscht, auch in der Nationalmannschaft. Und das genieße ich.“
Ihr Trainer hat Ihnen versprochen, dass Sie viel als Linksaußen spielen werden. Gegen den HSV haben Sie auf der rechten Schiene gespielt.
„Ich kann überall spielen. Auf beiden Schienen, auf beiden offensiven Außenbahnen, auch als Achter. Am wohlsten fühle ich mich als linker Stürmer, weil ich dann mit meinem rechten Fuß nach innen ziehen kann und die Qualität habe, von dort Tore zu machen. Rechts würde ich eher mit Tempo auf die Linie durchgehen und Flanken schlagen. Aber wenn der Trainer eine andere Idee hat, ist das kein Problem für mich.“
Wenn es für Sie so gut läuft, ist dann schon klar, dass Sie in Köln bleiben werden?
„Wir haben jetzt neun Bundesliga-Spiele gespielt, es ist noch früh in der Saison. Aber wenn alles gut läuft, wir den Klassenerhalt schaffen und ich gesund bleibe, dann bleibe ich gerne hier.“
Sie sind mit 20 Jahren nach Deutschland gekommen. Wie war das für Sie?
„Das war für mich keine große Veränderung, da ich schon mit 13 Jahren ins Sportinternet von Lech Posen gegangen bin. Das war 500 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt. Es folgten fünf Jahre in der Akademie, drei Jahre in der ersten Mannschaft – da ist alles sehr schnell gegangen: Meisterschaft, Nationalmannschaft, Wolfsburg. Klar war alles neu für mich, aber die erste Saison lief so gut, dass ich schnell wusste: Ich habe die Qualität für die Bundesliga.“
Ich habe immer auf Blaszczykowski geschaut. Er war mein Idol. Ich bin ja auch Kuba. Deswegen habe ich auch die Trikotnummer 16
Jakub Kaminski
Haben Sie ein Ziel für Ihre Karriere? Viele Spieler träumen von der Premier League.
„Auf jeden Fall. Die Premier League ist auch mein Traum. Klar ist aber auch, ich liebe die Bundesliga und fühle mich hier sehr wohl. Auch die Bundesliga war schon immer mein Traum, seit unser polnisches Trio – Lewandowski, Blaszczykowski und Piszczek – in Dortmund gespielt hat. Ich habe immer auf Blaszczykowski geschaut. Er war mein Idol. Ich bin ja auch Kuba. Deswegen habe ich auch die Trikotnummer 16.“
Es gab auch schon einen polnischen Spieler beim FC mit der Nummer 16.
„Klar, Pawel Olkowski. Das weiß ich (lacht).“
Sie waren 2022 bei der WM in Katar mit dabei. Ist damals für Sie schon ein Traum in Erfüllung gegangen?
„Das war ein großer Kindheitstraum, ja. Ich habe alle vier Spiele bei der WM gemacht. Und ich hoffe, dass es auch dieses Mal klappt – über die Playoffs im März. Dann wartet das nächste große Turnier auf uns.“
Ihr Vater soll ihre WM-Teilnahme in Katar sogar vorhergesagt haben…
„Ja, das stimmt. Als die Entscheidung der FIFA gefallen ist, die WM 2022 in Katar auszutragen, hat er direkt gesagt: ‚Kuba, du spielst bei dieser WM.‘ Das ist eine gute Geschichte.“
Und haben Sie ihm das geglaubt?
„Nein! (lacht) Aber ich hatte natürlich die Hoffnung.“
Hat Ihr Vater noch mehr solcher Prognosen für Sie?
„Aktuell nicht. Aber er will unbedingt zur WM 2026 in die USA, Kanada und Mexiko fliegen. Deswegen hat er mir den klaren Auftrag gegeben, dass ich mich mit Polen für das Turnier qualifizieren soll. Das ist natürlich auch mein Ziel: eine gute Saison mit dem FC und dann direkt zur WM.“
Bei der Europameisterschaft 2024 in Deutschland waren Sie allerdings nicht dabei.
„Leider nicht. Vor dem Turnier habe ich kaum gespielt in Wolfsburg. Deswegen hat der Trainer mir gesagt, dass es ihm leid tut, er mich aber nicht mitnehmen kann. Das war ein sehr schwieriger Moment in meiner Karriere.“
Jetzt sind Sie aber wieder fester Bestandteil der Nationalmannschaft und spielen mit einem der besten Stürmer der Welt zusammen.
