Besorgniserregender Ausblick: Jetzt muss der FC überraschen

Trainer Wagner und Sportchef Kessler schauen skeptisch.
Alarmierender Ausblick: Auf den 1. FC Köln um Trainer René Wagner und Sportchef Thomas Kessler warten schwere Wochen. Foto: imago/De Fodi

Noch stimmt die Punktausbeute des 1. FC Köln, zumindest auf dem Papier. Doch angesichts der bevorstehenden Prüfungen kann das schnell kippen. Es geht fast ausschließlich gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte. Die Situation im Abstiegskampf ist knifflig.

Die Ziele des 1. FC Köln vor dieser Bundesliga-Saison waren übersichtlich. Natürlich stand vor allem anderen der neuerliche Klassenerhalt. Aber ein weiterer, konkreter Satz von Sportchef Thomas Kessler blieb in Erinnerung: „Dass 32 Punkte für uns nicht der Maßstab sein sollten, ist, glaube ich, jedem klar.“ 

Zumindest rechnerisch ist die Mannschaft von René Wagner nach dem achten Spieltag und dem 1:1 bei Union Berlin mit neun Punkten da im Soll. Bliebe es bei dieser Quote, stünden am Ende rund 38 Punkte auf der Habenseite, eine Ausbeute, die zuletzt 1998 den Karlsruher SC in die Zweitklassigkeit stürzte – damals gab es allerdings drei direkte Absteiger. Auch Tabellenplatz 13 würde wohl jeder FC-Verantwortliche zum jetzigen Zeitpunkt nach Saisonende akzeptieren.

Fast alle „schwachen“ Gegner gespielt

Doch es ist keineswegs ausgemacht, dass es so weitergeht. Denn ein Blick auf die Tabelle zeigt: Mit Ausnahme des SC Paderborn hat der 1. FC Köln gegen alle Teams von Platz 11 abwärts bereits gespielt. Aus den Top 10 dagegen trat die Wagner-Elf bislang lediglich gegen den SV Werder Bremen und Eintracht Frankfurt an.

In den nächsten Wochen steigert sich dann die Qualität der Gegner sprunghaft. Gegen Bayer Leverkusen kann man darauf hoffen, dass die Werkself angeschlagen aus der Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart kommt. Dann geht es zum FC Bayern, ehe man Sensations-Aufsteiger SV Elversberg in Müngersdorf empfängt.

Nach der Pflichtaufgabe im Pokal-Achtelfinale bei Holstein Kiel warten dann mit dem FC Augsburg (A), RB Leipzig (H) und Mainz 05 (A) im Dezember noch drei weitere knifflige Partien auf den FC. Zum Abschluss der Hinserie warten im Januar dann noch zwei schwere Heimspiele gegen den SC Freiburg und Borussia Dortmund sowie das Auswärtsspiel beim SC Paderborn am 17. Spieltag.

Kein Freibrief für Trainer René Wagner

Kein Wunder, dass Sportchef Thomas Kessler vor dem Spiel gegen Union Berlin keinen Freibrief für René Wagner ausstellen wollte, als er nach einer Jobgarantie bis zur Winterpause gefragt wurde. „Am Ende geht es um die Entwicklung. Ich sehe ihn in der täglichen Arbeit mit seinem Trainerteam und bin da sehr zufrieden. Was in den letzten Wochen kritisiert wurde, war, dass wir im letzten Drittel nicht so kreativ waren, wie wir uns das vorstellen. Was mir zu kurz kommt, ist, dass zwei unserer Topstürmer ausgefallen sind.“

Allerdings war Wagners mutlose Aufstellung und der entsprechende Auftritt ein Schritt in die falsche Richtung. Hätte Malek El Mala nicht noch getroffen, der FC wäre erstmals in diesem Jahr auf den Relegationsplatz abgerutscht. Insgesamt stimmen die Auftritte auswärts weiter befremdlich, selbst gegen einen Gegner, den man unter der Woche aus dem eigenen Stadion geschossen hatte, trat der FC seltsam ängstlich auf.

1. FC Köln: Als Außenseiter mehr Platz für El Mala & Co.?

Hoffnung macht allenfalls, dass die kommenden Gegner öfter selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen werden, als dem FC den Ball zu überlassen, damit der seine Ideenlosigkeit zur Schau stellt. Das könnte Individualisten wie Said El Mala oder Mikey Rooney mehr Raum für Einzelaktionen haben sollten.  

Aber in diesen Spielen steht auch die mühsam erarbeitete defensive Stabilität wieder auf dem Prüfstand. Da warten in den nächsten Wochen andere Kaliber als Union, die gegen den FC zum siebten Mal in dieser Saison trafen oder Aufsteiger Schalke mit seinen kümmerlichen vier Toren. 

Bleibt als Resümée: Hält die Quote, kann der FC alle seine Saisonziele erreichen. Dafür muss er aber sein Pokalgesicht zeigen und nicht auftreten wie das Kommando Hasenfuß aus der Alten Försterei.

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