Philipp Türoff erklärt im zweiten Teil des großen Weihnachtsinterviews mit dem GEISSBLOG, wie sich der 1. FC Köln auf dem Transfermarkt neu aufstellt. Auch einen möglichen Verkauf von Said El Mala und die Folgen wägt er bereits ab.
Das Interview führte Marc L. Merten
GEISSBLOG: Herr Türoff, der 1. FC Köln hat im Sommer viel Geld auf dem Transfermarkt bewegt. Wie war das im Detail möglich?
PHILIPP TÜROFF: „Wir haben mit den Mitteln gearbeitet, die wir hatten. Mir wird immer wieder die Frage gestellt, ob der FC sich komplett entschulden müsse. Das ist mitnichten der Fall, aber wir gehen keine langfristigen Verbindlichkeiten in Form einer Wette auf eine positive Entwicklung mehr ein. Denn wenn das nicht aufgehen würde, bräuchten wir wieder fünf Jahre, um dieses eingegangene Risiko auszuschwitzen. Wir leben ganz eindeutig nicht mehr über unsere Verhältnisse. Es gibt zwar keine Investition ohne Risiko, aber wir arbeiten hier sehr verantwortungsvoll.“
Der Aufstieg hat dabei geholfen. Der FC wusste, er kann jetzt wieder mehr Geld in die Hand nehmen.
„Natürlich. Das war jetzt der richtige Zeitpunkt, diese Investitionen zu tätigen. Wir müssen uns nur wirtschaftlich vor Augen führen, was es bedeutet, wenn wir die Klasse halten. Es ist unsere absolute Pflicht, diese Priorität zu setzen, und da haben wir mit viel Hirnschmalz sehr viel aus unseren Möglichkeiten gemacht. Auch, wenn die letzten Ergebnisse nicht zufriedenstellend waren: Ich finde, man kann sehen, dass wir eine konkurrenzfähige Mannschaft haben, die in der Lage sein wird, das Saisonziel zu erreichen.“
Ulf Sobek hat erklärt, dass der FC für die Wintertransfers noch Handlungsspielraum hat. Was heißt in diesem Fall Handlungsspielraum konkret?
„Handlungsspielräume sind da, um möglicherweise ein Gehalt von Bundesliga-Format zu bezahlen, weil wir eine Verletzung kompensieren müssen, oder um hier und da noch einmal etwas anzupassen. Natürlich auf einem deutlich geringeren Niveau als im Sommer, aber wir müssen uns immer vorbehalten, noch einmal etwas austauschen zu können.“
Dazu kommt, dass der FC mit den zwei schweren Verletzungen von Timo Hübers und Luca Kilian über lange Zeit Gehälter einsparen wird.
„Als Finanzer muss ich das natürlich auch berücksichtigen. Auf welcher Position und mit welchem Profil da im Winter etwas passieren könnte, dazu werde ich mich nicht äußern. Da werden Thomas Kessler, Lukas Berg und Lukas Kwasniok festlegen, was wir dem Kader noch hinzufügen wollen.“
Adamyan: FC wollte „ein Zeichen senden“
Mit Blick auf ein anderes Gehalt: In der U21 schießt Sargis Adamyan zwar viele Tore, kostet den FC für die Regionalliga aber ein Millionengehalt. Tut Ihnen das als Finanzer weh?
„Das ist ein Fall, bei dem es nicht aufgegangen ist, wie wir uns das gewünscht hätten. Aber da darf der Club auch nicht sagen, dass eine Personalie um jeden Preis gelöst werden muss. Das Problem ist ja nur gelöst, wenn alle Seiten etwas von einer Einigung haben. Und da ist es auch mal wichtig, als Verein ein Zeichen in den Markt zu senden.“
Und das lautet: keine Vertragsauflösungen mehr um jeden Preis.
