„Sein Durchbruch-Jahr“: Transfer-Stau als letzte Chance?

Jacob Christensen, Steffen Tigges und Neo Telle vor dem Spiel gegen Bergisch-Gladbach. (Foto: Bucco)
Jacob Christensen, Steffen Tigges und Neo Telle vor dem Spiel gegen Bergisch-Gladbach. (Foto: Bucco)

Zwei Spieler des 1. FC Köln haben am Samstag im ersten Testspiel gegen den SV Bergisch Gladbach positionsfremd auflaufen müssen. Ein Hinweis an das Duo, dass im Kader eigentlich kein Platz mehr ist?

Steffen Tigges zog aus der zweiten Reihe einfach mal ab. Gut 22 Meter, linker Fuß – der Stürmer des 1. FC Köln traf den Ball gut, und so schlug das Spielgerät neben dem langen Pfosten ein. Ein Tor, welches dem bald 27-Jährigen gut getan haben dürfte. Denn gegen Bergisch-Gladbach im Testspiel musste der Linksfuß auf einer ungewohnten Position ran.

Zumindest ungewohnt für die Fans des 1. FC Köln, die Tigges noch nie auf der linken Außenbahn in einem 3-4-3 gesehen hatten. Dabei hat der Mittelstürmer in seiner Zeit beim VfL Osnabrück durchaus schon die linke Seite bekleidet, nicht nur im Angriff. Insofern war die Versetzung aus dem Zentrum keine allzu große Überraschung, nachdem man diese bereits im Training hatte beobachten können.

Kwasniok muss kreativ basteln

„Tiggi hat in Osnabrück die ganze Zeit auf der Schiene gespielt, das war sein Durchbruch-Jahr“, sagte Lukas Kwasniok hinterher. Der FC-Trainer dürfte allerdings auch wissen, dass Tigges‘ eigentliches Durchbruch-Jahr die Saison 2020/21 war, als er 22 Tore in 35 Regionalliga-Spielen für den BVB erzielte – als Mittelstürmer. Und ebenfalls zur Wahrheit gehört, dass Tigges auf Bundesliga-Niveau für die linke Außenbahn nicht über das nötige Tempo verfügt.

So mag die Versetzung zwar nicht ungewohnt gewesen sein. Eine Zukunft hat der 26-Jährige beim FC auf dieser Position trotzdem nicht. Vielmehr musste Kwasniok improvisieren, weil nach dem Abgang von Max Finkgräfe auf der linken Seite nur noch Leart Pacarada übrig ist. „Dort haben wir aktuell nur einen Spieler, insofern musst du die Postionen anders besetzen“, sagte Kwasniok. „Wir können ja nicht sagen, dass wir ohne Außen spielen. Deswegen ist Kreativität gefragt.“

Ich habe gesucht und gesucht – und habe keinen gefunden, der das sonst noch spielen kann

Lukas Kwasniok

Was für die linke Seite mit Tigges galt, galt am Samstag auch für die rechte Seite mit Jacob Christensen. Denn auch auf rechts steht im Kader außer Jusuf Gazibegovic niemand, der die Rolle übernehmen könnte. Schon gar nicht, weil Jan Thielmann noch im Urlaub weilt. Und so musste der Däne Christensen am Samstag rechts ran. „Es ist nicht so, dass sich Jaxe auf der Rechtsverteidiger-Position ganz wohlfühlt, aber ich habe gesucht und gesucht – und habe keinen gefunden, der das sonst noch spielen kann. Deswegen musste er als Sechser auf der Zweier-Position spielen.“

Christensen hatte merklich Probleme, mehr als Tigges. So ging über seine Seite für Bergisch Gladbach in der ersten Halbzeit immer wieder etwas nach vorne. Doch im Zentrum, wo der Däne eigentlich zuhause ist, ist für ihn kein Platz mehr. Es war ein deutliches Signal, dass Kwasniok nicht Fayssal Harchaoui aus dem Zentrum nach rechts stellte – von einem Nachwuchsspieler kann man dies auch mal verlangen –, sondern den 24-Jährigen, der vor zwei Jahren aus Nordsjaelland zum FC gekommen war. Viel deutlicher hätte Kwasniok nicht ausdrücken können, dass „Jaxe“ in Köln nur noch mitläuft, aber nicht mehr vorgesehen ist.

Quartett beim FC vor dem Aus

So waren es einerseits kreative Lösungen von Kwasniok, andererseits klare Botschaften. Neben dem bereits aussortierten Sargis Adamyan (der GEISSBLOG berichtete) dürften Christensen und Tigges zu jenen Spielern gehören, die in diesem Sommer noch gehen können. Florian Dietz ist bekanntlich die Nummer vier in der Runde.

Andererseits weiß Kwasniok auch: Solange diese Spieler keinen neuen Club gefunden haben, muss er sie weiter testen und einbinden. Vor allem, bis der FC auf den Positionen die Lücken geschlossen hat. Ein doppelter Transfer-Stau also: Der FC muss weiter neue Spieler reinbringen, muss aber auch die Kaderplätze frei machen. Bis zum Trainingslager sollen weitere Entscheidungen fallen.

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