„Hatten keinen Zugriff mehr“: Wollte der FC Bisseck zurückholen?

Yann Aurel Bisseck und Florian Wirtz im Champions-League-Duell. (Foto: IMAGO / DeFodi Images)
Yann Aurel Bisseck und Florian Wirtz im Champions-League-Duell. (Foto: IMAGO / DeFodi Images)

Neben Florian Wirtz sorgt mit Yann Aurel Bisseck noch ein weiteres Eigengewächs des 1. FC Köln international für Furore. Eckhard Sauren hat beim Mitgliederstammtisch von einem vergeblichen Rückhol-Versuch berichtet. Der wirft allerdings Fragen auf.

Am Freitag dürfte Florian Wirtz in der Gunst der FC-Fans zumindest etwas gestiegen sein. Seit Liverpool um 20 Uhr die Verpflichtung des 22-jährigen Pulheimers bekannt gegeben hat, ist eines der größten Talente in der Geschichte des 1. FC Köln endlich kein Leverkusener mehr. Zudem fließt von der Rekordablöse – 135 bis 150 Millionen Euro, je nach Bonuszahlungen – die eine oder andere Million ans Geißbockheim (der GEISSBLOG berichtete).

Dennoch wird der Wirtz-Verlust, im Januar 2020 für eine geringe sechsstellige Summe, die Anhängerschaft der Geißböcke wohl nie so ganz loslassen. Auch beim jüngsten Mitgliederstammtisch war der Nationalspieler wieder Gesprächsthema – genau wie ein weiteres verlorenes Kölner Eigengewächs, das international auftrumpft: Yann Aurel Bisseck.

Bisseck „in Dänemark aufgefunden“

Der Innenverteidiger, der Ende Mai mit Inter Mailand im Champions-League-Finale stand, dringt zwar nicht in die Sphären von Wirtz vor, soll mit einer Marktwert-Schätzung von 35 Millionen Euro aber immerhin mehr als halb so teuer wie der gesamte aktuelle Kölner Kader sein.

Die Geschichte von Bissecks Abgang ist natürlich eine ganz andere als jene von Wirtz. Nach drei verunglückten Leihen zu Holstein Kiel, Roda Kerkrade und Vitoria Guimaraes war der jüngste Bundesliga-Spieler der FC-Historie im Sommer 2021 nach Aarhus verliehen worden – inklusive Kaufoption, die der dänische Erstligist bereits nach wenigen Monaten aktivierte. In Aarhus katapultierte sich Bisseck mit einer Leistungsexplosion in den Fokus von Inter Mailand, der italienische Traditions-Club zahlte im Sommer 2023 mehr als sieben Millionen Euro für den gebürtigen Kölner.

Die Vertragskonstellation war leider so, dass wir keine Zugriffsmöglichkeit mehr hatten, sondern nur noch ein bisschen etwas über Transferbeteiligungen rausziehen konnten.

Eckhard Sauren über Bisseck

Der FC wiederum prüfte zwischenzeitlich offenbar eine Rückhol-Aktion, wie Eckhard Sauren nun am Dienstag beim Stammtisch durchblicken ließ. „Ganz zu Beginn der Amtszeit“, so der Vizepräsident, habe man gemeinsam mit Jörg Jakobs den verliehenen Bisseck „in Dänemark aufgefunden“.

Sauren versicherte: „Wir haben uns die Vertragskonstellation angeschaut.“ Doch: „Die war leider so, dass wir keine Zugriffsmöglichkeit mehr hatten, sondern nur noch ein bisschen etwas über Transferbeteiligungen rausziehen konnten. Die haben wir bekommen, aber der Zug war aus dem Bahnhof raus.“

Bisseck-Leihe erst ins Jakobs‘ Amtszeit

Was Sauren bei seiner Darstellung der Geschehnisse vergaß: Zum einen war der Vorstand bereits seit September 2019 im Amt, zum anderen wurde Bisseck von Interims-Sportchef Jörg Jakobs überhaupt erst nach Dänemark verliehen. Im Mai 2021 war Horst Heldt entlassen worden, im Juni verkündete der eingesprungene Jakobs die erneute Bisseck-Leihe. „Wir sind froh, einen guten Verein gefunden zu haben, bei dem er sich in der nächsten Saison auf gutem Niveau weiterentwickeln kann“, so seine Worte in der offiziellen Pressemitteilung.

Insofern kann weder die Rede davon sein, dass man Bisseck in Dänemark „aufgefunden“ habe. Noch dürfte die von Sauren erwähnte fehlende „Zugriffsmöglichkeit“ – beispielsweise eine Rückkaufoption – die Verantwortlichen überrascht haben.

Bisseck dachte schon ans Aufhören

Vielmehr hatte man nach drei gescheiterten Leihen und viel Verletzungspech wohl den Glauben an Bissecks Durchbruch verloren. „Er selbst hatte schon darüber nachgedacht, den Fußball ad acta zu legen und Medizin zu studieren“, erinnerte sich Sportdirektor Thomas Kessler an die damalige Situation.

Sauren nannte den Umgang mit Bisseck abschließend „ein gutes Beispiel dafür, wie man es lange Zeit nicht gut gemacht hat“. Zumindest bei dieser Einschätzung dürfte es keine zwei Meinungen geben. Der FC-Vize schob nach: „Da sind wir mittlerweile deutlich besser aufgestellt.“

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