Entscheidung in doppelter Überzahl: FC jubelt in verrücktem Aufsteiger-Duell

Ragnar Ache hat gegen den Hamburger SV seine erstes Bundesliga-Tor für den FC erzielt. (Foto: Bucco)
Ragnar Ache hat gegen den Hamburger SV seine erstes Bundesliga-Tor für den FC erzielt. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln hat gegen den Hamburger SV seinen zweiten Heimsieg der Saison einfahren. Beim 4:1 (1:0)-Erfolg mussten die Geißböcke im Duell der beiden Aufsteiger jedoch selbst in doppelter Überzahl noch zittern, ehe der FC den Deckel drauf machte.

Aus dem RheinEnergieStadion berichten Sonja Gauer, Linda Dragovic und Marc L. Merten

Es war das Duell der beiden Aufsteiger – und es sollte ein aufreibendes, emotionales Spiel werden: Der 1. FC Köln empfing den Hamburger SV und wusste: Mit einem Sieg würden sich die Geißböcke in der Tabelle oben festsetzen und den HSV wieder auf sechs Punkte distanzieren. Dass es nach 90 plus zwölf Minuten aber auch so kam, war das Ende einer Achterbahn der Gefühle.

Tore und Highlights

25. Minute: Der FC war zu Beginn des Spiels die auffälligere Mannschaft und setzte offensiv mehr Akzente als der HSV, ohne zunächst selbst wirklich zwingend zu werden. Eine Direktabnahme von Florian Kainz war dabei die gefährlichste Aktion der Anfangsphase, landete aber einen Meter neben dem Tor (7.). Dann roch der Österreicher Mitte der ersten Halbzeit den Braten, als Heuer Ferandes Albert Sambi-Logonga anspielte, der Belgier aber wegrutschte. Kainz ging dazwischen, schnappte sich den Ball, zögerte aber etwas zu lange mit dem Abschluss und wurde dann geblockt. Maina scheiterte schließlich mit dem Abpraller aus spitzem Winkel an Elfadli, am langen Pfosten hielt Ragnar Ache jedoch den Fuß rein und drückte den Ball aus kurzer Distanz zum 1:0 über die Linie.

34. Minute: Die Kölner waren auch im weiteren Verlauf des ersten Durchgangs die spielbestimmende Mannschaft. Der Hamburger SV agierte defensiv häufig zu passiv, woraus der FC im letzten Drittel aber zu selten Kapital schlagen konnte. Die beste Chance hatten die Gäste dann, als Jean-Luc Dompé Jakub Kaminski mit einem Haken aussteigen ließ und direkt abzog. Marvin Schwäbe machte sich jedoch ganz lang und bewahrte seine Mannschaft vor dem Ausgleich. Letztlich konnte der FC in den ersten 45 Minuten 12:4 Torschüsse für sich verbuchen.

49. Minute: Kurz nach dem Seitenwechsel holte Linton Maina nach einem Konter einen Freistoß aus 17 Metern raus, nachdem ihn Lokonga von den Beinen geholt hatte. Anders als im ersten Durchgang, als Isak Johannesson aus ähnlicher Position deutlich drüber schoss, hob Kainz den Ball gefühlvoll über die Mauer hinweg ins rechte Eck zum 2:0. Es war der erste direkt verwandelte Freistoß seit Max Finkgräfe im Februar 2024 gegen die TSG Hoffenheim.

50. Minute: Die Antwort des HSV ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Eine Flanke von Dompé legte Philippe per Kopf auf Vieira ab, der Schwäbe aus 16 Metern trocken überwinden konnte. Doch der VAR meldete sich und überprüfte sowohl eine passive Abseitsposition von Ransford Königsdörffer, als auch ein Foul im Vorfeld von Philippe an Martel. Schlager wurde an den TV-Bildschirm geschickt und nach über fünf Minuten stand die Entscheidung: Der Treffer zählte nicht.

