Der 1. FC Köln hat mit zwei Heimsiegen in Serie einen riesigen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. Entscheidend war das Besinnen auf die Grundtugenden: Der Fight Club ist zurück – und die Fans feiern das.
Ein Kommentar von Alexander Haubrichs
Lukas Kwasnioks Urteil über die zweite Hälfte seiner Mannschaft war einigermaßen vernichtend. „Als Fernsehzuschauer hätte ich wahrscheinlich abgeschaltet. Aber als Trainer hat es mir gefallen.“ Doch da begeht der Trainer des 1. FC Köln einen Fehlschluss, zumindest was die Anhänger seiner Mannschaft angeht.
Denn die Erinnerungen an das „Real Madrid des Westens“ mit Zauberfußball von Wolfgang Overath und Co. sind nur noch pure Nostalgie und taugen allenfalls identitätsstiftend und als Ideengeber für schöne Südkurven-Choreographien. Der FC-Fan von heute ist Kummer gewohnt. Und Leiden. Und er hat schon wesentlich Schlimmeres auf dem Rasen von Müngersdorf gesehen.
Was er aber mindestens genauso goutiert wie tolle Tore von Linton Maina oder spektakuläre Solos von Said Mala ist jener Kampf, den der FC in der zweiten Hälfte in diesem richtungsweisenden Duell gegen am Ende immer stärker werdende Wölfe auf den Rasen brachte.
Sich in jeden Zweikampf schmeissen, sich gegenseitig anfeuern, für eine Grätsche abfeiern, für eine Parade herzen – und das nur wenige Meter vor der Südkurve, die einmal mehr wie eine Wand hinter ihrer Mannschaft stand.
Drei Jahrzehnte im Fahrstuhl härten Fans des 1. FC Köln ab
In nun drei Jahrzehnten im Fahrstuhl zwischen erster und zweiter Liga wissen die Fans längst, dass die herausragende Eigenschaft im Kampf gegen den Abstieg nicht in erster Linie fußballerische Klasse sondern innerer Zusammenhalt, Kampfbereitschaft und Leidensfähigkeit ist.
Und das beweist diese Mannschaft. Es ist die Rückkehr des Fight Clubs: Gemeinsam kämpfen für das große Ziel. Jeder weiß, dass er gebraucht wird, fehlt der eine oder schwächelt der nächste, springt ein anderer in die Bresche. Niemand wird fallen gelassen, ein Ausnahmekönner wie El Mala nimmt seine Reservistenrolle zumindest nach Außen klaglos hin. Und plötzlich wird ein abgeschriebener Linton Maina zum Matchwinner oder der seit seinen Böcken im Derby unglücklich strauchelnde Kristoffer Lund zum absoluten Aktivposten.
Auch wenn jetzt schwierige Wochen für Lukas Kwasniok und seine Mannschaft anstehen und es eine Durststrecke geben könnte: Solange der Fight Club diese Qualitäten auf den Platz bringt, wird niemand den Fernseher abschalten. Zumindest nicht in Köln.





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