FC-Talent gegen Dzeko: „Auf solche Kaliber triffst du in einer Top-Liga jede Woche“

Julian Pauli im Trikot von Dynamo Dresden im Zweikampf mit Bielefelds Marius Wörl. (Foto: IMAGO)
Julian Pauli im Trikot von Dynamo Dresden im Zweikampf mit Bielefelds Marius Wörl. (Foto: IMAGO)

Julian Pauli entwickelt sich bei Dynamo Dresden zur festen Größe. Die Leihgabe des 1. FC Köln will sich beweisen, um dann beim FC durchzustarten. Am Samstag kommt es beim FC Schalke 04 zum Duell mit Alt-Star Edin Dzeko. Der GEISSBLOG sprach das FC-Eigengewächs.

Das Interview führte Alexander Haubrichs

Dass es eine schwierige Saison werden würde, war allen bei Aufsteiger Dynamo Dresden bewusst. Auch Julian Pauli, der sich erst mit Verspätung Ende August zum Schritt vom 1. FC Köln an die Elbe entschloss. Der 20-Jährige musste dann auch noch eine Verletzung verarbeiten und konnte danach nicht verhindern, dass der Traditionsclub kurz vor Weihnachten ans Tabellenende rutschte.

Doch der Restart im Januar gelang – mit Pauli als Stammspieler. Vier Siege, ein Unentschieden und drei Niederlagen stehen seit seinem Comeback zu Buche. Eine Quote, mit der der Klassenerhalt in Reichweite scheint. „Das wäre die absolute Krönung dieser Saison“, sagt Pauli, der im Winter gleich abwinkte, als Fragen zu einer vorzeitigen Rückkehr nach Köln aufgrund der Innenverteidiger-Not aufkamen. „Ich hatte das mit Thomas Kessler so besprochen, dass ich das Ding hier durchziehe.“ Nun wartet am Samstag eine spezielle Aufgabe auf ihn: Spitzenreiter FC Schalke 04 mit Sturmstar Edin Džeko.

Julian Pauli im GEISSBLOG-Interview

GEISSBLOG: Julian Pauli, Dynamo Dresden hat vor dem Duell auf Schalke wieder Tuchfühlung zu den sicheren Tabellenplätzen. Wie fühlen Sie sich?
JULIAN PAULI: „Bei allem Aufwärtstrend: Das 1:1 gegen Bielefeld am Wochenende war schon ein bisschen ärgerlich, das haben wir noch nicht ganz verarbeitet. Aber in der neuen Woche geht der Fokus direkt wieder nach vorne.“

Dynamo ist mit 20 Punkten auf Relegationsplatz 16 mittendrin im Abstiegskampf. In der Tabelle gibt es kaum ein richtiges Mittelfeld, selbst Bochum auf Platz neun darf sich mit nur sechs Punkten mehr nicht sicher fühlen. Das wird ein heißes Saisonfinale, oder?
„Definitiv. Nach den letzten Spielen sind wir wieder voll im Rennen und absolut da. Für mich persönlich sind das auch neue Erfahrungen. Es waren ein paar schwierige Wochen vor Weihnachten, aber genau solche Phasen machen einen stärker.“

Sie haben seit der Winterpause konstant gepunktet. Wie schafft man es, so einen Lauf zu konservieren?
„Wir müssen weiter bei unseren Prinzipien bleiben: hinten kompakt stehen, gut verteidigen und vorne unsere Waffen nutzen. Wenn wir das konsequent durchziehen, können wir die nötigen Punkte für den Klassenerhalt holen.“

Winter-Rückkehr zum FC nie ein Thema

Sie haben sich im Sommer für die Leihe nach Dresden entschieden. Wie geht es Ihnen in Dresden?
„Sehr gut. Es ist eine richtig schöne Stadt mit total netten Menschen. Vielleicht hat man am Anfang ein Bedenken, wenn man das erste mal von zu Hause weg geht, aber die sind schnell weg. Ich fühle mich hier pudelwohl. Wenn wir jetzt noch den Klassenerhalt schaffen, wäre das der perfekte Abschluss.“