„Genau. Es kann vorkommen, dass unsere sportliche Einschätzung eines Spielers sich deutlich verändert, obwohl er noch einen Vertrag hat. Dann möchte ich aber ein klares Statement aussprechen, dass eine Einigung dann auf beiden Seiten wirken muss – oder sonst eben nicht geht. Geschäfte macht man, damit beide Seiten etwas davon haben. Sonst haben wir eine Welt, in der wir um jeden Preis Verträge ausbezahlen.“
In diese gänzlich andere Richtung bewegt sich die Personalie Said El Mala. Thomas Kessler hat schon bestätigt: Es gibt keine Schmerzgrenze. Aber es scheint klar, dass es um Summen gehen wird, die so beim FC noch nie eine Rolle gespielt haben. Was macht das mit Ihnen?
„Natürlich macht das etwas mit mir, da ich unter anderem die Finanzen verantworte. Wenn ich überlege, welche Summen ich hier in den letzten Jahren gejagt habe, dann läuft eine solche Spekulation in eine ganz andere Richtung und das ist ja nur positiv für den 1. FC Köln. Erstens sieht man, dass wir einen Spieler mit solchem Potenzial zum FC holen können. Zweitens kann der Junge bei uns so funktionieren, dass eine solche Story überhaupt entsteht, was wiederum im Markt registriert wird. Und drittens sind auch zukünftig Transfereinnahmen für den FC eine relevante Größe. Um das klarzustellen: Ich wünsche mir, dass Said El Mala noch möglichst lange für den FC auf Torejagd gehen wird, aber sollte er uns eines Tages verlassen, müssen wir so gut wie möglich entschädigt werden. Und dann wären wir gleich wieder in der Pflicht.“
Wir dürfen nicht die Erwartungshaltung haben, mit einem großen Transfer fünf Stufen auf einmal nehmen zu können
Philipp Türoff
Wie sieht diese aus?
„Dann müssen wir ganz genau hinschauen und erneut gute Entscheidungen treffen. Das hier ist nicht der Moment für Details, aber es gehört zu meinem Job, mich damit auseinanderzusetzen.“
Und das schon jetzt, damit Sie vorbereitet sind?
„Vorbereitet zu sein, ist generell das Wichtigste, damit wir nachhaltig einen besseren 1. FC Köln gestalten können. Im Hier und Jetzt ist es jedoch unsere Aufgabe, Said so zu begleiten und zu fördern, dass er die bestmögliche Entwicklung nehmen kann. Hier machen Thomas und Lukas einen großartigen Job.“
Haben Sie denn schon eine mögliche Summe im Kopf?
„Nein. Es gibt keine Klausel, wir haben also eine ausgezeichnete Verhandlungsposition. Deswegen können wir es gelassen betrachten.“
Was sind denn die Risiken eines solch großen Transfers für einen Club wie den FC? Man erinnert sich an Anthony Modeste, als dieser nach China gewechselt ist. Dadurch wurde Jhon Cordoba direkt viel teurer.
„Solche Effekte gibt es. Wir haben beispielsweise im vergangenen Sommer Schritt für Schritt agiert, als wir uns mit einem Verkauf von Damion Downs beschäftigt und zeitgleich mit Wolfsburg über eine Leihe für Jakub Kaminski verhandelt haben. Da hilft es, wenn Scouting und Kaderplanung vorausschauend agieren und frühzeitig an möglichen Neuzugängen dran sind. Was wir insgesamt anstreben, ist eine Kaderentwicklung, in der immer wieder auch Transfererlöse eintreten.“
Ist Said El Mala die Chance für den FC, die den Club nachhaltig verändern könnte?
„Ob wir den FC kontinuierlich stärker machen, hängt davon ab, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Spieler mit solchem Potenzial häufiger verpflichtet werden. Der FC muss in seiner Breite stärker werden. Wir dürfen nicht die Erwartungshaltung haben, mit einem großen Transfer fünf Stufen auf einmal nehmen zu können.“
Der FC hatte unter Ihnen und Christian Keller eine Gehaltsstruktur mit drei Ebenen eingeführt: dem Talent, dem Kaderspieler und dem Leistungsträger. Wie hat sich diese Struktur inzwischen verändert?
