„Genug bestraft!“ Funkels Machtwort bei Lemperle – Entscheidung vertagt

Tim Lemperle sprintete nach dem Training in die Kabine. (Foto: GEISSBLOG)
Tim Lemperle sprintete nach dem Training in die Kabine. (Foto: GEISSBLOG)

Erst der Skandal, dann der Aufstieg? Tim Lemperle soll am Sonntagnachmittag gegen den 1. FC Kaiserslautern trotz seines Eklats im Kader des 1. FC Köln stehen – sollte sein Knie einen Einsatz zulassen. Friedhelm Funkel hat ein Machtwort gesprochen.

An seinen Sprintqualitäten sollte ein Einsatz gegen Kaiserslautern nicht scheitern. Nach seiner Rückkehr ins Mannschaftstraining am Freitagvormittag hatte es Tim Lemperle eilig; als die Einheit beendet war, rannte der Stürmer des 1. FC Köln an den wenigen wartenden Fans und Autogrammjägern vorbei in die Kabine – wollte so wohl sämtlichen Kontaktaufnahmen aus dem Weg gehen.

Die zahlreichen Fragen zu Lemperles Zustand, fünf Tage nach dessen Party-Skandal auf dem Eventschiff Rhein Roxy, beantwortete gut zwei Stunden später Friedhelm Funkel. Auf der Spieltags-Pressekonferenz vor dem Saisonfinale gegen Kaiserslautern verkündete der FC-Trainer, dass noch keine Kader-Entscheidung gefallen sei – allerdings nicht wegen des Eklats und Lemperles Nasenbeinbruch.

Lemperles Knie entscheidet

„Tim hat heute das erste Mal ein bisschen mit der Mannschaft trainiert. Er hat noch leichte Probleme am Knie“, erklärte Funkel und vertagte seine Wahl daher: „Wir warten die Reaktion morgen ab und dann entscheiden wir, ob er dabei ist oder nicht.“

Das rechte Knie des Zehn-Tore-Stürmers hatte schon in den vergangenen Wochen immer wieder Probleme bereitet, mehrfach hatte Lemperle mit dem Training pausieren müssen. Am Freitag stand der 23-Jährige nun nicht nur mit einer Spezialmaske wegen seiner Gesichtsverletzung, sondern auch mit diversen Tapes auf dem Rasen – sowohl am Knie als auch im Nacken.

Tim Lemperle trainierte mit getapten Knie. (Foto: GEISSBLOG)
Tim Lemperle trainierte mit getapten Knie. (Foto: GEISSBLOG)

Was Funkel definitiv klarstellte: Die Eskapaden des vergangenen Wochenendes werden Lemperles Einsatz im Aufstiegsendspiel nicht verhindern, vom Club droht nur eine Geldstrafe. „In der Öffentlichkeit ist vieles sehr heftig kritisiert worden – zu Recht auch, das war nicht gut, was Tim gemacht hat. Aber er hat seinen Fehler eingestanden und die Mannschaft hat das akzeptiert. Er hat viel Reue gezeigt, das muss ich ganz klar sagen. Da gibt es keinen Bruch.“ Die mannschaftliche Geschlossenheit, die Funkel in dieser Form „selten“ erlebt habe, habe „darunter überhaupt nicht gelitten“.

Der 71-Jährige habe sich in den vergangenen Tagen auch mit dem Mannschaftsrat um Kapitän Timo Hübers ausgetauscht. Sollte er Lemperle in den Kader berufen, wäre das „kein Alleingang“ – die Führungsspieler seien genau seiner Meinung gewesen: „Es war nicht in Ordnung, was Tim gemacht hat, aber es muss irgendwann ein Schlussstrich gezogen werden“, so Funkels Machtwort: „Tim wurde genug bestraft, körperlich und durch die medialen Begleiterscheinungen. Moralisch ist das für mich überhaupt kein Problem, ihm Spielzeit zu geben.“ Generell gelte: „Die sportlichen Entscheidungen treffe ich!“

Funkel ordnet alles dem Aufstieg unter

Vom Publikum wünscht sich der FC-Trainer einen gnädigen Umgang mit dem Angreifer, der sich nach Saisonende zur TSG Hoffenheim verabschieden wird: „Ich glaube, wir alle wollen aufsteigen. Auch ich war verärgert über den Vorfall, aber es gibt nur ein Ziel: Das Spiel zu gewinnen. Dem ordnen wir alles unter. Das ist der Appell, den ich an alle richte: Nehmt die Situation an, wie sie ist, und lasst uns gemeinsam aufsteigen. Jeder Spieler, der auf dem Platz steht, braucht die Unterstützung.“

Mitnichten ist der Aufstieg dadurch gefährdet.

Friedhelm Funkel

Ob Lemperle, sollte es sein Knie zulassen, ein Startelf-Kandidat wäre oder eher von der Bank kommen würde, ließ Funkel derweil offen: „Das warten wir einfach mal. Ich will hier nicht irgendwelche Dinge verraten, die Torsten Lieberknecht nutzen kann. Da wollen wir die Lauterer überraschen.“ Gelassen ergänzte er: „Wir sind nicht von einem Spieler abhängig, sondern haben einen sehr guten Kader.“

Und dieser Kader lasse sich von den vielen Schlagzeilen rund um Lemperle nicht beeinflussen. „Das hat auf das Spiel am Sonntag null Einfluss“, zeigte sich Funkel überzeugt. Die Mannschaft sei „sehr gut damit umgegangen“, hätte „mit Freude trainiert“, versicherte der Kult-Coach, der zum siebten Mal in seiner Karriere aufsteigen will. Funkel betonte: „Mitnichten ist der Aufstieg dadurch gefährdet!“

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