„Hat zum Spiel gepasst“: So kam es zum Ultra-Boykott im Derby

Im Gästeblock der BayArena fehlten 500 bis 600 Fans des 1. FC Köln. (Foto: Bucco)
Im Gästeblock der BayArena fehlten 500 bis 600 Fans des 1. FC Köln. (Foto: Bucco)

Keine Punkte – und keine Stimmung in der BayArena. Die aktive Fanszene des 1. FC Köln ist dem Samstagabendspiel in Leverkusen aufgrund intensiver Kontrollen ferngeblieben, im Raum steht der Vorwurf von Nacktkontrollen. Was die Polizei und die Verantwortlichen beider Seiten sagen.

Derby oder Nachbarschaftsduell stand drauf auf diesem Spiel. Danach angehört hat sich die Begegnung zwischen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Köln allerdings nicht. Aufgrund des Boykotts der Kölner Ultras und der anschließenden Solidarisierung der Leverkusener war es phasenweise so ruhig in der BayArena – gefühlt hätte man hören können, wie die berühmte Stecknadel fällt.

„In so einem heißen Duell hätten wir die Unterstützung gerne gehabt“, sagte FC-Trainer Lukas Kwasniok nach Abpfiff, wollte aber weder die 0:2-Niederlage am fehlenden Support festmachen noch das Fernbleiben der aktiven Fanszene beurteilen: „Es ist müßig, darüber zu reden, ob es ansonsten anders gelaufen wäre. Ich kann auch nicht bewerten, wieso und weswegen es dazu gekommen ist.“

Polizei dementiert Nacktkontrollen

500 bis 600 Kölner Ultras waren vor Anpfiff geschlossen wieder abgereist. Vor der BayArena hatten Polizeikontrollen stattgefunden, die „aus Sicht der Fans nicht angemessen waren“, hatte der FC mitgeteilt. Die Fanhilfe schrieb in den sozialen Netzwerken von „Nacktkontrollen“. Auch das Fanprojekt erklärte: „Auslöser war eine Nacktkontrolle nach einer polizeilichen Maßnahme gegen einen unserer Fans.“

Es waren offenbar zwei polizeibekannte Kölner Fans, die während der Anreise aus der Menge herausgezogen wurden, um intensiv kontrolliert zu werden. Teile der Kleidung sollten abgelegt werden. Dass Nacktkontrollen stattgefunden haben, dementierte die Polizei allerdings. Bei einer Person seien „passive Waffen“ gefunden worden.

Rolfes überrascht, Kessler ernüchtert

Fakt ist: Die Maßnahme der Polizei führte dazu, dass der harte Kern der Kölner Anhänger noch vor Anpfiff wieder abzog. In der Anfangsphase stellten dann auch die Leverkusener Ultras den Support ein, in der Nordkurve leerten sich die untersten Reihen. „Ich hätte nicht gedacht, dass sich unsere Fans mit den Kölnern solidarisieren“, gab Leverkusens Sportchef Simon Rolfes später zu und bedauerte, „dass die beiden Fangruppen nicht da waren“.

Für seinen Kölner Kollegen Thomas Kessler fügte sich die seltsame Stimmung in das Bild dieses gebrauchten Abends: „Insgesamt hat es zum Spiel der ersten Halbzeit gepasst. Das war auf dem Rasen nicht wahnsinnig emotional. Das war auf den Rängen nicht emotional. Das ist in erster Linie sehr schade, weil dieses Spiel auch von den Emotionen lebt.“

Samstagabend, Flutlicht, da will man die Emotionen spüren. Daher war es eine eigenartige Situation.

thomas Kessler

Als Profi und Verantwortlicher hat der FC-Sportdirektor schon zahlreiche Derbys erlebt – aber wohl noch kein so stimmungsloses. „Unter dem Strich ist es nicht das, was wir im Fußball sehen wollen. Samstagabend, Flutlicht, da will man die Emotionen spüren. Daher war es eine eigenartige Situation“, so Kessler.

Schwäbe: „Extrem traurig und schade“

Kapitän Marvin Schwäbe sah es ganz ähnlich: „Wir zehren davon, gerade auswärts, wenn wir wissen, dass wieder 4500 Fans mitkommen. Sie können uns immer noch mal extra Prozentpunkte mitgeben.“ Dass die 500 bis 600 stimmgewaltigsten Anhänger fehlten, sei „extrem traurig und schade“ gewesen. „Als Sportsmann will man natürlich einfach, dass das Stadion voll ist und dass die richtigen Leute in der Kurve stehen, sodass wir davon profitieren können.“

Wenngleich Kwasniok bezweifelte, dass bei voller Unterstützung ein anderes Resultat auf der Anzeigetafel gestanden hätte. „Ich glaube“, so der FC-Trainer, „auch wenn hier Full House gewesen wäre, wäre das Ergebnis ähnlich ausgefallen.“ Ehrliche Worte nach einem ernüchternden Abend.

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