Natürlich ist ein 5:0-Feuerwerk für den 1. FC Köln keine Normalität. Doch nach der Pokal-Gala gegen Union Berlin fehlte es den Geißböcke im Bundesliga-Auswärtsspiel bei den Eisernen am nötigen Mut.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Schon eine Stunde vor dem Anpfiff der Partie des 1. FC Köln bei Union Berlin am Sonntag schwante vielen FC-Fans nichts Gutes: Der Grund war die Aufstellung der Geißböcke. Cheftrainer René Wagner hatte sich für zwei Wechsel im Vergleich zum Pokalspiel entschieden. Und beide Wechsel standen vor allem für eines: für Arbeit statt Finesse.
Der Wechsel von Sebastian Sebulonsen gegen Alessio Castro-Montes war noch nachvollziehbar: Der Belgier ist verletzungsanfällig, muss in seiner Belastung gesteuert werden, vor allem in einer Englischen Woche. Der Norweger hingegen hat hohes Tempo und kann bei Standards verteidigen – zwei wichtige Kriterien, wenn man auf Union trifft.
So findet Moore nicht zu seinem Rhythmus
Dass Mikey Moore aber auf der Bank sitzen musste und Isak Johannesson begann, war zumindest für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar. Zwar wartet der 19-Jährige weiter auf seinen Durchbruch. Doch er ist neben Said El Mala fraglos einer der beiden besten Fußballer im Kader. Wenn er bald mal zu seinem Rhythmus finden soll, um der Unterschiedsspieler zu werden, der er sein kann, braucht er vor allem eines: Spielpraxis.
Stattdessen kam Johannesson zu seiner nächsten Chance. Der Isländer findet den besagten Rhythmus allerdings schon seit 15 Monaten beim FC nicht, ist bislang zwar Mister Pokal, doch am Sonntag fiel er nur durch sehr viel Laufarbeit auf. Sobald der Ball ins Spiel kam – und dies war erstaunlich selten der Fall für einen zentralen Mittelfeldspieler –, wirkte Johannesson noch ratloser als seine Mitspieler.
Mut wird meistens belohnt
Natürlich waren die beiden Personalwechsel nicht die einzigen Gründe für den offensivschwachen Auftritt in Berlin. Dennoch stand der FC bis zur 73. Minute in Köpenick bei einem geradezu lächerlichen xGoals-Wert von 0,19. Und das trotz 65 Prozent Ballbesitz. Den Geißböcken fehlte jegliche Idee, jegliche Inspiration, jegliche Dynamik, die es gebraucht hätte.
Kämpfen, nicht spielen – so wirkte das Kölner Motto über weite Strecken der Partie. Und das ohne Not. Was für ein Rückschritt nach dem begeisternden 5:0 unter der Woche! Warum so mutlos? Warum nicht dasselbe Risiko wie im Hinspiel? Warum nicht von Minute eins an der Versuch, den verunsicherten Gegner zu erdrücken? Stattdessen wurde man selbst erdrückt. Bis der Mut der Verzweiflung in der Schlussphase die Wende brachte. Mut wird eben meistens belohnt.








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