Wahnsinn in der BayArena! FC krönt sich zum Deutschen Meister

Deutscher Meister! Der FC jubelt in Leverkusen. (Foto: IMAGO / Niklas Heiden)
Deutscher Meister! Der FC jubelt in Leverkusen. (Foto: IMAGO / Niklas Heiden)

Der 1. FC Köln ist Deutscher Meister! Die U19 von Trainer Stefan Ruthenbeck hat es tatsächlich geschafft und Bayer 04 Leverkusen in der BayArena in einem spektakulären Finale mit 5:4 (4:2) niedergerungen. Der erste Meister-Titel seit 1992 löste nach dem Abpfiff alle Schleusen.

Aus der BayArena berichten Sonja Gauer und Marc L. Merten

Zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte stand der 1. FC Köln im Finale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft. Die U19 hatte erstmals seit 1992 wieder die Chance auf den Titel, der erst ein einziges Mal nach Köln ging (1971). Doch der Gegner hieß Bayer 04 Leverkusen, und die Werkself war der klare Favorit.

Doch was die Zuschauer vor einer spektakulären Kulisse von 24.250 Fans zu sehen bekamen, war einem Meister-Finale würdig. Der FC lag erst 0:2 hinten, erzielte dann in nur 217 Sekunden vier (!) Tore, musste in Hälfte zwei trotzdem noch einmal den Ausgleich hinnehmen und durfte nach 90 Minuten doch jubeln. Eine Wahnsinns-Partie endete in völliger Ekstase auf dem Rasen.

Tore und Highlights

8. Minute: Der FC hatte gerade seine ersten guten Aktionen, als die Abwehrmannschaft schlief. Nach einem eigenen Eckball kamen Stapelmann und Kotya-Fofana nicht rechtzeitig zurück, als Bayers Torhüter das Spiel schnell machte und den Abschlag direkt in den Lauf von Artem Stepanov schlug. Kotya-Fofana produzierte noch ein Luftloch, dann war Stepanov frei durch und verwandelte aus 16 Metern eiskalt zum 0:1.

28. Minute: Der FC zeigte sich nicht geschockt. Im Gegenteil. Sofort versuchte der FC wieder nach vorne zu spielen. Immer wieder brachen die Geißböcke über von der Hitz auf der rechten Seite durch. Doch der Rechtsaußen wie auch Niang vergaben gute Möglichkeiten auf den schnellen Ausgleich. Die größte Chance vergab Hekmat nach 21 Minuten zentral aus 13 Metern. Dann folgte der Schock: Einen Flachschuss von Alajbegovic auf das kurze Eck ließ FC-Keeper Marutzki unglücklich nach vorne prallen und Jeremiah Mensah musste nur noch abstauben. Das 0:2.

35. Minute: Nach etwas mehr als einer halben Stunde aber belohnte sich der FC endlich – und läutete völlig verrückte Minuten ein. Erneut griffen die Geißböcke über die rechte Seite an. Von der Hitz flankte in den Fünfmeterraum, wo zunächst Niang und dann Harchaoui den Ball nicht im Tor unterbringen konnte. Doch der U17-Weltmeister zeigte sich gedankenschnell und legte mit der Hacke auf Niang zurück. Der Mittelstürmer ließ sich aus fünf Metern nicht lange bitte und schoss zum 1:2 ein.

36. Minute: Was danach passierte, versetzte die über 3000 FC-Fans in Ekstase. Keine 50 Sekunden später verlor Bayer nach dem Anstoß den Ball im Spielaufbau in der eigenen Hälfte. Von der Hitz ging dazwischen und lief zusammen mit Niang in einem Zwei-gegen-Eins auf das Leverkusener Tor zu. Von der Hitz legte quer und Niang schoss weniger als eine Minute später zum 2:2 ein. Der umjubelte Kölner Ausgleich!

39. Minute: Doch damit nicht genug! Bayer lief an, doch der FC konterte. Harchaoui und Spitali gewannen auf der linken Seite in der eigenen Hälfte den Ball – und Harchaoui spielte vielleicht den Pass seines Lebens. Mit rechts schlug er die Kugel quer über das Feld 50 Meter in den Lauf des gestarteten von der Hitz. Und dieser machte es perfekt, legte sich den Ball von rechts auf links und schlenzte das Leder aus 18 Metern ins lange Eck zum 3:2. Was für ein Tor!

45. Minute: Wer glaubte, dass die Halbzeit damit schon zu Ende war, der irrte gewaltig. Denn der FC hatte noch eine Aktion in der Hinterhand. Ein Einwurf von der linken Seite landete über zwei Stationen wieder bei von der Hitz. Der FC-Youngster hatte erneut genau die richtige Idee. Was einmal geklappt hatte, würde noch einmal klappen. Und so legte sich der 18-Jährige den Ball erneut vom rechten auf den linken Fuß und jagte ihn wie schon beim 3:2 unhaltbar flach ins lange Eck. Das 4:2!

65. Minute: Bayer drückte nach der Pause auf den Anschlusstreffer. Doch Marutzki verhinderte insbesondere in der 56. Minute spektakulär das dritte Leverkusener Tor, als er sich Onyeka wagemutig in die Schussbahn warf. Doch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichter-Gespanns brachte Bayer zurück ins Spiel. Kota-Fofana bekam eine Flanke an den angelegtem Arm, doch der Referee zeigte zum Kölner Entsetzen auf den Punkt. Das Handelfmeter-Geschenk verwandelte Onyeka sicher zum 4:3.

73. Minute: Ruthenbeck reagierte mit dem ersten Wechsel der Partie, doch Bayer hatte die nächste Antwort parat – mit erneuter Mithilfe von Marutzki. Alajbegovic zog einfach mal aus 24 Metern ab. Ein tückischer Aufsetzer, den der FC-Keeper falsch einschätzte und der über Marutzki hinweg ins Netz sprang. Das 4:4 – der Ausgleich.

82. Minute: Wer glaubte, dass nun die Bayer-Elf ihre Qualität überlegen ausspielen würde, hatte sich aber erneut getäuscht. Nun übernahm wieder der FC die Initiative und belohnte sich nach einem Eckball. Friemel brachte die Kugel von der linken Seite ins Zentrum, wo Innenverteidiger Stapelmann am höchsten stieg und den Ball aus fünf Metern einköpfte. Das 5:4 für den FC!

Personal

So spielte der FC: Marutzki – Friemel, Stapelmann, Kotya-Fofana, Spitali – Harchaoui (90. Römers), Zimmermann – von der Hitz, Hekmat (84. Irmiev), Schenten (70. Chukwukelu) – Niang

Zur Aufstellung: Stefan Ruthenbeck setzte auf Kontinuität und warf dieselbe Startelf wie im Halbfinale ins Rennen. Harchaoui war rechtzeitig fit geworden, sodass der FC mit der stärksten Formation beginnen konnte.

Fazit

Herzlichen Glückwunsch, 1. FC Köln und Stefan Ruthenbeck! Dieser Final-Sieg war moralisch und taktisch eine sprichwörtliche Meisterleistung. Den Rückstand weggesteckt, danach brilliert wie kaum zuvor und in der zweiten Halbzeit trotz der Rückschläge gekämpft und am Ende doch noch den Siegtreffer erzielt. Eine Mannschaftsleistung allererster Güte, die zurecht und verdient mit diesem historischen Titel belohnt wurde.

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