„Verändertes Führungspersonal bringt immer Veränderungen mit, aber die Grundstruktur ist weiter so eingestellt, um eine gewisse Gehaltshygiene zu behalten und eine Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten. Im Niveau müssen wir das aber gemäß unserer Leistungsfähigkeit in der Bundesliga weiterentwickeln. Um ein Beispiel zu nennen: Sollten wir mal einen Spieler für viel Geld verkaufen, wäre ich dagegen, dass wir ein neues Regal für Gehälter einführen, um mit ein, zwei, drei teuren Spielern unser Niveau wieder dauerhaft in den Himmel heben zu wollen. Denn dann würde wieder einiges auseinanderbrechen, woran sich die Spieler gerade orientieren können. Da sind wir gut beraten, sehr vorsichtig an diesen Stellschrauben zu drehen.“
Das eigentliche Bauen wird dann 2027 stattfinden
Philipp TÜroff
Könnte es denn sein, dass eine solche Ablöse auch in die Finanzierung des Leistungszentrums fließt?
„Wir können das Leistungszentrum nur bauen, wenn wir es uns langfristig leisten können. Das müssen wir vernünftig tilgen können, auch dann, sollte der 1. FC Köln noch einmal von einem Abstieg bedroht sein oder gar runter müssen. Es muss blitzsauber gerechnet sein. Wenn ein Transfer mal dazu führen sollte, dass wir etwas flüssiger sind, wäre es aber trotzdem nicht verboten dafür zu sorgen, dass wir etwas weniger Zinsen zahlen müssen. Aber am Ende soll ein Leistungszentrum gebaut werden, damit wir langfristig besser werden. Und das, ohne durch ein solches Projekt andere Investitionen, gerade in den Sport, zu beschränken. Da spüre ich direkt wieder diese Begeisterung, weshalb ich beim FC bleiben will. Wir werden hier ein fantastisches Gebäude errichten und werden gleichzeitig an der Mannschaft weiterarbeiten können.“
Wann soll jetzt eigentlich der Baustart sein? Wann rollen die Bagger? Erst 2027 oder doch schon 2026?
„Wir brauchen noch ein Jahr, bis physische Bautätigkeiten sichtbar werden. Aber der Zug ist losgefahren und hat den Bahnhof verlassen. Wir müssen noch einige Formalitäten erfüllen, weshalb 2026 für mich die Überschrift ‚Planung fertigstellen‘ trägt. Das eigentliche Bauen wird dann 2027 stattfinden.“
Unabhängig von der Platzfrage?
„In dieser Frage ist man tatsächlich überhaupt nicht weitergekommen. Es wäre schön, in der Planungsphase noch eine Lösung für die neuen Plätze zu finden. Also so lange wie der Kunstrasenplatz, auf dem das Leistungszentrum entstehen soll, noch bespielbar ist. Die Not ist nach wie vor nicht gelindert. Das ist maximal übel, dass man bis Ende 2025 noch nicht einen kleinen Schritt vorangekommen ist.“
Was sind Ihre drei großen Wünsche für 2026?
„Für mich persönlich will ich klar sein, dass ich hier weitermachen kann. Das würde mich extrem freuen, wenn sich mit einem mehrjährigen Vertrauen neue Handlungsfelder eröffnen würden. Ich bin überzeugt, dass ich dem FC richtig weiterhelfen kann. Dann wünsche ich mir für die erste Mannschaft den Klassenerhalt. Ich bin überzeugt, dass wir uns gute Voraussetzungen erarbeitet haben und eine tolle Mannschaft haben. Und abschließend wünsche ich mir Stabilität für den FC, damit wir weniger Energie in Wahlkämpfen lassen, sondern uns auf das Wesentliche konzentrieren können.“







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