„Klar, Robert Lewandowski ist ein absoluter Neuner. Ich spiele in der Nationalmannschaft häufig auf der Zehn. Mit Lewy läuft es wirklich gut, wir sprechen sehr viel. Das passt gut zusammen.“
Wie ist er als Typ?
„Auf dem Platz zählen für ihn nur Tore. Er ist ein großer Spieler für Polen genauso wie hier in Deutschland. Und einfach ein super Typ. Wenn man sieht, in welch körperlicher Verfassung er in seinem Alter ist, kann man nichts anderes sagen, als dass er extrem professionell mit allem umgeht.“
Ohne die Akrobatik wäre ich heute nicht da, wo ich bin
Jakub Kaminski
Sie selbst sind mit 17 Jahren Profi geworden und waren mit 20 Jahren bei der WM dabei. Was können Sie einem Talent wie Said El Mala mit Ihrer Erfahrung auf dem Weg geben?
„Es ist seine erste Saison und er macht es überragend. Er ist super im Eins-gegen-Eins und im Dribbling. Ich hoffe, dass er gesund bleibt und seinen Weg geht. Dabei müssen wir Said helfen. Es ist nicht immer einfach, so im Rampenlicht zu stehen. Er muss weiter an sich arbeiten, damit er seine Qualitäten irgendwann über 90 Minuten auf den Platz bringen kann. Dafür drücke ich ihm alle Daumen – dass er jetzt für die Nationalmannschaft nominiert wurde, ist eine große Auszeichnung für ihn.
Sie galten früher auch als eines der größten polnischen Talente. War um ihre Person ähnlich viel Trubel wie jetzt um Said?
„Ich bin damals als Rechtsverteidiger in der polnischen Liga gestartet und habe ordentliche Leistungen gezeigt. Ab diesem Zeitpunkt haben alle gesagt: Super, wir haben für die Zukunft einen neuen Rechtsverteidiger. Dann bin ich irgendwann in die Offensive gewechselt, wir haben die Meisterschaft geholt und es folgte mein Wechsel nach Wolfsburg. Aber ich glaube, dass ich nicht immer das größte Talent war, vieles musste ich mir durch harte Arbeit erkämpfen. So ist auch mein Charakter.“
Ist das etwas, das Sie von zuhause mit auf den Weg bekommen haben?
„Ich denke schon. Meine Mutter und mein Vater waren auch sportlich. Mein Vater war Akrobat, meine Mutter war Gymnastin. Ich war schon als Kind jeden Tag in der Sporthalle. Als ich sieben Jahre alt war, hat mich meine Mutter gefragt, ob ich nicht Fußball spielen will. Das habe ich schon immer geliebt: Ich habe sämtliche Fußballkarten gesammelt und alle Spiele angeschaut.“
Ein guter Vorschlag Ihrer Mutter.
„Auf jeden Fall. Meine Mama war von Anfang an mein größter Fan. Aber ich habe mit meinem Bruder früher auch Akrobatik gemacht. Das war eine super Zeit, wir waren auch bei Wettkämpfen und haben viele Medaillen gewonnen. Ich habe mit drei Jahren damit angefangen und erst aufgehört, als ich in die Akademie zu Lech Posen gewechselt bin.“
Hilft Ihnen diese Vergangenheit noch heute beim Fußball?
„Definitiv! Es ist die Grundlage für alles, zum Beispiel für die Koordination oder die Beweglichkeit. Ohne die Akrobatik wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Da bin ich mir ganz sicher. Alle Eltern wollen ihre Kinder immer sofort zum Fußball schicken, damit sie wie Lewandowski, Ronaldo oder Messi werden. Aber die Basics sind Gymnastik und Akrobatik für Kinder. Danach kannst du entscheiden, ob du Fußball spielen willst oder nicht.“
Haben Sie während Ihrer Zeit bei Lech Posen eigentlich Lukas Podolski kennengelernt?
„Ja, in meinem letzten Jahr in Polen haben wir mit Lech Posen gegen Gornik Zabrze gespielt. Ich habe auch ein Trikot von Lukas. Vor meinem Wechsel zum FC waren wir ebenfalls in Kontakt, ich spreche immer mal wieder mit ihm.“
Rufen Sie ihn jetzt auch an und fragen, was das Derby gegen Borussia Mönchengladbach für den FC bedeutet?
„Das weiß ich schon. (lacht) Es ist das wichtigste Spiel der Saison, habe ich gehört. Und wir wollen es gewinnen. Dann haben wir eine wirklich gute Ausgangssituation. Ich mag diese Spiele sehr. Das sind gute Gelegenheiten, um Charakter zu zeigen.“








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