Dass Friedhelm Funkel nicht Trainer des 1. FC Köln bleibt, bewegt nicht nur die Fans der Geißböcke. Doch die Entscheidung ist richtig. Auch weil die Nachwehen zeigen, was sonst womöglich passiert wäre.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Als der 1. FC Köln am Freitag bekannt gab, dass Friedhelm Funkel nicht Trainer bleiben würde, stand so manchem schnell wieder der Schaum vor dem Mund. „Die Gremien“ hätten eine Verlängerung verhindert. „Die Gremien“ hätten keine Ahnung. „Die Gremien“ würden den Fußball kaputt machen. Doch dieses Argument war und ist schlichtweg falsch.
Nicht „die Gremien“ entschieden, dass Funkel nicht Trainer bleiben würde. Es war Funkel selbst. Funkel selbst erklärte, nicht am Auswahlprozess beim FC teilnehmen zu wollen. Funkel selbst erwartete, sofort bestätigt zu werden, ohne einen Plan für den FC vorlegen zu müssen. Funkel selbst wälzte die Schuld für sein Aus anschließend auf die Gremien ab.
Funkel sagte dem FC ab – nicht umgekehrt
Dabei hätte er sich dem Prozess ja einfach stellen können. Funkel war überzeugt der Richtige zu sein. Dann hätte er den FC auch davon überzeugen und sich gegen die anderen Trainer durchsetzen können. Wäre er nach dem Auswahlprozess zum Cheftrainer ernannt worden, wäre er gestärkt aus dieser Situation hervorgegangen. Der FC und Funkel hätten gemeinsam erklären können, dass es keine bessere Kombination für die Bundesliga gibt.
Funkel aber wollte sich diesem Prozess nicht stellen. Ein Prozess übrigens, der in jeder anderen Branche Usus ist. Nur im Fußball glaubt man bis heute, dass persönliche Beziehungen und Befindlichkeiten die wichtigsten Einstellungskriterien sind. Nirgendwo sonst wird eine der wichtigsten Führungsrollen in einem Unternehmen noch so unprofessionell vergeben wie im Profifußball. Hätte der FC Funkel einfach so ernannt, ohne sich vorher mit anderen Kandidaten zu befassen, wäre diese Entscheidung vor allem eines gewesen: grob fahrlässig. Und von grob fahrlässigem Verhalten hat man beim FC in den letzten Jahren wahrlich genug gesehen.
Die Empörungsoffensive ist eine perfide Taktik
Stattdessen konnte man beobachten, wie Funkel und sein Umfeld in den folgenden Tagen reagierten. Funkel selbst sprach in jedes Mikro, das ihm vorgehalten wurde. Dazu stand sein Umfeld auf – von Michael Reschke über Reiner Calmund und Volker Struth bis Pierre Littbarski – und sorgte für eine Empörungsoffensive gegen die FC-Verantwortlichen. Ein Umfeld, das gerne wieder beim FC mitgeredet hätte, nun aber darum gebracht wurde.
Das Perfide dahinter war, dass man indirekt versuchte Thomas Kessler zu schwächen. Indem man einfach behauptete, der gerade erst ernannte Sportdirektor hätte gerne mit Funkel weitergemacht, ließ man durchblicken: Kessler hat eigentlich gar nichts zu sagen und ist nur Sportchef vor „der Gremien“ Gnaden. Dass Kessler aber selbst Zweifel an Funkel hatte, selbst gerne diesen Auswahlprozess führen wollte, wurde ignoriert.
Kessler hat einen Fehler aktiv vermieden
Vieles ist in den letzten Jahren schlecht gelaufen beim 1. FC Köln. Einiges davon hat tatsächlich auch mit der Vereinsstruktur zu tun. Vieles war aber vor allem das Versagen einzelner Personen. Mit Kessler steht nun ein neuer Sportchef an Deck, der seine eigenen Entscheidungen treffen will. Funkel im Schnellwaschgang zu bestätigen, wäre sein erster Fehler gewesen. Genau diesen hat er aktiv vermieden. Nun muss er den richtigen Trainer finden – und setzt dabei auf den bestmöglichen Trainer, nicht auf den erstbesten.








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