Thijs Dallinga hat ein spektakuläres Bundesliga-Debüt hingelegt. Der vom FC Bologna ausgeliehene Angreifer avancierte beim 3:2-Sieg gegen die TSG Hoffenheim mit einem Doppelpack zum Matchwinner des 1. FC Köln. So schrieb Dallinga bei seiner Premiere direkt Vereinsgeschichte.
Keine Frage, noch vor wenigen Wochen war Thijs Dallinga für die meisten Fans des 1. FC Köln ein unbeschriebenes Blatt. Doch der Niederländer benötigte nur 17 Bundesliga-Minuten, um sich in die Herzen der Kölner zu katapultieren – um das RheinEnergieStadion zweimal in absolute Ekstase zu versetzen. Lediglich 17 Minuten dauerte es nach Dallingas Einwechslung gegen die TSG Hoffenheim, bis sich der Stürmer mit einem Doppelpack zum Helden des Nachmittags aufschwang.
So schrieb Dallinga in seinem ersten Heimspiel umgehend FC-Geschichte. Nie zuvor hatte ein Kölner bei seinem Bundesliga-Debüt einen Doppelpack erzielt. Der letzte Bundesliga-Profi, der bei seiner Premiere nach einer Einwechslung mindestens zweifach traf, war derweil ein gewisser Erling Haaland. Dem Norweger gelang im ersten Einsatz für den BVB (5:3 in Augsburg im Januar 2020) sogar ein Hattrick.
Schwäbe und El Mala haben klare Forderung an Dallinga
„Das war der perfekte Start für mich und die Mannschaft“, zeigte sich Dallinga nach dem Comeback-Sieg gegen Hoffenheim auch mit einem Doppelpack hochzufrieden. „Ich habe heute zwei Chancen bekommen und war aufmerksam genug, sie beide zu verwandeln. Das ist das, was du als Stürmer willst.“
Seine Mitspieler wussten derweil ebenso, was sie wollen. „Schön wär’s, wenn Thijs dafür heute einen ausgeben würde“, schmunzelte Kapitän Marvin Schwäbe und Said El Mala stellte ebenfalls klar: „Das kostet, ne? Klar muss er was ausgeben.“
Ich bin froh, dass er da ist – er hilft uns sehr weiter.
Said El Mala über Dallinga
Doch natürlich waren die beiden FC-Stars auch voll des Lobes für ihren neuen Teamkollegen. „Er war der absolute Matchwinner. Kommt rein, macht zwei Dinger, dreht das Spiel komplett“, fasste Schwäbe treffend zusammen und versicherte: „Wir wissen um seine Qualitäten im Sechzehner. Die hat er unter Beweis gestellt. Gerne weiter so!“
Auch El Mala hatte kein Problem damit, dass ihm ausnahmsweise die Show gestohlen wurde. „Thijs ist ein super Junge. Vom ersten Tag an hat er super bei uns reingepasst. Er hat Qualitäten in der Box, da ist er eiskalt. Ich bin froh, dass er da ist – er hilft uns sehr weiter.“
Dallinga: „Dafür bin ich nach Köln gekommen“
Mit El Mala ist Kölns Torjäger geblieben. Doch nach dem Verlust von Jakub Kaminski, der sich Platz zwei in der internen Scorer-Tabelle mit Ragnar Ache teilte, benötigt der FC noch andere Spieler, die Treffer garantieren. „Dafür bin ich nach Köln gekommen, um Tore zu schießen“, versprach Dallinga nach dem Sieg gegen Hoffenheim.
Nach Vorarbeit von Linton Maina erzielte der am Fünfmeterraum lauernde Angreifer sieben Minuten nach seiner Einwechslung zunächst das 2:2, zehn Minuten später nach einer Pingpong-Situation den umjubelten 3:2-Siegtreffer – jeweils mit dem ersten Kontakt. „Das war Instinkt, ich habe solche Situationen schon so häufig erlebt. Du musst im Strafraum so schnell wie möglich schießen, wenn du die Chance bekommst.“
Nach seinen beiden Saisons in Italien wäre er „nicht in Panik verfallen“, wenn er nicht sofort getroffen hätte – für Bologna waren Dallinga in zwei Jahren in der Serie A nur fünf Tore gelungen. „Aber es hilft natürlich und ich hoffe, dass ich so weitermachen kann“, will der 26-Jährige an seinen Traumstart beim FC anknüpfen.