Beim FC sind viele Innenverteidiger ausgefallen, trotzdem haben Sie schnell gesagt, dass Sie in Dresden bleiben. Warum?
„Für mich war von Anfang an klar, dass ich bewusst zu Dynamo gehe und das hier auch bis zum Ende durchziehe. Ich hatte vorher mehrere Optionen, habe mich aber ganz klar für Dresden entschieden. Egal, wie es ausgeht – ich wollte das mit der Mannschaft durchziehen. Das wusste auch Thomas Kessler. Für meine Entwicklung ist Spielpraxis einfach wichtig, und die bekomme ich hier.“

Wie lehrreich ist so ein Abstiegskampf in der 2. Liga für einen jungen Innenverteidiger?
„Extrem lehrreich. Das ist ein bisschen vergleichbar mit einem Aufstiegskampf, weil der Druck riesig ist. Vielleicht ist Abstiegskampf sogar noch ekliger, weil es um die Existenz des Vereins geht. Gerade als junger Spieler nimmt man daraus unglaublich viele Erfahrungen mit, die einem für die ganze Karriere helfen.“

Pauli trifft auf Dzeko

Dresden hat sich defensiv mit Thomas Keller noch einmal verstärkt. Ist Konkurrenz eher Druck oder Hilfe?
„Er ist definitiv eine Hilfe. Mehr Qualität und Erfahrung tun jeder Mannschaft gut. Man merkt, dass die neuen Jungs Ruhe reinbringen. Aktuell fühlt sich das im Verbund sehr gut an.“

Jetzt wartet mit Schalke und Edin Džeko eine spezielle Aufgabe. Freut man sich als Verteidiger auf solche Duelle?
„Auf jeden Fall. Für solche Spiele lebt man ja. Wenn man irgendwann in den Top-Ligen spielen will, trifft man jede Woche auf solche Kaliber. Da brennt man vielleicht sogar noch ein bisschen mehr.“

Bereitet man sich auf so einen Gegenspieler speziell vor?
„Nicht groß anders als sonst. Klar weiß man, was er für eine Karriere hatte, aber am Ende hat in der 2. Liga jeder Stürmer Qualität. Vielleicht muss man noch wacher sein, weil er extrem clever ist, wie man letztes Wochenende gesehen hat, aber im Grunde behandeln wir das wie jedes Spiel.“

Wiedersehen mit Ljubicic

Auch mit Dejan Ljubičić gibt es ein Wiedersehen. Haben Sie noch Kontakt?
„Ja, wir haben uns in Köln gut verstanden. Ich freue mich, ihn wiederzusehen. Vielleicht quatschen wir nach dem Spiel ein bisschen.“

Wie sehen Ihre Pläne für den Sommer aus? Geht’s zurück nach Köln?
„Stand jetzt, ja. Ab Sommer bin ich wieder beim FC. Aber ehrlich gesagt mache ich mir darüber gerade noch keine großen Gedanken. Mein kompletter Fokus liegt auf Dresden und dem Klassenerhalt. Alles andere kommt danach.“

Das Umfeld in Dresden gilt als extrem emotional, fast wie in Köln. Wie erleben Sie das?
„Vielleicht sogar noch extremer. Man merkt richtig, wie die Stadt für den Verein lebt. Jeder Spieler spürt diese Energie. Das ist schon sehr besonders und erinnert total an den FC.“

Fehlen solche Traditionsstandorte in den „neuen“ Bundesländern in der Bundesliga?
„Auf jeden Fall. Diese Ostvereine bringen immer überragende Stimmung mit. Das wäre schon cool, wenn in Zukunft wieder mehr davon erstklassig spielen würden – am besten natürlich Dynamo.“

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