Platz zehn, nie in Abstiegsnot und zahlreiche Talente auf dem Weg in den Herrenfußball: Die U21 des 1. FC Köln hat eine Saison hinter sich, die vor allem eines war: typisch für eine Nachwuchsmannschaft.
Wer nur auf die Tabelle schaut, sieht bei der U21 des 1. FC Köln zunächst eine unspektakuläre Saison. Mit 45 Punkten beendete die Mannschaft von Trainer Evangelos Sbonias die Spielzeit in der Regionalliga West auf Rang zehn. Weder spielte die Zweitvertretung um den Aufstieg mit, noch geriet sie ernsthaft in Abstiegsgefahr. Der Erfolg der U21 lässt sich jedoch ohnehin nur bedingt am Tabellenplatz messen.
Dabei begann die Spielzeit alles andere als einfach. Nach einem enormen Umbruch im Sommer verlor die Mannschaft vier der ersten fünf Spiele. Nur ein Sieg stand nach fünf Spieltagen auf dem Konto. „Der Umbruch war enorm. Wir hatten eine komplett neue Mannschaft, haben uns in der Ausrichtung nochmals verjüngt und hatten teilweise fünf U19-Spieler in der Startelf“, erklärte Sbonias im Interview auf FC.de. Die Regionalliga sei für eine derart junge Mannschaft „extrem anspruchsvoll“ gewesen. „Hinzu kam der durch den Umbruch erklärbar schlechte Saisonstart mit den ersten fünf Spielen, das war schon herausfordernd.“
Sargis Adamyan ging mit Erfahrung voran
Doch die Reaktion der Mannschaft fiel beeindruckend aus. Es folgten vier Siege in Serie und insgesamt sechs ungeschlagene Spiele. Überhaupt verlief die Saison meist in klaren Phasen: Entweder lief es richtig gut – oder aber die junge Mannschaft zahlte Lehrgeld. Mit dem Abstiegskampf hatte die U21 allerdings zu keinem Zeitpunkt ernsthaft etwas zu tun.
Dass die Kölner trotz des großen Umbruchs stabil blieben, lag auch an einem Spieler, dessen Zukunft eigentlich längst nicht in der Regionalliga hatte liegen sollte. Sargis Adamyan war nach seiner Aussortierung bei den Profis im vergangenen Sommer in die U21 gerückt. Eine Trennung kam trotz mehrerer Gespräche nicht zustande. Statt Frust zu schieben, wurde der Armenier jedoch zum Vorbild. Sieben Tore und zehn Vorlagen machten ihn zum besten Scorer der Mannschaft. Noch wichtiger war jedoch seine Rolle als Führungsspieler für die vielen jungen Talente.
Der größte sportliche Wermutstropfen war die lange Verletzungspause von Malek El Mala. Der Bruder von Bundesliga-Shootingstar Said galt als einer der Hoffnungsträger der Mannschaft, konnte seine Entwicklung durch die Ausfallzeit jedoch nicht kontinuierlich fortsetzen.
Zahlreiche Debüts von U19-Spielern
Gleichzeitig zeigte die Saison einmal mehr, warum die U21 für den FC so wichtig ist. Jonathan Friemel, David Fürst, Luis Stapelmann, Mikolaj Marutzki, Fynn Schenten, Maik Akumu und Cenny Neumann sammelten ihre ersten Erfahrungen im Herrenfußball. Einige feierten ihre Debüts, andere entwickelten sich bereits zu festen Größen in der Regionalliga. Gerade Akumu als jüngerer U19-Jahrgang unterstrich dabei, wie früh der FC seine Talente inzwischen an den Männerfußball heranführt.
„Unsere Ausrichtung ist klar Entwicklung vor Ergebnissen, auch in der Regionalliga West“, sagte Sbonias. Tatsächlich war die Mannschaft beim Durchschnittsalter häufig eher eine U19+ als eine klassische U21. „Da muss man schwierige Phasen aushalten und Fehler zulassen. Umso mehr Respekt habe ich vor der Leistung meiner Mannschaft und meinem Trainerteam. Wir hatten wieder nichts mit dem Abstieg zu tun und waren vor der Winterpause phasenweise sogar dran, oben anzudocken.“
Sbonias feierte Jubiläum
Für den Trainer selbst war die Saison auch persönlich eine besondere. Am letzten Spieltag, ausgerechnet dem enttäuschenden 1:5 gegen den Nachwuchs aus Schalke, stand Sbonias zum 100. Mal bei einem Pflichtspiel der U21 an der Seitenlinie. „Ich würde lügen, wenn ich sage, das macht nichts mit mir“, sagte der Coach. „Es ist nicht selbstverständlich, bei so einem Traditionsverein wie dem 1. FC Köln als U21-Trainer 100 Spiele zu machen.“
Nun steht jedoch bereits der nächste Umbruch bevor. Mit Mikail Özkan, Arda Süne, San-Luca Spitali, Bernie Lennemann, Artem Belousov und Adamyan wurden mehrere Spieler verabschiedet. Andere Talente könnten zu den Profis aufrücken oder verliehen werden. Gleichzeitig stoßen erneut zahlreiche Spieler aus der erfolgreichen U19 nach.
Mannschaft wird wieder ein neues Gesicht bekommen
Für Sbonias gehört das zum Alltag. „Das ist aber auch geplant und normal bei einer U21“, erklärte der Trainer über die anstehenden Veränderungen. Ein ähnlich großer Umbruch wie im vergangenen Sommer sei zwar nicht zu erwarten. Ein neues Gesicht wird die Mannschaft dennoch wieder bekommen.
Genau darin liegt letztlich auch die wichtigste Erkenntnis dieser Saison. Die U21 hat nicht nur die Klasse souverän gehalten. Sie hat ihren eigentlichen Auftrag erfüllt: junge Spieler an den Herrenfußball heranzuführen und sie Schritt für Schritt auf höhere Aufgaben vorzubereiten. Und das ist für den 1. FC Köln am Ende deutlich wertvoller als ein paar Tabellenplätze mehr oder weniger.







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