Bitteres Abschiedsgeschenk: Der FC muss sich wieder der Realität stellen

Ex-Sportchef Christian Keller vor der FC-Akademie am Geißbockheim. (Foto: Bucco)
Ex-Sportchef Christian Keller vor der FC-Akademie am Geißbockheim. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln verliert mit Justin von der Hitz das nächste Top-Talent ablösefrei. Der Abschied des 18-Jährigen ist ein erneuter Tiefschlag und zeigt noch einmal, was unter Sportchef Christian Keller falsch gelaufen ist.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Der 1. FC Köln erleidet mit dem Verlust von Justin von der Hitz die nächste Niederlage im Kampf um eigene Talente. Dabei sollte mit Sportchef Christian Keller gerade im Bereich der Nachwuchsförderung alles besser werden. Tatsächlich schafften einige Talente den Sprung nach oben. Doch zur Wahrheit gehört auch: Seit Jahren laufen den Geißböcken immer wieder Top-Talente davon.

Die Liste ist lang: Jens Castrop, Justin Diehl und Tim Lemperle sind nur die prominentesten Namen. Darüber hinaus wurde Jonas Urbig vergrault. Max Finkgräfe wurde in dieser Saison kaum besser behandelt und denkt ebenfalls über einen Abschied nach. Nun also geht auch ein U17-Weltmeister. Und das, obwohl der FC eigentlich in der Pole Position war.

FC zögert zu lange bei U17-Weltmeistern

Doch es hatte Warnsignale gegeben. Bereits direkt nach dem Titelgewinn der deutschen Mannschaft wurden Forderungen laut, von der Hitz und seinem Teamkollegen Fayssal Harchaoui umgehend längerfristige Verträge zu geben. Während andere Clubs ihre U17-Weltmeister direkt zu den Profis beförderten, unterschrieb Harchaoui aber erst ein halbes Jahr später beim FC. Von der Hitz unterschrieb dagegen gar nicht, weil man dem Rechtsaußen lange überhaupt keine Verlängerung anbot.

Stattdessen passierte das, was unter Christian Keller immer wieder geschehen ist: Ein Top-Talent ging mit einem auslaufenden Vertrag in seine letzte Saison. Genau das, was jeder Club in der Regel versucht zu vermeiden. Statt umgehend zu handeln, ließ man die Probleme nur anwachsen. Denn Keller hatte für den FC-Nachwuchs zwar ein internes Förderprogramm für Fokusspieler aufgelegt, doch mit einer Einschränkung: Kein Talent – egal, wie wertvoll – durfte in dieses Programm aufgenommen werden, wenn sein Vertrag auslief.

Kellers Vorgaben verhinderten Förderung

Statt von der Hitz also zusätzlich zu fördern, ihn zu locken, ihn zu umgarnen und ihm die Chancen für seine Zukunft durch intensive Betreuung aufzuzeigen, wurde ihm mitgeteilt, dass er diese Vorteile nur genießen würde, sofern er verlängerte. Kellers Vorgabe lautete: Erst musste sich ein Talent zum FC bekennen, dann wurde es auch besonders gefördert.

Die gleiche Herangehensweise vollzog Keller bekanntlich bei den Vertragsgestaltungen. Nachwuchsspieler bekamen ausnahmslos ein niedriges Gehalt, und selbst wenn sie mit ihren Leistungen anschließend zeigten, dass sie zu Höherem berufen sein könnten, wurde das Gehalt nicht nach oben korrigiert. So passiert bei Tim Lemperle, so passiert bei Damion Downs, so passiert bei Julian Pauli.

Der FC muss den Dilettantismus beenden

Der Ärger im FC-Nachwuchs über den Von-der-Hitz-Abgang ist riesig. Der Spieler hätte gehalten werden können. Dazu hätte es nicht mehr viel bedurft. Am Ende scheiterte es aber ebenso an Kellers Verhandlungstaktik wie an den verheerenden Aussagen von Cheftrainer Gerhard Struber im März, der den Spieler noch gar nicht richtig zu kennen schien („Justin ist noch ganz frisch für mich. Dass er in absehbarer Zeit ein Spieler für uns sein wird, sehe ich sehr kritisch“). Wer so dilettantisch mit einem der größten U19-Talente im Club umgeht, muss sich über eine Absage nicht wundern.

Keller wollte beim FC Werte aufbauen. Stattdessen hat er Werte vernichtet. Der FC muss sich nun wieder der Realität stellen. Diese heißt zwar ausdrücklich nicht, Spielern jede Summe zu zahlen, die diese verlangen. Doch der FC muss wieder ein verlässlicher Partner in Vertragsgesprächen werden, der bereit ist, in die Perspektive und das Talent seiner Spieler zu investieren. Nur so werden die Geißböcke in der Lage sein, ihre größten Talente und besten Spieler zumindest so lange an sich zu binden, dass man sie später für eine lukrative Ablöse verkaufen kann.

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