Der 1. FC Köln hat in der Saisonvorbereitung seltener als zuvor öffentlich trainiert. René Wagner möchte die Fans zwar nicht aussperren, hält diesen Schritt aber für unumgänglich – die Erklärung des FC-Trainers.
Am heutigen Freitag trainiert der 1. FC Köln unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das wäre auch in der Vergangenheit bei nahezu jedem Chefcoach so gewesen, schließlich handelt es sich um die Abschlusseinheit vor dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim. Bei René Wagners Vorgängern lautete die Regel meist: An den beiden Tagen vor einem Pflichtspiel wird geheim trainiert, ansonsten dürfen die Fans zuschauen. Wagner setzte in diesem Sommer jedoch auf ein anderes Vorgehen.
Gerade in der Vorbereitung, wo in den vergangenen Jahren nahezu ausschließlich öffentlich trainiert wurde, fiel auf: Wagner arbeitet mit seiner Mannschaft häufiger als zuvor ohne Publikum. In einigen Wochen, beispielsweise vor der Generalprobe gegen Paderborn, fanden lediglich die erste und die zweite Einheit öffentlich statt. Auf dem Mitgliederstammtisch erklärte Wagner zuletzt die Hintergründe.
Wagner: „Da gehen mir Momente verloren“
„Ich halte es für unheimlich wichtig, dass wir in der Trainingswoche Blöcke finden, in denen wir mit der Mannschaft in Ruhe arbeiten können“, sagte der Kölner Coach, wobei er damit nicht zum Ausdruck bringen wollte, dass Zuschauer stören würden. Aber: „Was meine Arbeit beeinflusst, ist, wenn ich auf dem Platz stehe, mir etwas auffällt und ich es laut und energisch ansprechen möchte. An einem öffentlichen Trainingstag kann die Presse zugucken, es sind Leute dabei, die auf Social Media aktiv sind – dann muss ich aufpassen, was ich zu den Jungs sage.“
Einerseits sollen weniger Inhalte nach außen dringen. „Das sind für mich Interna. Training ist für mich jeden Tag das höchste Gut, das wir haben. Es gibt für mich nichts Größeres als das Training – und das muss beschützt werden.“
Andererseits möchte Wagner keinen seiner Profis bloßstellen. „Allein, wenn ich vor den Jungs etwas Hartes sage, kann das dem Spieler unangenehm sein. Wenn auch noch 1000 Leute drumherum stehen, habe ich immer das Problem, dass ich die Jungs zusammenrufen und es etwas leiser sagen muss. Da gehen mir ein paar Momente verloren, weil ich aktiv trainieren und arbeiten will.“
Kessler: „Geißbockheim soll Begegnungsstätte sein“
Wobei sich Wagner im Klaren darüber ist, dass das zugängliche Training im Grüngürtel beim FC quasi zur DNA gehört. „Nicht falsch verstehen“, sagte der 38-Jährige: „Niemand, der da draußen steht, stört. Ich liebe es, wenn die Jungs, Kinder, Familien oder ältere Herrschaften da draußen stehen – weil das einfach dieser Verein ist.“ Doch: „Ich habe die Verantwortung, die Jungs bestmöglich auf das Wochenende vorzubereiten.“ Und dafür sei es nun mal „nicht immer von Vorteil, wenn bei jedem Training 1000 Leute stehen“. Da bittet der Coach um Verständnis.
„Wir haben sehr intensiv darüber diskutiert“, ergänzte Sportchef Thomas Kessler und versicherte: „Wir sind ein sehr nahbarer Club und extrem stolz darauf. Es will niemand jemanden vom Geißbockheim weghalten – ganz im Gegenteil. Wir werden kein Club, der irgendwann ein Tor an die Berrenrather Straße macht und das zuschiebt. Das Geißbockheim soll die Begegnungsstätte für alle sein, die es mit dem FC halten.“ Man solle also „bitte nicht den Eindruck haben, dass wir die Fans nicht am Geißbockheim haben wollen“. Die vermehrten Geheimtrainings seien allein der professionellen Vorbereitung geschuldet.








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