Dallinga: „Ich habe Gänsehaut bekommen“
Wer Dallingas großen Jubel vor der Südkurve gesehen hat, wusste direkt: Das will der Neuzugang von nun an regelmäßig erleben. „Ich habe Gänsehaut bekommen, als ich getroffen habe. Ich liebe die Atmosphäre mit den Fans.“ Schon in der ersten Halbzeit hatte er zu Landsmann Rav van den Berg auf der Bank gesagt, „wie geil es wäre, vor den Fans heute zu treffen“. Kurz nach seiner Einwechslung war der Konjunktiv gestrichen. „Es war toll, das zu erleben – und ich hoffe, dass ich es noch häufig erleben darf. Ich habe großen Hunger, der Mannschaft weiter so zu helfen.“
Thomas Kessler wollte jedoch auch den Einfluss von Dallingas Vorgänger nicht unter den Teppich kehren: „Ragnar Ache hat sich für die Mannschaft aufgeopfert.“ Der Start-Stürmer rieb sich bis zur 65. Minute auf – bis er für Joker Dallinga Platz machte. „Es war schön zu sehen, dass wir dann einen Spieler bringen können, der das eins zu eins übernehmen kann“, machte der FC-Sportchef darauf aufmerksam, dass der FC erstmals seit Jahren über zwei klassische Neuner verfügt.
Wobei Dallinga die 27 auf dem Rücken trägt – beim FC inzwischen ebenfalls eine klassische Stürmer-Nummer. Und sein Debüt deutet darauf hin, dass der gebürtige Groninger eher an die Quote eines Anthony Modeste anknüpfen kann als an jene von Imad Rondic.
Es ist schön zu sehen, dass er im eigenen Wohnzimmer den Leuten zeigen konnte, warum wir ihn geholt haben.
Thomas Kessler
„Er ist körperlich sehr stark, auch in der Box. All das wussten wir“, sagte Kessler über seinen Neuzugang, ließ aber auch nicht unerwähnt, dass bei Torjägern das Momentum entscheidend ist. „Wie es bei Stürmern manchmal so ist: Du musst die Chancen dann auch nutzen.“ So wie Dallinga gegen Hoffenheim. „Wie er beim ersten Tor mit voller Überzeugung auf den ersten Pfosten läuft, auch deshalb haben wir ihn verpflichtet und es ist schön zu sehen, dass er im eigenen Wohnzimmer den Leuten zeigen konnte, warum wir ihn geholt haben.“
Geholt wurde Dallinga zunächst per Leihe für eine Saison. Doch Kessler und Kaderplaner Tim Steidten sicherten dem FC eine Kaufoption, die dem Vernehmen nach bei elf Millionen Euro liegen soll. Eine stattliche Summe. Aber keine, die ganz aus der Luft gegriffen scheint, das lässt sich nach Samstag schon erahnen.
Wagner: „Ein Mehrwert für unsere Mannschaft“
Zumal Dallinga seine Torjägerqualitäten in der Vergangenheit ausreichend unter Beweis gestellt hat, seiner dürftigen Quote in der Serie A zum Trotz. In der französischen Ligue 1 hatte er für Toulouse zuvor jeweils zweistellig getroffen. Hinzu kommen internationale Erfahrungen aus 27 Partien (acht Tore) in der Europa League und der Champions League sowie ein Länderspiel.
Ein Doppelpack beim Liga-Debüt war jedoch auch für Dallinga ein Novum – das René Wagner nicht überraschte. „Erstaunt war ich gar nicht. Er hat in der Woche schon gezeigt: Wenn er in der Box ist, ist er brandgefährlich und ein Mehrwert für unsere Mannschaft.“ Der FC-Trainer verriet am Samstag: „Er hat mir das Versprechen gegeben: Wenn er da ankommt, wird er Tore machen. Das hat er heute eindrucksvoll bewiesen.“
Dallinga löste sein Versprechen im Eiltempo ein – und die Forderung seiner Mitspieler, nach dem Doppelpack doch bitte einen auszugeben, dürfte er ebenso schnell erfüllen. Wenn das nicht sogar schon am Samstagabend der Fall war.








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