Kessler tritt aus dem Schatten und distanziert sich von Keller

Thomas Kessler mit dem Ex-Sportchef Christian Keller. (Foto: Bucco)
Thomas Kessler mit dem Ex-Sportchef Christian Keller. (Foto: Bucco)

Nach vier Jahren als Nummer zwei beim 1. FC Köln tritt Thomas Kessler nun – zumindest für kurze Zeit – aus dem Schatten. Kann der 39-Jährige zeigen, dass sein Profil zu Unrecht gelitten hat?

Mit der Freistellung von Sport-Geschäftsführer Christian Keller bricht beim 1. FC Köln einmal mehr eine neue Zeit an. Drei Jahre hatte der 46-Jährige die Geschicke beim FC dominiert wie vor ihm zuletzt nur Jörg Schmadtke. Keller hatte vom Vorstand eine Art Generalvollmacht erhalten und diese umfassend genutzt.

Das Problem: Während er in Regensburg zumindest zu seiner Zeit vor Ort einen beachtlichen Erfolg hatte herbeiführen können, gelang ihm dies in Köln nicht. Beim Jahn brach das Kartenhaus nach Kellers Abschied schnell wieder in sich zusammen. Beim FC stand bislang nur die unterste Reihe, und selbst über die Stabilität dieses Fundaments wird seit Baubeginn heftig gestritten.

Kessler sagte wenig und hatte wenig zu sagen

Keller hinterlässt fraglos zwei große Erfolge. Die finanzielle und infrastrukturelle Sanierung wird dem Club nachhaltig helfen. Im Sport jedoch, Kellers Kerngebiet, liegt vieles brach. Viel Know-how wurde abgegeben, indem Keller langjährige FC-Mitarbeiter entließ, und sollte anderweitig aufgebaut werden, indem er alte Wegbegleiter einstellte. Einer der Wenigen, die bleiben durften, soll nun den Übergang für einen Neuanfang schaffen: Thomas Kessler.

Der ehemalige Torhüter darf sich nun Sportdirektor nennen. Drei Jahre war er unter Keller als „Bereichsleiter Lizenzfußball“ mehr ein Erfüllungsgehilfe des Sportchefs gewesen. Entsprechend kritisch sahen ihn so manche FC-Fans. Er durfte zwar eng mit der Mannschaft arbeiten und seine Meinung zur Kaderplanung abgeben, die Entscheidungen aber traf Keller. Auf Pressekonferenzen sagte er wenig, und auch intern hatte der 39-Jährige offenbar wenig zu sagen.

„Jetzt die Befugnis“: Kessler wählt klare Worte

Daraus machte der Ex-Profi am Montag auch kein Geheimnis mehr. „Ich habe jetzt die Befugnis, aus eigener Kraft heraus Entscheidungen im Sport zu treffen. Ich arbeite niemandem mehr zu, sondern arbeite mit meinem Team zusammen und stehe diesem Team vor. Auf dieser Grundlage werde ich die Entscheidungen in den nächsten Wochen treffen.“ Drei Jahre hatte Kessler loyal zu Keller gestanden. Nun tritt er offenbar ganz bewusst aus dessen Schatten.

Kessler hatte 2021 als Zuarbeiter für Interims-Sportchef Jörg Jakobs den ersten Schritt in sportliche Verantwortung gemacht, hatte damals aber selbst betont, dass er viel zu lernen habe. Dann kam Keller, Jakobs rückte zurück in seine Beraterrolle beim Vorstand und Kessler blieb auf seinem Posten. Wiederum drei Jahre später ist Kessler erstmals selbst Sportchef, zumindest vorübergehend.

Kessler wird sich von Keller absetzen wollen

Wie lange die Suche nach einem neuen Sport-Geschäftsführer dauern wird, ist offen. Der Noch-Vorstand müsste sich eigentlich beeilen. Schließlich muss der FC einen neuen Trainer verpflichten und den nächsten Kader planen. Kessler wird dabei die Vorarbeit seines Vorgängers ebenso fortführen wie die Arbeit der Scouting-Abteilung. Man muss aber kein Prophet sein, dass Kessler einiges anders sehen dürfte als Keller – und damit auch andere Schwerpunkte setzen wird.

So bekommt der 39-Jährige, der 2022 beim DFB den Lehrgang „Management im Profifußball“ abgeschlossen hatte, nun erstmals die Chance sein Profil zu schärfen. Nun steht Kessler in der ersten Reihe jenes Clubs, für den er inzwischen 25 Jahre lebt, spielt und arbeitet. Viel mehr FC geht also nicht. Was es aber braucht, sind die richtigen Entscheidungen. Keller konnte diese nicht mehr treffen. Nun soll es Kessler besser machen.

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