Radikaler Scouting-Neuaufbau: So verändert der FC die Kaderplanung

Thomas Kessler und Tim Steidten treiben die Kaderplanung des 1. FC Köln voran. (Foto: Bucco)
Thomas Kessler und Tim Steidten treiben die Kaderplanung des 1. FC Köln voran. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln baut die Scouting-Abteilung um. Federführung dafür sind Thomas Kessler und Tim Steidten. Letzterer hat nun seinen Bruder zum FC geholt. Dafür weicht der bisherige Chefscout.

Es war der 12. März 2026, als der 1. FC Köln überraschend verkündete: „FC-Geschäftsführer Thomas Kessler hatte die Neustrukturierung im Bereich Scouting und Kaderplanung bereits angekündigt. Mit Tim Steidten hat er nun einen erfahrenen Experten für die neu geschaffene Position des Direktors Kaderplanung & Recruiting verpflichtet.“ Es sollte der Beginn einer umfassenden Umstellung am Geißbockheim werden.

„Der Bereich ‘Kaderplanung und Recruiting’ ist ein zentraler Baustein unserer sportlichen Ausrichtung beim FC“, sagte Kessler damals. „Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir mit Tim Steidten eine Persönlichkeit für uns gewinnen konnten, die in diesem Bereich über große Erfahrung und ein starkes internationales Netzwerk verfügt. Mit seiner Expertise wollen wir unsere Prozesse weiter schärfen und neue Impulse setzen. Gleichzeitig ist die strukturelle Neuordnung ein wichtiger Schritt, um unsere Kaderplanung künftig noch klarer, vorausschauender und nachhaltig erfolgreich aufzustellen.“

Tim Steidten holt Moritz Steidten zum FC

Knapp drei Monate später ist der Umbau weit vorangeschritten. Nun wurde eine weitere Personalie bekannt. Neben dem 47-jährigen Tim Steidten verpflichtete der FC auch den 38-jährigen Moritz Steidten, den jüngeren Bruder des FC-Kaderplaners. Informationen des GEISSBLOG decken sich mit einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers. Moritz Steidten arbeitet bereits seit mehreren Wochen beim FC und ist Teil des Live-Scouting-Teams der Geißböcke.

Moritz Steidten spielte einst wie sein großer Bruder bei Werder Bremen, dem SV Meppen und dem VfB Oldenburg, ehe er unter der Führung von Sportdirektor Tim Steidten beim SV Werder als Scout arbeitete. Später folgte er ihm ebenfalls zu West Ham United auf die Insel, wo Tim als Technischer Direktor arbeitete und Moritz als Leiter der Scouting-Abteilung des Premier-League-Clubs.

Neuaufstellung der Scouting-Abteilung

Nun wechselten die Brüder gemeinsam zum FC. So einen familiären Doppel-Wechsel gab es beim FC schon einmal, der damals für Aufsehen sorgte. Auch Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke holte einst einen Verwandten als Scout zum FC: Nils Schmadtke bewährte sich und ist heute der Leiter der Scouting-Abteilung beim FC Bayern München.

Beim FC ist man sich zwar bewusst, dass familiäre Bande immer einen Beigeschmack mit sich bringen. Die FC-Bosse sind aber von den Qualitäten beider Steidtens überzeugt und wollen diese nutzen, um das Kölner Scouting auf ein neues Niveau zu heben. Unter Christian Keller hatte der Fokus – auch wegen Steffen Baumgart – zunächst zu sehr auf dem deutschen Markt gelegen. Später schienen Kellers Scouts nicht die nötigen Qualitäten für die Bundesliga finden zu können.

Chefscout bittet um Vertragsauflösung

Nun soll der Fokus sich verschieben – international wollen die Geißböcke viel breiter scouten und den Blick noch mehr auf Talente mit großem Marktwert-Potenzial richten. Auch das Daten-Scouting soll noch mehr in den Fokus geschoben werden. Dafür hätte der FC gerne weiter mit Gabor Ruhr zusammengearbeitet. Doch der bisherige Chefscout verlor im Zuge der personellen Umstellung mit Tim Steidten an der Spitze der Kaderplanung seinen Posten und hätte künftig das Daten- und Video-Scouting verantworten sollen. In dieser Rolle sah er sich aber nicht mehr, sodass er nun um Vertragsauflösung bat. Dem stimmte der FC zu.

Ruhr ist bereits der dritte Scouting-Mitarbeiter, der in den letzten Monaten den FC verlassen hat. Zuvor hatte sich der Club bereits von Cornelius Jäschke (ehemals Döll) und Lennart Strufe getrennt, die von Keller installiert worden waren. Stattdessen holte Kessler mit Martin Schultz den von Keller entlassenen Ex-Chefscout in die Abteilung zurück und zog mit Marco Höger einen Ex-Profi hoch, der zuletzt die Kaderplanung der U21 verantwortete. Zudem kehrte mit Konstantin Rausch ein zweiter Ex-FC-Profi als Scout ans Geißbockheim zurück. Überdies holte der FC Tobias Vierkötter von Fortuna Düsseldorf nach Köln.

Scouting-Veränderungen im Nachwuchs

Derweil erhielt laut Kölnischer Rundschau Leon Neldner, der bis dato im FC-Nachwuchsleistungszentrum für die Suche nach nationalen Talenten zuständig war, Högers Posten bei der U21. Akademie-Chefscout Martin Bülles soll künftig seinen Fokus auf den Leistungsbereich ab U15 bis U19 richten, während Sebastian Kleemann künftig als Teamleiter Scouting und Kaderplanung für die FC-Akademie zuständig sein wird.

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