Kerim Alajbegovic zählt zu den Shootingstars dieser Weltmeisterschaft – und genau wie Florian Wirtz zu den Ausnahmetalenten, die aus dem Nachwuchs des 1. FC Köln zu Bayer Leverkusen gewechselt sind. Den Geißböcken winkt womöglich ein sechsstelliger Trost.
Der Ärger über den Verlust von Florian Wirtz, eines der größten Talente der Vereinsgeschichte, war noch zu spüren, da schnappte Bayer Leverkusen dem 1. FC Köln ein paar Altersklassen weiter unten das nächste Juwel weg. Im Sommer 2021, kurz vor seinem 14. Geburtstag, wechselte Kerim Alajbegovic zum Werksclub. Fünf Jahre später sorgt er bei der WM für Furore.
Beim abschließenden Gruppenspiel gegen Katar, das Bosnien-Herzegowina mit 3:1 gewann, brachte Alajbegovic seine Nationalmannschaft auf die Siegerstraße – und wie. Nach 29 Minuten dribbelte sich der Linksaußen unwiderstehlich durch die gegnerische Abwehr, fasste sich aus 20 Metern ein Herz und traf wuchtig zur 1:0-Führung.
Alajbegovic schreibt WM-Geschichte
Alajbegovics Kunstschuss dürfte schon jetzt zu den schönsten Toren dieses Turniers zählen und ließ den gebürtigen Kölner WM-Geschichte schreiben. Mit 18 Jahren und 276 Tagen ist er (seit Beginn der detaillierten Datenerfassung im Jahr 1966) der jüngste Spieler, dem bei einer Weltmeisterschaft ein Treffer von außerhalb des Strafraums gelang. Alajbegovic löste keinen Geringeren als Kylian Mbappé ab, ist zudem nun der achtjüngste Torschütze der WM-Historie.
Dem Youngster wird wenig überraschend eine große Karriere prophezeit. Ihren Anfang nahm diese Laufbahn einst im Kindesalter am Geißbockheim. Wie aus Alajbegovics Umfeld zu hören ist, sah man 2021, nach den ersten Ausbildungsschritten beim 1. FC Köln, in Leverkusen die bessere Perspektive für Kerim und dessen jüngeren Bruder Emre, der ebenfalls als Ausnahmetalent gilt und deutlich über seiner eigentlichen Altersklasse spielt.
Womöglich sah man auch das Vorbild Wirtz. Mit dessen Leverkusen-Wechsel im Januar 2020 war bekanntlich ein Gentlemen’s Agreement geplatzt. Im Rheinland, wo sich Profi-Club an Profi-Club reiht, galt es als ungeschriebenes Gesetz, sich nicht gegenseitig die Talente wegzuschnappen. Wirtz war für Leverkusen allerdings zu verlockend – und nur der Anfang.
Agreement „funktioniert mit Leverkusen leider nicht mehr“
„Ich halte es wirklich für sinnvoll, wenn wir hier im Westen mit dieser großen Dichte von Vereinen, gut miteinander auskommen und einen guten Kontakt pflegen“, sagte FC-Nachwuchschef Markus Halfmann im vergangenen November im GEISSBLOG-Interview, schob nach: „Was dieses Agreement zu Transfers von Jugendspielern angeht: Da ist hinlänglich bekannt, dass es mit Leverkusen leider nicht mehr funktioniert.“
Nach Wirtz und den Alajbegovic-Brüdern verlor der FC im vergangenen Sommer mit Simone und Luca Cannizarro noch ein weiteres hochveranlagtes Bruderpaar an den rheinischen Rivalen. Vor allem der jüngere Luca gilt als Ausnahmetalent. Warum das Agreement nicht mehr funktioniert? „Ich würde sagen, da darf man nicht uns beim 1. FC Köln fragen. Der ambitionierte Jugendfußball ist allgemein sehr kompetitiv und wird von Geldinteressen dominiert“, so Halfmann.
Zurück zu Alajbegovic: Der Bosnier wechselte 2025 nach vier Jahren im Leverkusener Nachwuchs – nach dem verlorenen Finale um die deutsche U19-Meisterschaft gegen den FC – für zwei Millionen Euro zu Red Bull Salzburg. In Österreich avancierte er in der Bundesliga sowie der Europa League zur Stammkraft, entwickelte sich derart rasant, dass Leverkusen nun nach nur einer Saison von einer Rückkaufoption Gebrauch macht. Für acht Millionen Euro kehrt Alajbegovic zu Bayer zurück, steht bis 2031 unter Vertrag.
Rückkehr nach Leverkusen oder großer Transfer?
Doch ob der 18-Jährige in der kommenden Saison auch tatsächlich für die Werkself aufläuft, scheint noch nicht gänzlich geklärt zu sein. Aus England, vor allem aber aus Italien gibt es großes Interesse an Alajbegovic. Der SSC Neapel, Atalanta Bergamo und speziell die AS Rom gelten als potenzielle Abnehmer; Alajbegovic selbst schwärmte in der Vergangenheit bereits über die Serie A, die zu seinen Stärken passen dürfte.
Laut Kicker wäre für den Youngster ein Gesamtpaket von 25 bis 30 Millionen Euro fällig, damit Leverkusen gesprächsbereit ist – wobei sein Wert in den vergangenen Tagen gewiss nicht gesunken sein dürfte. Dem FC sollte solch ein großer Transfer recht sein. Der Solidaritätsmechanismus der FIFA lässt die Geißböcke wie schon bei Wirtz‘ Liverpool-Wechsel (rund zwei Millionen Euro) mitverdienen, wenn auch in einer deutlich geringeren Größenordnung.
Sollte Alajbegovic eine Ablöse von 30 Millionen Euro generieren, sollten gemäß des Aufteilungsschlüssels rund 150.000 Euro an den FC fließen. Die insgesamt zehn Millionen Euro, die durch den Kauf und Rückkauf zwischen Leverkusen und Salzburg den Besitzer gewechselt haben, sollten den Kölnern etwa 50.000 Euro beschert haben. Es ist zumindest ein kleiner Trost für den Verlust eines großen Talents, das mit Bosnien im Sechzehntelfinale der WM steht.







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