61. Minute: Das aberkannte Tor schien den Hamburgern jedoch Auftritt zu geben, anstatt dem FC durch das kurz zuvor erzielte 2:0 Sicherheit. Der FC wurde immer passiver und durch Dompé bestraft, der sich gegen Kaminski durchsetzte und den Ball aus halblinker Position ins lange Eck zum 2:1 schlenzte.

80. Minute: Der HSV war fortan die spielbestimmende Mannschaft und drückte auf den Ausgleich. Beide Teams wechselten – und einer dieser Wechsel ging für die Hamburger nach hinten los. In der 77. Minute kam Immanuel Pherai. Der Zehner sollte das Offensivspiel des HSV ankurbeln. Doch erst sah er in der 79. Minute die Gelbe Karte für ein taktisches Foul – und nur 42 Sekunden später (!) sah er nach einem harten Einsteigen gegen Lund die Gelb-Rote Karte.

83. Minute: Dabei blieb es jedoch für den HSV nicht. Nur drei Minuten später hatte Schwäbe eigentlich die Möglichkeit zu einem Abstoß und ließ sich Zeit. Plötzlich drehte sich Schiedsrichter Daniel Schlager im Mittelfeld zu Fabio Vieira und zeigte auch dem Portugiesen des HSV die Gelb-Rote Karte. Der Grund: Vieira hatte ein Zeitspiel Schwäbes offenbar zu lautstark moniert. Der FC fortan in doppelter Überzahl beim Stand von 2:1.

90+4. Minute: Trotzdem schwamm der FC noch einmal und der HSV warf in der zwölfminütigen Nachspielzeit alles nach vorne. So musste Schwäbe gegen Remberg parieren – hatte dann aber das Auge, um mit dem weiten Abwurf Kaminski zu bedienen. Dieser lief über mehr als das halbe Feld in den Hamburger Strafraum und passte quer. Said El Mala war mitgelaufen und drückte die Kugel zum 3:1 ins Netz.

90+9. Minute: Der Deckel war drauf, aber der FC zog sogar noch die Schrauben fest. Der kaum zu haltende El Mala dribbelte einmal mehr über links in den Strafraum und legte von der Grundlinie zurück. Im Rückraum wartete Kaminski und bedankte sich mit einem Schuss unter die Latte für die Vorlagen-Revanche seines Teamkollegen. Das 4:1 war gleichzeitig der Endstand, obwohl Bülter sogar noch die Chance zu einem fünften Tor liegen ließ.

Personal

So spielte der FC: Schwäbe – Schmied (46. Sebulonsen), Martel, Özkacar – Kaminski, Johannesson (67. Heintz), Huseinbasic, Lund – Kainz (67. Krauß) – Ache (73. Bülter), Maina (67. El Mala)

Zur Aufstellung: Lukas Kwasniok wusste mit seiner Aufstellung gegen den Hamburger SV durchaus zu überraschen. Gleich fünf Änderungen nahm der Trainer im Vergleich zur 1:4-Niederlage vor vier Tagen gegen den FC Bayern München vor. Florian Kainz feierte sein Startelf-Debüt in dieser Saison und begann auf der Zehn. Zudem starteten Marvin Schwäbe für Ron-Robert Zieler sowie Linton Maina, Cenk Özkacar und Denis Huseinbasic für Tom Krauß, Sebastian Sebulonsen, Marius Bülter und Said El Mala.

Fazit

Der 1. FC Köln hätte es gegen den Mit-Aufsteiger deutlich einfacher haben können. Das 2:0 sowie der direkt in der Folge aberkannte Treffer des HSV hätte den Geißböcken eigentlich Rückenwind geben müssen. Stattdessen ließ der FC den Gegner durch eigene Passivität wieder zurück ins Spiel kommen. Die beiden Gelb-Roten Karten sorgten schließlich für die Entscheidung, obwohl der FC selbst nach den Platzverweisen kurzzeitig Probleme hatte und HSV-Chancen zuließ. Am Ende ging den Hamburgern die Kräfte aus und der FC nutzte die lange Nachspielzeit für die entscheidenden Konter. Das Ergebnis: Der FC sprang dank des am Ende klaren Sieges in der Tabelle auf Platz sechs mit nun 14 Punkten aus neun Spielen.

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