Steffen Baumgart freut sich auf die Rückkehr nach Müngersdorf, Lukas Kwasniok auf das Wiedersehen mit Baumgart. Was im letzten Bundesliga-Spiel des Jahres für den 1. FC Köln spricht und was für Union Berlin.
Sie wurden in der Vergangenheit oft miteinander verglichen. Doch von der Tatsache, dass sie jeweils vom SC Paderborn ans Geißbockheim wechselten, mal abgesehen, fiel es Lukas Kwasniok schon beim Amtsantritt schwer, wirkliche Gemeinsamkeiten mit Steffen Baumgart zu finden. „Auf den ersten Blick ähneln wir uns“, sagte Kwasniok Ende Juni auf die Frage, ob er eine Art Baumgart-Double sei, ergänzte dann schmunzelnd: „Die Allergrößten sind wir nicht, die sportliche Aktivität ist auch schon ein paar Tage her.“
Aber inzwischen gilt wohl selbst Letzteres nicht mehr. Denn vor dem Duell mit Baumgart und Union Berlin gibt Kwasniok zu: „Was ich am beeindruckendsten finde, ist seine körperliche Performance. Er ist sportlich unterwegs. Da habe ich einen weiten Weg vor mir.“
Baumgart erleichterte Kwasniok den Paderborn-Start
Was die beiden dann doch eint, ist die Vorfreude auf Samstagnachmittag. Der Kontakt zu Baumgart sei zwar „überschaubar, wie bei jedem anderen Trainerkollegen“ auch, er freue sich aber dennoch auf das Wiedersehen, „weil er das Herz am richtigen Ort hat und ein emotionaler Typ ist“, sagt Kwasniok über seinen Vor-Vor-Vorgänger und erinnert sich: „Ich fand es bemerkenswert, wie er mir damals den Stab in Paderborn überreicht hat. Er hat sich eine halbe, dreiviertel Stunde Zeit genommen, hat mir seine Sicht der Dinge geschildert. Das hat mir den Start erleichtert.“
Baumgart wiederum macht keinen Hehl daraus, wie besonders ein Spiel in Köln für ihn ist – genau zwei Jahre nachdem er nach einer Niederlage an der Alten Försterei beim FC entlassen worden war (der GEISSBLOG berichtete). „Wenn du einmal da gearbeitet hast, diese Stadt und den Verein erlebt hast, dann macht das was mit dir. Das ist bleibend.“
Der 53-Jährige freue sich auf „ganz, ganz viele Dinge“, ob es alte Bekannte, das Drumherum oder die Emotionen im Stadion sind. Baumgart ist überzeugt: „Ich werde auch noch in zehn Jahren viel mit dieser Stadt verbinden. Das hat einen ganz besonderen Stellenwert. Jeder, der weiß, was für eine tolle Zeit ich in Köln hatte, der weiß auch, wie gerne ich da immer wieder hinfahre.“
Baumgart weiß nicht, was ihn erwartet
Nach seinen zweieinhalb Jahren beim FC, mit dem Einzug in die Conference League als Höhepunkt, kehrte er bereits einmal als gegnerischer Trainer zurück. Am ersten Spieltag der vergangenen Zweitliga-Saison siegten Baumgart und der Hamburger SV mit 2:1 in Müngersdorf. Überhaupt konnte er den FC – mit dem HSV und Paderborn – in drei von fünf Duellen schlagen.
Der direkte Vergleich der beiden Trainer spricht wiederum für die Geißböcke. Kwasniok traf mit Paderborn zweimal auf Baumgart (mit dem HSV) und holte vier Punkte. Womöglich auch aus dieser Erfahrung heraus reist der Ex-FC-Trainer mit reichlich Respekt an. „Das ist eine der Mannschaften, auf die du dich nicht zu 100 Prozent einstellen kannst, weil Lukas jemand ist, der sich zu jedem Gegner etwas Neues einfallen lässt“, so Baumgart.
Kwasniok gibt ihm Rätsel auf. „Ich würde keinen Tipp abgeben, wie aufgestellt wird, das wird so oder so nicht funktionieren“, ergänzt Baumgart schulterzuckend und betont daher umso mehr: „Es geht um uns, wir müssen bei unseren Dingen bleiben und unsere Stärken auf den Platz bringen.“
Kölns Schwäche ist Unions Stärke
Da wäre unter anderem die Standardstärke zu nennen, für Kwasniok „ein Hauptaugenmerk“. Der FC-Trainer führt aus: „Sie haben 50 Prozent ihrer Tore nach Standards gemacht. Und das ist selten der erste Ball. Sie haben ein feines Gespür dafür, wo der zweite Ball liegenbleibt, sind scharf darauf. Da wird es auf Achtsamkeit ankommen.“
Unions große Stärke ist Kölns riesige Schwäche: 13 der 23 Gegentreffer fielen nach Standards. „Gegen Union macht es Sinn, nicht ganz so viele Standards zuzulassen“, predigt Kwasniok, sieht aber auch Konter durch die schnellen Oliver Burke und Ilyas Ansah als potenzielle Gefahrenherde.
Die Standardthematik klingt, als sei der FC ein gefundenes Fressen für Union. Doch die Berliner haben auch ihre eigenen Themen zu überwinden. So hat Union noch kein einziges Mal zwei Partien in Folge gewonnen, nach Siegen in der Bundesliga bislang nur ein einziges Tor geschossen und nur einen Punkt geholt. Die gute Nachricht für die Geißböcke: Die Eisernen kommen mit einem 3:1-Sieg gegen Leipzig im Gepäck ins RheinEnergieStadion.
Wir dürfen nie das Spinnen anfangen, aber wir dürfen uns auch nicht kleiner machen als wir sind.
Lukas Kwasniok
Kwasniok sieht den letzten Gegner des Jahres in einer positiven Entwicklung: „Union hat seit der Übernahme von Baumi nach anfänglichem Beschnuppern eine Stabilität erreicht.“ Der derzeitige Achtplatzierte (zwei Punkte und zwei Ränge vor dem FC) gehöre „zu den wenigen Mannschaften, die den Mannschaften oben wehtun können“. Union siegte in Frankfurt, knüpfte Bayern einen Punkt ab. „Hut ab“, lobt Kwasniok.
Und dennoch schiebt er nach: „Wir dürfen nie das Spinnen anfangen, aber wir dürfen uns auch nicht kleiner machen als wir sind. Wir haben 16 Punkte geholt und schon spektakuläre Spiele gezeigt. Wir sind in der Lage, Union Berlin mit unseren Mitteln wehzutun.“
Das weiß auch Baumgart: „Es kommt ein Gegner auf uns zu, der aus meiner Sicht eine sehr gute Runde spielt, auch wenn die letzten Ergebnisse vielleicht nicht zu 100 Prozent gepasst haben. Das ist eine Herausforderung für uns.“ Insofern wäre also auch noch die gegenseitige Wertschätzung als Gemeinsamkeit mit Kwasniok zu nennen.








Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!