„Geschäft mit Schattenseiten“: Ex-Boss gibt Einblick in FC-Gehälter – kein neuer Club?

Ex-FC-Geschäftsführer Christian Keller (r.) mit seinem Nachfolger Thomas Kessler. (Foto: Bucco)
Ex-FC-Geschäftsführer Christian Keller (r.) mit seinem Nachfolger Thomas Kessler. (Foto: Bucco)

Seit seinem Abschied vom 1. FC Köln ist Christian Keller von der Fußballbühne verschwunden. Und womöglich bleibt das auch so. Das sagt der Ex-Geschäftsführer der Geißböcke über eine Rückkehr ins Geschäft und seine Arbeit beim FC.

Knapp eineinhalb Jahre liegt Christian Kellers Aus beim 1. FC Köln inzwischen zurück. Als sich der Sportchef im Mai 2025 weigerte, Trainer Gerhard Struber zu entlassen, musste er nach drei Jahren am Geißbockheim ebenfalls gehen. Anschließend wurde der 47-Jährige unter anderem bei Hertha BSC gehandelt, entschied sich jedoch für eine Auszeit vom Fußballbusiness.

„Im Profifußball zu arbeiten, ist ein Privileg und war mein Kindheitstraum“, erzählt Keller nun in einem Interview mit The Beautiful Business. Nachdem absehbar war, dass eine Laufbahn auf dem Rasen nicht klappen wird, „war es mein Ziel, eine Position in einem Fußballverein zu bekleiden – im Idealfall ganz oben.“

Keller lässt Rückkehr offen

2013 wurde Keller Geschäftsführer des SSV Jahn Regensburg, 2022 heuerte er beim FC an. „Ich bin dankbar, dass ich dies zwölf Jahre lang tun durfte“, sagt Keller jetzt und deutet an, dass womöglich keine weitere Station folgen wird: „Es ist auch ein Geschäft mit Schattenseiten. Heute bestimme ich selbst, wie ich meine Zeit verbringe, meine Wochen dauern nicht mehr 70 Stunden oder mehr. Ich habe Raum für ein normales Leben, ohne eine Person des öffentlichen Lebens zu sein.“ Keller lässt sich daher alles offen: „Ob ich wieder eine Vereinsfunktion übernehmen werde, kann ich noch nicht sagen.“

Seine drei Jahre beim FC waren von der Suche nach der richtigen Balance zwischen finanzieller Sanierung und sportlichem Erfolg geprägt. Insbesondere in der Abstiegssaison 2023/24, in der die Kölner im Winter obendrein die Bestätigung der Transfersperre hinnehmen mussten, misslang dieser Spagat völlig. Die Verbindlichkeiten sanken im Eiltempo, die Qualität im Kader jedoch auch.

Für einen Verein, der aus der 2. Liga aufgestiegen war, war es höchst ungewöhnlich, rund 30 Millionen Euro aus eigenen Mitteln für Spielertransfers investieren zu können.

Christian Keller

Keller rückblickend: „Wir sind abgestiegen, und die Transfersperre war sicherlich der Hauptgrund dafür, da wir auf dem Transfermarkt nicht reagieren konnten.“ Zumindest im Winter nicht, vor der Saison im Sommer schon. Der Ex-Sportboss zeigt sich „überzeugt, dass ein paar kleine Investitionen unseren Verbleib in der Liga gesichert hätten, auch wenn ich das im Nachhinein nicht beweisen kann“.

Nach dem Wiederaufstieg, kurz nach Kellers Freistellung, profitierte der FC dann erstmals von den neu geschaffenen finanziellen Spielräumen. „Nach etwa drei Jahren, im Sommer 2025, hatten wir den Verein vollständig saniert“, will Keller die größte Errungenschaft seiner Amtszeit natürlich nicht untergehen lassen. „Für einen Verein, der aus der 2. Liga aufgestiegen war, war es im Sommer-Transferfenster 2025 höchst ungewöhnlich, rund 30 Millionen Euro aus eigenen Mitteln für Spielertransfers investieren zu können.“

Keller gibt Einblick in die FC-Gehälter

Auffällig: Das Thema Gehaltsobergrenze hatte Keller in der Vergangenheit stets heruntergespielt und beispielsweise 2023 im Doppelpass gesagt: „Das wird mir viel zu hoch gekocht. Zum Schluss hat jeder Club irgendwo eine Gehaltsobergrenze, weil immer einer am meisten verdient – da ist die Grenze.“

In der Retrospektive nennt er die gedeckelten Löhne nun als Hauptinstrument für die Sanierung. Keller gibt Einblicke: „Wir haben eine Gehaltsobergrenze eingeführt, die mehr als 50 Prozent unter den bisherigen Gehältern der Topverdiener lag. Da bestehende Verträge nicht geändert werden können, haben wir die Topverdiener auf den Transfermarkt gesetzt und verkauft. Die Obergrenze galt für neue Verträge.“

Zudem habe man „bestimmte Bonusregelungen abgeschafft und die Boni viel enger an die Ergebnisse gekoppelt“. Heißt: „Früher konnte das Gehalt allein dadurch steigen, dass ein Spieler eine bestimmte Anzahl von Einsätzen hatte, was nichts mit der Leistung zu tun hat. Ein Spieler kann zehnmal spielen, während die Mannschaft jedes Spiel verliert.“ Selbstredend habe man auch „aufgehört, nennenswerte Ablösesummen auszugeben, vor allem, weil wir uns diese nicht leisten konnten“. Kellers Maßnahmen und das Tempo ihrer Umsetzung werden rund ums Geißbockheim auch im Rückblick ein Reizthema bleiben.

Nichts vom FC verpassen: Macht den GEISSBLOG zu eurer bevorzugten Quelle bei Google.
Ein Klick, ein Häkchen, mehr nicht: GEISSBLOG als bevorzugte Quelle hinzufügen →

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

DISKUTIER MIT!

Willkommen im Kommentarbereich des GEISSBLOG!
Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
9 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertete