Zwei Offensiv-Trainer sind Geschichte: Frankfurter Unruhe als Chance für den FC?

Albert Riera bei der 1:2-Pleite gegen Mainz 05. (Foto: IMAGO / RHR-Foto)
Albert Riera bei der 1:2-Pleite gegen Mainz 05. (Foto: IMAGO / RHR-Foto)

Bei Eintracht Frankfurt knirscht es nach nur wenigen Wochen unter Trainer Albert Riera. Beim 1. FC Köln hingegen wird trotz des Trainer-Wechsels während der Länderspielpause in Ruhe gearbeitet. Treffen zwei gegensätzliche Entwicklungen aufeinander – und eröffnet das dem FC eine Chance am Main?

Die Ausgangslage wirkt auf den ersten Blick eindeutig: Der 1. FC Köln hat in der vergangenen Woche zum achten Mal innerhalb der vergangenen zehn Jahren seinen Trainer entlassen. Albert Riera hat seinen Spielern bei Eintracht Frankfurt hingegen während der Länderspielpause sieben trainingsfreie Tage gegönnt. Und dennoch scheint das Chaos eher bei den Hessen denn bei den Kölnern zu herrschen. 

Zumindest hat es der FC geschafft, den Trainerwechsel weitestgehend geräuschlos über die Bühne zu bringen. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler hat mit der Beförderung von Co-Trainer René Wagner für keinen großen Rundumschlag im Trainerteam gesorgt, dem Chef-Debütanten mit Armin Reutershahn lediglich einen erfahrenen Assistenten und mit Lukas Sinkiewicz einen Ex-Profi an die Seite gestellt. 

Wagner nutzt die spielfreien Tage auf dem Platz

Statt wie Vorgänger Lukas Kwansiok während der letzten Länderspielpause der Saison ebenfalls einige freie Tage zu spendieren, zieht der FC unter Wagner nun durch. Einzig am Wochenende konnten die Kölner einmal durchatmen, ehe von Montag an bis zum Auswärtsspiel bei der Eintracht durchgehend trainiert wird. 

Bei den Frankfurtern, die die sichere Europa-League-Qualifikation inzwischen immer mehr aus den Augen verlieren, ist die Situation hingegen angespannt. Die Kritik an Riera wächst nach nur sieben Spieltagen, intern soll es zwischen Mannschaft und Trainer knirschen. Auch öffentlich äußerten einige Profis bereits Verwunderung. Dicke Luft also am Main, während rein tabellarisch die Situation rund 200 Kilometer nordwestlich von Frankfurt doch deutlich brenzliger ist. 

Riera überrascht mit Aussagen und Entscheidungen

Doch bei der Eintracht sorgt Riera mit seinen Kader-Entscheidungen, beispielsweise Routinier Mario Götze aus dem Aufgebot zu streichen und dafür den 17-jährigen Love Arrhov zu nominieren, seinen öffentlichen Äußerungen inklusive Qualitätsabsprache seiner Mannschaft, sowie seinem Führungsstil für Irritationen. Für den 1. FC Köln könnte genau das am Sonntag womöglich zur Chance werden.

Doch so verlockend das vermeintliche Chaos beim Gegner auch klingt – sportlich präsentiert sich die Eintracht unter Riera bislang erstaunlich stabil. Vor allem im eigenen Stadion: drei Heimspiele, drei Siege, kein Gegentor. Auf ein 3:0 gegen Mönchengladbach folgte ein 2:0 gegen Freiburg, zuletzt ein 1:0 gegen Heidenheim. Eine Serie, die es in dieser Form bei der Eintracht zuvor noch nie gegeben hat: Noch kein Trainer in der Bundesliga-Geschichte Frankfurts gewann seine ersten drei Heimspiele allesamt zu null. 

Frankfurt vor historischem Bestwert

Und mehr noch: Die Hessen sind drauf und dran, einen historischen Bestwert einzustellen. Erstmals überhaupt blieb Frankfurt in 963 Bundesliga-Heimspielen drei Mal in Folge ohne Gegentor – nun winkt gegen den FC sogar die vierte Partie in Serie ohne Gegentreffer. Ein Rekord, der zuletzt 1978 erreicht wurde.

Eine Entwicklung, die eigentlich so gar nicht zum Bild der Spektakel-Eintracht vergangener Jahre passt. Noch unter Dino Toppmöller stand Frankfurt für offene Spiele, viele Tore, hohes Risiko. Im Schnitt fielen über vier Treffer pro Partie. Ein Paradebeispiel dafür: das Hinspiel am 11. Spieltag. Damals gewann Frankfurt in einer wilden Partie mit 4:3 in Köln. Es war das Spiel zweier offensiv denkender Trainer – Toppmöller und Kwasniok. Beide sind inzwischen Geschichte bei ihren Vereinen. Und mit ihnen auch ein Stück weit dieser Ansatz. Frankfurt ist unter Riera deutlich kontrollierter, defensiv stabiler, weniger anfällig. Gleichzeitig aber auch weniger spektakulär.

Frankfurt wird sich auf Überraschung einstellen müssen

Für den FC bedeutet das: Ein erneutes 3:4 wie im Hinspiel erscheint eher unwahrscheinlich. Allein schon, weil Köln selbst stabiler auftreten dürfte. Mit Spielern wie Jahmai Simpson-Pusey, Sebastian Sebulonsen oder Joel Schmied kehren Optionen für die Defensive zurück, die zuletzt gefehlt haben. 

Die Frankfurter werden sich in jedem Fall auf eine Überraschung einstellen müssen. Immerhin lässt René Wagner in dieser Woche fast ausschließlich hinter verschlossenen Türen trainieren. Welchen Ansatz der neue Chef in seinem ersten Bundesliga-Spiel als Hauptverantwortlicher wählt – noch völlig unklar. Sicher scheint jedoch: Trotz neuer Heim- und Defensiv-Stärke ist für den FC in Frankfurt etwas möglich. Auch ohne Spektakel – oder vielleicht sogar gerade deshalb.

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